AnlagePunk Bitcoin im freien Fall: Warum 35.000 Dollar realistischer sind als der Trump-Traum

Bitcoin im freien Fall: Warum 35.000 Dollar realistischer sind als der Trump-Traum

Von 107.565 Euro auf 51.808 Euro in sechs Monaten – Bitcoin crasht härter als jede politische Hoffnung. Während Großbanken ihre Prognosen halbieren, kaufen Wale heimlich nach. Was steckt wirklich hinter dem Absturz?

Bitcoin verliert binnen eines halben Jahres mehr als 50 Prozent seines Wertes. Das Rekordhoch von 107.565 Euro vom Oktober 2025 ist Geschichte, der Kurs dümpelt aktuell bei rund 66.000 US-Dollar. Zwei Billionen Dollar Marktwert sind im gesamten Kryptosektor vernichtet worden. Die Frage ist nicht mehr, ob Bitcoin weiter fällt – sondern wie tief.

Standard Chartered kapituliert

Die britische Großbank Standard Chartered senkt ihr Kursziel für Ende 2026 von 150.000 auf 100.000 Dollar. Zweite Korrektur in weniger als drei Monaten. Experte Geoffrey Kendrick rechnet mit einem Absturz unter 50.000 Dollar, bevor sich der Markt erholt.

Seine Begründung: ETF-Abflüsse und eine schwächelnde Weltwirtschaft würden weitere Kapitulation erzwingen. Laut finanzen.net könnte die Verlustserie in die nächste Runde gehen – fundamentale Belastungsfaktoren wirkten weiter.

Panikverkäufe dominieren den Markt

Das Spent Output Profit Ratio liegt mittlerweile oft unter 1. Das bedeutet: Anleger verkaufen mit Verlust. Angstgetriebenes Handeln statt strategischer Exits. Historisch markieren solche Phasen zwar oft lokale Tiefpunkte, doch diesmal fehlt das Vertrauen in eine schnelle Erholung. Mehr als 19 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen wurden nach dem Oktober-Hoch liquidiert. Anfang Februar fiel Bitcoin kurzzeitig auf 60.000 Dollar.

Während Kleinanleger in Panik verfallen, sammeln Bitcoin-Wale systematisch ein. Adressen mit 10.000 bis 100.000 BTC haben seit Monatsbeginn über 70.000 BTC akkumuliert – Gegenwert: 4,6 Milliarden Dollar. Der gleitende 30-Tage-Durchschnitt der Börsen-Abflüsse liegt bei 3,2 Prozent. Ein Muster, das an 2022 erinnert, als sich Wale vor dem nächsten Bullenmarkt positionierten. Doch Vorsicht: Damals dauerte es Monate, bis die Kurse wieder anzogen.

Trump-Effekt verpufft komplett

Die Krypto-Industrie hatte Millionen in Trumps Wahlkampf gepumpt und auf eine goldene Ära gehofft. Nach der Wahl im November 2024 stieg Bitcoin zunächst massiv. Doch die erratische Politik des Präsidenten verunsichert Investoren nachhaltig. Der Kurs liegt inzwischen unter dem Niveau seiner Amtseinführung. Co-Pierre Georg von der Frankfurt School of Finance & Management bringt es auf den Punkt: Bei Trump blieben am Ende meist nur vage Ankündigungen und Selbstbereicherung. Seine Familie habe vom Krypto-Ausflug profitiert – alle anderen eher nicht: Der Markt für Bitcoin wird von wenigen großen Akteuren dominiert und war schon immer hochvolatil“, erklärt er gegenüber web.de.

Darknet-Dominanz verschwiegen

Bitcoin spielt eine zentrale Rolle in illegalen Finanzmärkten. So werden Milliarden Dollar über sogenannte Pig-Butchering-Schemes umgesetzt – eine Mischung aus Anlage- und Liebesbetrug. Georg beziffert das Volumen auf das 9- bis 14-fache legitimer Bitcoin-Zahlungen. Eine unbequeme Wahrheit, die Krypto-Evangelisten gern verschweigen. Bitcoin bleibt ein hochvolatiles Risk-on-Asset, das sich parallel zu riskanten Aktien bewegt.

Fairer Wert liegt bei 55.000 Dollar

Claude Erb, ehemaliger Rohstoff-Portfoliomanager, berechnet den fairen Bitcoin-Wert nach dem Metcalfe-Gesetz. Sein Ergebnis: 55.000 Dollar. Im Oktober, als Bitcoin bei 125.000 Dollar notierte, lag der faire Wert bei 53.000 Dollar. Die Lücke hat sich geschlossen, doch das ist kein Sicherheitsnetz.

Es gebe es keine Garantie, dass der Bärenmarkt beim fairen Wert stoppt. Bitcoin neigt dazu, in beide Richtungen über das Ziel hinauszuschießen. Hayden Hughes von Tokenize Capital erwartet einen Fall auf 35.000 Dollar bis September.

Quantencomputer als Langzeitrisiko

Ein Teil der existierenden Bitcoins könnte in 10 bis 15 Jahren durch Quantencomputer entschlüsselt werden. Ein Szenario, das die Sicherheit des gesamten Netzwerks infrage stellt. Hinzu kommt: Niemand weiß, wie stabil Bitcoin bleibt, wenn kaum noch neue Coins produziert werden. Die Kryptowelt ist volatil genug – langfristige Risiken werden systematisch ausgeblendet.

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