Business & Beyond Mathe lügt nicht: Baden-Württemberg wählt konservativ – und bekommt trotzdem Grün

Mathe lügt nicht: Baden-Württemberg wählt konservativ – und bekommt trotzdem Grün

Alle rufen „Grüner Sieg!“. Die Mathematik sagt etwas anderes: konservative Mehrheit, grüne Macht. Willkommen im Koalitionsparadox von Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg hat gewählt. Und wie immer nach einer Wahl beginnt das große Deuten. Der Mainstream jubelt schon: „Die Grünen gewinnen!“ Punkt. Haken dran. Sekt auf.

Aber Moment. Wer kurz den Taschenrechner einschaltet, merkt: So einfach ist die Story nicht. Diese Wahl hat nämlich zwei Ergebnisse. Ein mathematisches. Und ein politisches.

Fangen wir mit der Mathematik an. Die ist brutal ehrlich. Der größte Gewinner dieser Wahl heißt: AfD. Punkt. Zweitgrößter Gewinner: CDU. Größter Verlierer: FDP. Zweitgrößter Verlierer: SPD. So sieht die nackte Rechnung aus. Keine Moral, kein Framing, kein Talkshow-Schaum. Nur Prozentpunkte.

Die FDP hat sich politisch selbst aus dem Spiel gebeamt. Ex-Chef Christian Lindner würde sagen: „Markt bereinigt.“ Und die SPD? Regierungspartei im Bund. In Baden-Württemberg inzwischen ungefähr so relevant wie ein Faxgerät im Silicon Valley. Wenn das so weitergeht, ist die SPD bald keine Volkspartei mehr, sondern eine Art politische Sekte: kleine Gemeinde, viel Glaube, wenig Wähler.

Jetzt zum politischen Ergebnis. Das ist komplizierter. Und spannender. Denn diese Wahl hat einen Namen: Cem Özdemir. Der Mann hat eine Aufholjagd hingelegt, die man so erstmal schaffen muss. Als Spitzenkandidat der Grünen hat er gezogen. Persönlich und direkt, das Ideologie-Feuerwerk hat er zu Hause gelassen.  Selbst die Parteifarbe hat er nur noch in der Krawatte angedeutet. Am Ende landet er nur knapp unter seinem Vorgänger. In Wahlkampf-Sprache ist das verdammt respektabel. Özdemir hat gezeigt, was in der Politik immer noch funktioniert: Persönlichkeit schlägt Parteiprogramm. Menschen wählen Menschen.

Die CDU wiederum hat stark zugelegt. Wirklich stark. Mehr Stimmen, mehr Momentum, mehr Rückenwind. Und trotzdem ist sie nur auf Platz zwei gelandet. Das ist die tragischste Position in der Politik. Zweiter Sieger. Silbermedaille. Klingt gut, fühlt sich aber an wie verlieren. Die CDU steht da wie ein Marathonläufer, der einen Sprint hingelegt hat und dann zwei Meter vor der Ziellinie merkt: Mist, da ist noch jemand schneller.

Und jetzt kommt der vielleicht unbequemste Teil dieser Wahl. Der Mainstream feiert einen grünen Sieg. Aber wer auf die Gesamtverteilung der Stimmen schaut, erkennt etwas anderes: Die Mehrheit in Baden-Württemberg wählt konservativ. CDU, AfD, FDP – zusammen ist das eine ziemlich solide bürgerliche Mehrheit. Nur: Durchsetzen wird sie sich nicht, weil Politik eben mehr ist als Prozentrechnung. Es geht um Bündnisse und Machtarithmetik. Am Ende gewinnt nicht die Mehrheit. Sondern es gewinnen die, die Koalitionen bauen können. Baden-Württemberg bleibt also grün geprägt. Trotz konservativer Mehrheit im Wählerlager. Oder, um es in Business-Punk-Sprache zu sagen: Die Wähler haben rechts von der Mitte bestellt. Geliefert wird trotzdem Grün. Das ist Punk. Made in Germany.

Das könnte dich auch interessieren