Business & Beyond Vom Weltmeister zum Brückenbauer: Nico Rosberg wird für deutsch-britische Freundschaft geehrt

Vom Weltmeister zum Brückenbauer: Nico Rosberg wird für deutsch-britische Freundschaft geehrt

Er wurde Formel-1-Weltmeister, beendete überraschend seine Karriere – und startete danach als Investor und Nachhaltigkeitsunternehmer durch. Nun erhält Nico Rosberg den German-British #Freundship Award 2026. Wir sprechen mit ihm über internationale Zusammenarbeit, Innovation und darüber, warum Sport manchmal mehr verbindet als Politik.

Herr Rosberg Ihre Karriere hat deutsche und britische Wurzeln – was bedeutet Ihnen persönlich die Auszeichnung mit dem German-British #Freundship Award?

Diese Auszeichnung berührt mich persönlich sehr, weil sie zwei Welten zusammenbringt, die mein Leben zutiefst geprägt haben. Ich bin in Deutschland geboren und als Sohn einer deutschen Mutter und eines finnischen Vaters in Monaco aufgewachsen, aber Großbritannien ist für mich zur sportlichen Heimat geworden. Meinen Weltmeistertitel 2016 habe ich mit einem deutsch-britischen Formel-1-Team gewonnen – mit Mercedes, einem Team, dessen Herz in Brackley und Brixworth schlägt, mitten in England. Da haben wir trainiert, da haben wir gemeinsam an unserem Traum gearbeitet. Ein großer Teil des Teams, vom Mechaniker bis zum Chefdesigner, waren Briten. Dass ich diesen Preis nun entgegennehmen darf, empfinde ich als wunderbare Anerkennung dafür, dass echte Freundschaft und Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg Großartiges ermöglichen können.

Welche Rolle hat die internationale Perspektive für Ihr heutiges Engagement gespielt?

Die Formel 1 ist die internationalste Sportart der Welt. Schon als junger Fahrer habe ich gelernt, in verschiedenen Kulturen zu arbeiten und zu denken. Bei Mercedes war ich teils der einzige Deutsche, soweit ich mich erinnere. Das hat mir beigebracht, offen auf Menschen zuzugehen und Brücken zu bauen. Genau das mache ich heute als Wagniskapital-Investor: Ich will Brückenbauer sein – zwischen Startups und Corporates, zwischen Innovationen und Kapital. Und ich engagiere mich bewusst an Spitzenuniversitäten wie der University of Oxford und der Technischen Universität München, weil dort die Innovationen von morgen entstehen und wir den Wissenstransfer von der Forschung in die Wirtschaft viel aktiver fördern müssen.

Wie können deutsch-britische Kooperationen Innovation beschleunigen?

Besonders London ist nach meiner Erfahrung in Sachen Innovationsgeschwindigkeit immer noch einen Schritt voraus gegenüber Deutschland. Gleichzeitig bringt Deutschland enorme industrielle Stärke und Ingenieursexzellenz mit. Wenn man beides zusammenbringt, entsteht ein unglaublich starkes Ökosystem. Das erlebe ich in meinem eigenen Portfolio: Fuse Energy, ein britisches Energie-Start-up, revolutioniert den Energiemarkt – und ElevenLabs, ebenfalls in London ansässig, ist führend im Bereich KI-basierter Sprachtechnologie. Gleichzeitig gibt es großartige deutsche Startups, zum Beispiel n8n, die in sehr kurzer Zeit zum Unicorn geworden sind. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Europa hat ein echtes Finanzierungsloch in der Wachstumsphase. Für frühe Runden gibt es Geld, aber ab der Series B fehlen europäische Investoren mit genug Firepower. Runden wie bei OpenAI oder Anthropic wären in Europa aktuell undenkbar. Ich bin überzeugt: Die Menschheit kann mit Hilfe von Technologie und Innovation die Probleme unserer Zeit in den Griff bekommen. Deshalb baue ich mit Rosberg Ventures Brücken zwischen europäischem Kapital und den wichtigsten Tech-Innovationen – für ein starkes Europa, das beim Thema Wagniskapital nicht zuschaut, sondern mit profitiert.

Inwiefern hat der Leistungssport Ihre heutige Arbeit geprägt?

Enorm. Die Formel 1 lehrt dich vor allem absolute Disziplin, Fokus und die Fähigkeit, unter enormem Druck Entscheidungen zu treffen. Im Rennsport hast du Sekundenbruchteile. In der Investmentwelt hast du mehr Zeit, aber die Prinzipien sind dieselben – Vorbereitung, Analyse, der Mut, im richtigen Moment alles auf eine Karte zu setzen. Mein WM-Titel 2016 hat mir gezeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man bereit ist, den höchsten Preis an Einsatz und Hingabe zu zahlen. Bei Rosberg Ventures bringen wir Gründerinnen und Gründern nicht nur Kapital, sondern auch High-Performance-Denken und strategisches Sparring – das ist das Mindset, das ich aus der Formel 1 mitbringe.

Welche Verantwortung haben bekannte Persönlichkeiten für den internationalen Dialog?

