Business & Beyond Snapchat: Eine Milliarde Dollar für Filter und Flammen

Snapchat: Eine Milliarde Dollar für Filter und Flammen

25 Millionen Menschen zahlen freiwillig für Snapchat+. Das spült Snap eine Milliarde Dollar Jahresumsatz in die Kasse. Werbung war gestern, jetzt kommt das Bezahl-Internet durch die Hintertür. Und die Konkurrenz schaut sehr genau zu. Snapchat dreht komplett am Abo-Rad.

Die Headline ist dabei wörtlich gemeint: „Filter“ stehen für die AR-Lenses und Effekte, mit denen Snapchat groß wurde. „Flammen“ spielen auf das Snapstreak-Symbol an – jene kleine Flamme, die anzeigt, wie viele Tage zwei Nutzer sich ununterbrochen Snaps schicken. Ein Milliardenbusiness, gebaut auf digitalen Spielmechaniken und emotionaler Dauerbindung.

Von Spielerei zum Milliardenmotor

Snap Inc. hat eine neue Lieblingszahl: 1.000.000.000. So hoch liegt die annualisierte Umsatzrate im Direct-Revenue-Geschäft. Hochgerechnet auf ein Jahr knackt das Unternehmen damit die Milliardenmarke – und der Turbo heißt Snapchat+. Mehr als 25 Millionen Abonnenten zahlen mindestens 3,99 Dollar pro Monat für exklusive und vorab verfügbare Features. Was 2022 als Early-Access-Programm für Hardcore-Fans startete, ist heute eine ernstzunehmende Einnahmequelle neben dem klassischen Werbegeschäft. Laut Snap wächst der Dienst quartalsweise – schneller als viele andere Consumer-Abos weltweit.

Mehr Stufen, mehr Cash, weniger Gratis

Doch beim Basismodell blieb es nicht. Mit Lens+ brachte Snapchat exklusive AR-Lenses für 8,99 Dollar im Monat. Anfang 2025 folgte dann Snapchat+ Platinum für 15,99 Dollar – werbefrei, Premium, maximal monetarisiert. Richtig brisant wurde es im September: Kostenloser Speicher für „Memories“ wird gedeckelt. Wer mehr Platz will, zahlt 1,99 Dollar extra. Plus-Abonnenten bekommen bis zu 250 GB, Platinum-User sogar 5 TB. Die Message ist klar: Selbst deine Erinnerungen sind jetzt ein Geschäftsmodell.

Creator werden zur Paywall

Snap denkt längst über Plattform-Abos hinaus. In den USA läuft eine Alpha-Phase für Creator-Subscriptions. Nutzer können einzelne Influencer abonnieren – etwa Jeremiah Brown, Harry Jowsey oder Skai Jackson – und erhalten exklusive Inhalte, priorisierte Antworten und ein werbefreies Story-Erlebnis beim jeweiligen Creator. Die Plattform wird damit zur Abo-Infrastruktur für Persönlichkeiten. Fans zahlen nicht mehr nur für Funktionen, sondern für Nähe. Community wird Premium-Produkt.

Meta zieht nach

Der Erfolg bleibt nicht isoliert. Meta Platforms testet ebenfalls neue Bezahlmodelle für Instagram, Facebook und WhatsApp. Exklusive Features gegen Geld – das Abo-Prinzip breitet sich aus wie ein Update, das keiner verhindern kann. Snap hat vorgemacht, dass Nutzer bereit sind zu zahlen. Die eigentliche Provokation lautet deshalb nicht mehr: „Wer zahlt für Social Media?“ Sondern: „Wie viele Abos verträgt dein digitales Leben noch?“

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