Finance & Freedom Iran-Krieg schockt Tankstellen: Zwei-Euro-Marke geknackt

Iran-Krieg schockt Tankstellen: Zwei-Euro-Marke geknackt

Die Sperrung der Straße von Hormus treibt Spritpreise auf Rekordhöhe. Super E10 kostet 1,84 Euro, Diesel 1,82 Euro. Politik diskutiert über Spritpreisbremse – doch die wahren Profiteure sitzen woanders.

Geopolitische Krisen treffen deutsche Autofahrer mit brutaler Präzision. Seit der Eskalation im Iran-Konflikt und der Blockade der Straße von Hormus explodieren die Spritpreise. Super E10 verteuerte sich binnen drei Tagen um 6,1 Cent auf 1,84 Euro pro Liter – der höchste Stand seit Mai 2024. Diesel kletterte sogar um sieben Cent auf 1,82 Euro. In Berlin knacken erste Tankstellen bereits die Zwei-Euro-Marke.

Heizöl: Plus 23 Prozent in 72 Stunden

Noch härter trifft es Haushalte mit Ölheizung. Der Preis für 100 Liter Heizöl schoss von unter 100 Euro am Freitag auf 123 Euro am Dienstagmorgen – ein Anstieg von über 23 Prozent in drei Tagen, wie Tagesschau berichtet. Wer jetzt seinen Tank füllen muss, zahlt drauf. Die Ursache: Rohölpreise steigen durch die Hormus-Blockade, kombiniert mit einem schwachen Euro gegenüber dem Dollar. Diese Faktoren multiplizieren sich zu einer toxischen Preisspirale.

Mineralölkonzerne kassieren – Politik zögert

Der SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher wirft der Branche vor, verfrüht abzukassieren. Das aktuell verkaufte Benzin sei zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft worden. Die Linke fordert eine Übergewinnsteuer, um Krisenrenditen abzuschöpfen. Die schwarz-rote Koalition hält sich bedeckt. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger schließt preisdämpfende Maßnahmen nicht aus – konkrete Schritte bleiben aber aus. 2022 hatte die Ampel-Regierung während des Ukraine-Kriegs die Energiesteuer befristet gesenkt.

Versorgung gesichert – aber zu welchem Preis?

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie beschwichtigt: „Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff“, so Spiegel. Deutschland beziehe Rohöl aus rund 30 Ländern, Hauptlieferanten seien Norwegen, USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien. Die Diversifikation schützt vor Lieferausfällen – nicht aber vor Preisschocks. Der ADAC-Preisvergleich kollabierte zeitweise unter dem Ansturm verzweifelter Autofahrer.

Business Punk Check

Die Wahrheit hinter den Spritpreisen: Mineralölkonzerne nutzen geopolitische Krisen als Deckmantel für Preiserhöhungen, während die eingekauften Rohstoffe noch aus Zeiten niedriger Ölpreise stammen. Die Politik reagiert mit Symboldebatten statt harten Eingriffen. Eine Übergewinnsteuer? Theoretisch richtig, praktisch unwahrscheinlich. Die schwarz-rote Koalition wird maximal eine befristete Steuersenkung durchsetzen – wie 2022 beim Ukraine-Krieg. Für Unternehmen mit Fuhrparks bedeutet das: Budgets sofort anpassen, Tankkarten-Limits erhöhen und Mobilitätskonzepte überdenken.

Wer jetzt noch auf Verbrenner setzt, zahlt die geopolitische Risikoprämie. Elektrifizierung wird zur Kostensenkungs-Strategie, nicht zur Klimamaßnahme. Mittelständler mit Logistik-Abhängigkeit müssen Preisgleitklauseln in Verträgen verankern – sonst fressen Spritkosten die Marge. Die Hormus-Blockade zeigt: Deutschlands Energieabhängigkeit ist nicht gelöst, nur verlagert. Vom russischen Gas zur nahöstlichen Ölroute – die Verwundbarkeit bleibt. Wer strategisch denkt, diversifiziert jetzt Antriebskonzepte und Lieferketten. Die nächste Krise kommt bestimmt.

Häufig gestellte Fragen

Wie können Unternehmen mit Fuhrparks auf die Spritpreis-Explosion reagieren?

Sofortmaßnahmen: Tankkarten-Limits erhöhen, Budgets um 15-20 Prozent anpassen und Preisgleitklauseln in Kundenverträgen verankern. Mittelfristig lohnt die Elektrifizierung von Flotten – nicht aus Klimagründen, sondern zur Kostenreduktion. Hybridmodelle als Übergangslösung senken die Abhängigkeit von Ölpreisschwankungen. Wer jetzt noch rein auf Verbrenner setzt, zahlt die geopolitische Risikoprämie.

Warum steigen die Spritpreise so schnell, obwohl das Benzin günstiger eingekauft wurde?

Mineralölkonzerne kalkulieren Preise auf Basis aktueller Rohölpreise und Wiederbeschaffungskosten – nicht auf Basis historischer Einkaufspreise. Das ist branchenüblich, aber intransparent. Faktisch entstehen Übergewinne, wenn bereits günstig eingekaufte Ware zu Krisenpreisen verkauft wird. Die Politik könnte mit einer Übergewinnsteuer gegensteuern, scheut aber den Konflikt mit der Industrie.

Welche Branchen profitieren von der aktuellen Energiekrise?

Elektromobilitäts-Anbieter, Ladesäulen-Betreiber und Carsharing-Dienste verzeichnen steigende Nachfrage. Logistik-Dienstleister mit elektrifizierten Flotten gewinnen Wettbewerbsvorteile. Hersteller von Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen profitieren von Haushalten, die sich von fossilen Energieträgern abkoppeln wollen. Die Krise beschleunigt die Transformation – für die, die vorbereitet sind.

Ist eine Spritpreisbremse realistisch und was würde sie bringen?

Die schwarz-rote Koalition könnte die Energiesteuer befristet senken – wie 2022 beim Ukraine-Krieg. Das würde Preise um etwa 30 Cent pro Liter drücken. Effekt: kurzfristige Entlastung, aber keine strukturelle Lösung. Kritiker warnen vor Mitnahmeeffekten durch Mineralölkonzerne, die Steuersenkungen nicht vollständig weitergeben. Langfristig hilft nur Diversifikation der Energieträger und Reduktion der Ölabhängigkeit.

Wie lange bleiben die Spritpreise auf diesem Niveau?

Das hängt von der Hormus-Blockade ab. Historisch dauerten Nahost-Krisen zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Beim Ukraine-Krieg 2022 stiegen Preise binnen zwei Wochen um 60 Cent, normalisierten sich aber nach drei Monaten teilweise. Aktuell fehlen Signale für eine diplomatische Lösung. Unternehmen sollten mit erhöhten Spritkosten für mindestens sechs Monate kalkulieren – und Alternativszenarien entwickeln.

Quellen: Tagesschau, Spiegel

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