Ich glaube fest daran, dass Sport verbinden kann. Sport schafft Emotionen, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Helden – über alle Grenzen hinweg. Als jemand, der in der Öffentlichkeit steht, habe ich die Möglichkeit und damit auch die Verantwortung, diese Brücken aktiv zu bauen. Europa braucht dringend eine neue Innovationskultur. Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen, müssen wir mutiger in neue Technologien investieren. Wir brauchen in Deutschland deutlich mehr Wagniskapital – wir sind die größte Volkswirtschaft Europas, liegen bei VC-Investitionen aber hinter Großbritannien und Frankreich nur auf Rang 3. Dabei wäre genug Vermögen da: Allein der Kapitalstock der Versorgungswerke und Pensionskassen beträgt mehr als 10 Billionen Euro. Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft können helfen, dieses Umdenken voranzutreiben.

Welche konkreten Projekte oder Initiativen zwischen Deutschland und Großbritannien liegen Ihnen derzeit besonders am Herzen?

Auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit der Universität Oxford, von der ich ja vorhin schon erzählt habe. Über meine Stiftung habe ich eine mehrjährige Partnerschaft mit dem Oxford SDG Impact Lab aufgebaut, um Graduierten-Stipendien – die Rosberg Climate Fellows – zu finanzieren. Die Fellows arbeiten direkt mit Organisationen und Unternehmen an Projekten zu Themen wie CO₂-Entnahme, nachhaltigen Kraftstoffen und Plastikreduktion in den Ozeanen. Mein Ziel ist, das Wissen der Oxford-Studierenden aus der Theorie in die Praxis zu bringen, sodass ihre Forschung unmittelbar zu Lösungen für die UN-Nachhaltigkeitsziele beiträgt. Zusätzlich finanziere ich gemeinsam mit Oxford mehrere Doktoranden, die untersuchen, wie Großevents wie der Britische Grand Prix in Silverstone ihren Klima- und Biodiversitäts-Fußabdruck reduzieren können.  Ansonsten ganz klar: Rosberg Ventures ist meine Wagniskapitalfirma, mit der mein Team und ich Europas Unternehmerfamilien einen einzigartigen Zugang zu den weltbesten Venture-Fonds verschaffen. Dank sorgfältig aufgebauter Beziehungen zu den renommiertesten VC-Firmen bieten wir einen seltenen Zugang zu Innovationen in der Frühphase und eröffnen unseren Investoren die Chance, über Fonds – und zunehmend auch direkt – an den vielversprechendsten Unternehmen der Zukunft beteiligt zu sein. Hier investieren wir immer wieder direkt oder indirekt in britische Startups.

Welche Rolle kann Rennsport-Technologie für die Energiewende spielen?

Die Formel 1 war schon immer ein Technologielabor auf Rädern. Was heute auf der Rennstrecke entwickelt wird – Hybridtechnologie, Energierückgewinnung, alternative Kraftstoffe – findet morgen seinen Weg in den Alltag. Die F1 strebt an, bis 2030 klimaneutral zu werden, und arbeitet bereits an nachhaltigen synthetischen Kraftstoffen. Die nächste Phase der KI-Welle geht ohnehin in die physische Welt – Produktion, Ingenieurwesen, Mobilität. Das ist Europas Chance.

Nico Rosberg sorgt mit Rosberg Ventures für Furore
Nico Rosberg sorgt mit Rosberg Ventures für Furore

Was war die größte Herausforderung beim Wechsel vom Rennfahrer zum Unternehmer?

Die größte Herausforderung war, eine komplett neue Identität aufzubauen. Als Formel-1-Weltmeister weiß jeder, wer du bist – aber in der Investmentwelt musst du dir Glaubwürdigkeit erst verdienen. Ich musste lernen, zuzuhören und mir ein Netzwerk aufbauen. Heute verwalten wir mit Rosberg Ventures mehr als 200 Millionen Dollar und verschaffen Europas Unternehmerfamilien Zugang zu den weltweit besten VC-Fonds – Fonds, die oft selbst für Profis verschlossen sind. Mein Track Record, meine Glaubwürdigkeit und mein globales Netzwerk machen das möglich. Der Weg dahin war alles andere als selbstverständlich – aber genau dieser Neuanfang hat mich als Mensch wachsen lassen.

Was können junge Gründerinnen und Gründer in Deutschland und Großbritannien voneinander lernen?

Großbritannien, insbesondere London, bringt mehr Geschwindigkeit mit. Dort entstehen Unternehmen wie Revolut, die in kürzester Zeit global skalieren. Eine Firmengründung in Großbritannien dauert zwei Tage – in Deutschland kann allein die GmbH-Gründung drei Monate dauern. Deutschland hingegen hat eine starke Ingenieurskultur, Gründlichkeit und industrielle Tiefe – und herausragende Forschungseinrichtungen wie die TU München, die großartige Gründerinnen und Gründer hervorbringt. Die britische Spitzenforschung, etwa in Oxford, hat ebenso eine lange Tradition, Innovationen in die Wirtschaft zu überführen. Junge Gründerinnen und Gründer in Deutschland könnten von der britischen Speed of Innovation lernen – und umgekehrt können Briten vom deutschen Qualitätsanspruch profitieren. 

Welche Botschaft möchten Sie der nächsten Generation mitgeben?

Traut euch, den ungewöhnlichen Weg zu gehen. Ich bin 2016 als amtierender Weltmeister zurückgetreten – für viele war das unverständlich. Aber ich habe auf mein Inneres gehört und gewusst: Mein nächstes Kapitel wartet. Erfolg ist nicht, wo du stehen bleibst. Erfolg ist, den Mut zu haben, immer wieder neu anzufangen.

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