AnlagePunk Das Geheimnis der Superreichen ist erschreckend langweilig

Das Geheimnis der Superreichen ist erschreckend langweilig

Kolumne von Jonathan v. Pfetten-Arnbach, Partner und Vermögensverwalter bei Madaus Capital Partners

Die meisten Menschen stellen sich einen Family-Office-Manager vor wie einen grauhaarigen Herrn im Maßanzug, der in einem holzgetäfelten Büro Telefonate auf Schweizerdeutsch führt. Falsch gedacht.

Was hinter diesen Türen wirklich passiert, ist keine Magie. Es ist Handwerk. Und das Unbequeme daran: Die meisten Privatanleger könnten es genauso anwenden, sie tun es nur nicht.

1. Vermögen denkt in Generationen

Wir verwalten kein Geld für den nächsten Urlaub. Wir sichern den Lebensstandard einer Familie über Jahrzehnte. Das klingt abstrakt, verändert aber alles.

Die Frage lautet nicht „Was bringt das dieses Jahr?“, sondern „Welchen Wert hat dieses Asset in 20 Jahren?“ Wer so denkt, verkauft nicht bei -20 %. Wer so denkt, schläft ruhig, wenn andere in Panik verfallen.

Das Problem: Die meisten Anleger nennen sich langfristig und werden beim ersten echten Einbruch kurzfristig. Es gibt eine einzige Frage, die das verhindert: Wann brauchst du dieses Geld wirklich? Wer diese Frage ehrlich beantwortet und dabei bleibt, hat den größten Fehler des Privatanlegers bereits ausgeschlossen.

2. Diversifikation ist kein Buzzword

50 % Verlust erfordert danach 100 % Gewinn, um wieder auf null zu kommen. Diese Mathematik kennen die meisten, sie handeln trotzdem nicht danach.

Wir streuen konsequent: über Assetklassen, Währungen, Geographien und Strukturen. Private Equity, Immobilien, Infrastruktur, liquide Märkte, alles hat seinen Platz. Bei Madaus Capital Partners arbeiten wir mit einem klaren Allokationsrahmen, der nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Risikoparametern und Zielvorgaben justiert wird. Was dabei fast nebenbei passiert: Es schützt vor dem größten Feind des Investors, der eigenen Psychologie.

Hör auf, dein Portfolio als Wette auf einen Sektor oder ein Thema aufzubauen. Diversifiziere konsequent und wenn möglich, auch über ETFs hinaus.

3. Kosten fressen Rendite

Family Offices sind kostenobsessiv. Nicht geizig, sondern präzise. Jede Gebühr, jede Managementkosten, jeder Spread wird hinterfragt.

Warum? Weil Kosten die einzige Konstante im Portfolio sind, leider mit negativem Vorzeichen. Ein aktiver Fonds mit 1,5 % TER muss dauerhaft über 1,5 % besser sein als der Benchmark, nur um Break-even zu spielen. Das gelingt selten.

Kenne die Kosten deiner Produkte bis auf die zweite Nachkommastelle. Und frage dich bei jeder Gebühr: Wofür genau zahle ich das und bekomme ich es auch?

4. Liquidität ist kein Fehler im System

Wer Cash hält, verliert Rendite. Stimmt, kurzfristig. Aber strategische Liquidität gibt dir etwas, das kein Produkt kaufen kann: Handlungsfähigkeit im richtigen Moment.

Im März 2020 haben viele Family Offices zugekauft, während andere panikverkauft haben. Kein besseres Markttiming, nur bessere Vorbereitung. Der nächste Einbruch kommt. Die Frage ist nur, ob du dann kaufen oder verkaufen musst.

5. Regeln schlagen Bauchgefühl

Das Unkomfortabelste an meiner Arbeit: Entscheidungen werden nicht allein getroffen. Es gibt klare Leitlinien, Gremien, regelmäßige Revisionen. Das klingt bürokratisch, ist aber das Klügste, was ein Investor tun kann.

Denn was diese Struktur verhindert, ist der häufigste und teuerste Fehler: Emotionsentscheidungen. Niemand kauft auf dem Höhepunkt des Hypes oder verkauft im Tal der Tränen, wenn vorher klare Regeln gelten.

Schreib dir deine eigenen Investmentregeln auf. Wann kaufst du? Wann verkaufst du? Was ist dein persönliches Risikolimit? Wer dich zu einer Abweichung bringt, hat die Beweislast, nicht du.

Fazit: Du brauchst kein Family Office. Nur deren Denkweise

Die meisten Prinzipien, die wir bei Madaus Capital Partners täglich anwenden, sind kein Privileg des Großvermögens. Sie sind Handwerk. Erlernbar, umsetzbar, wirkungsvoll, unabhängig davon, wie groß das Depot ist.

Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Investor liegt selten am Kapital. Er liegt an Struktur, Disziplin und Zeithorizont.

Die gute Nachricht: All das kostet dich nichts außer Konsequenz.

Madaus Capital Partners ist ein unabhängiges Family Office mit Fokus auf ganzheitliche Vermögensverwaltung für Unternehmerfamilien und vermögende Privatpersonen. Der Autor schreibt hier in eigener Kolumne.

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