Tech & Trends Wenn DOGE-Mitarbeiter mit 500 Mio. Datensätzen im Gepäck zum nächsten Job wechseln

Wenn DOGE-Mitarbeiter mit 500 Mio. Datensätzen im Gepäck zum nächsten Job wechseln

John Solly soll bei DOGE hochsensible Daten der US-Sozialversicherung auf einen USB-Stick kopiert haben – als Geschenk für seinen neuen Arbeitgeber. Eine Whistleblower-Beschwerde zeigt: Bei Musks Regierungsbehörde ist Datenschutz Nebensache.

Ein Software-Engineer, ein USB-Stick, sensible Sozialversicherungsdaten. John Solly, bis Oktober offenbar Mitglied von Elon Musks Department of Government Efficiency, soll laut einer Whistleblower-Beschwerde hochsensible Daten der US-Sozialversicherung gestohlen haben. Laut Berichten weist Solly die Vorwürfe zurück. Doch der Fall wirft Schlaglichter auf ein systemisches Problem bei DOGE.

Der perfekte Interessenkonflikt

Die Chronologie liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für Corporate Governance Fails. Solly war Teil eines kleinen DOGE-Teams (mindestens vier genannte Mitglieder) bei der Social Security Administration, wo er laut seinem mittlerweile gelöschten LinkedIn-Profil an der „Death Master File cleanup“ und der „SSN verification API EDEN 2.0“ werkelte. Diese API ermöglicht externen Behörden und Institutionen Zugriff auf Sozialversicherungsdaten – genau das Geschäftsfeld, in dem viele mögliche neue Arbeitgeber tätig sind. Gegenüber Kollegen soll Solly geprahlt haben, er besitze zwei streng vertrauliche Datenbanken: NUMIDENT und die Death Master File. NUMIDENT enthält sämtliche Informationen aus Sozialversicherungsanträgen – Namen, Geburtsdaten, Staatsbürgerschaft, Ethnizität, Elternnamen.

Die Death Master File listet Verstorbene, um Identitätsdiebstahl zu verhindern. Zusammen: Datensätze aus Numident (alle SSN-Inhaber) und Master Death File (Tote). Laut der Whistleblower-Beschwerde suchte Solly Hilfe, um die Daten von einem USB-Stick auf einen PC zu übertragen und zu „bereinigen“, bevor er sie für sein neues Unternehmen nutzen könne.

„Gott-Modus“ und präsidiale Begnadigung

Besonders brisant: Solly soll behauptet haben, er habe zuvor „God-level access“ zu den SSA-Systemen gehabt – uneingeschränkten Zugriff auf sensible Regierungsdaten. Und falls seine Aktionen illegal seien? Kein Problem, so die angebliche Aussage: Er erwarte eine präsidiale Begnadigung. Solly habe nie einen USB-Stick an seinen Laptop angeschlossen. Die SSA hat den Bericht nicht bestätigt.

Das DOGE-Datenschutz-Desaster

Der Solly-Fall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines beunruhigenden Musters. Im August 2025 reichte SSA-Ex-Chefdigitalbeamter Chuck Borges eine Whistleblower-Klage ein: DOGE-Mitarbeiter hätten Hunderte Millionen Sozialversicherungsdatensätze auf einen unsicheren Cloud-Server hochgeladen.

Im Januar 2025 wurde zwei DOGE-Mitgliedern vorgeworfen, unbefugt auf Sozialversicherungsnummern zugegriffen zu haben, um einer Advocacy-Gruppe bei der „Aufhebung von Wahlergebnissen“ zu helfen. Eine gerichtliche Klage gegen DOGEs SSA-Zugriff läuft, wobei der Musk-Behörde vorgeworfen wird, auf „Fischfang-Expedition“ zu sein.

Business Punk Check

Die Tech-Branche liebt den Mythos vom skrupellosen Gründer, der Regeln bricht, um zu gewinnen. Bei DOGE wird daraus eine Bedrohung für die nationale Sicherheit. Wenn Regierungsberater mit „Gott-Modus“ zu sensiblen Datensätzen von Millionen Menschen jonglieren und sich auf präsidiale Begnadigung verlassen – dann ist das System kaputt. Die eigentliche Frage: Wie viele John Sollys sind noch dort draußen, mit USB-Sticks voller Bürger-Daten? Die Whistleblower-Beschwerde liegt beim SSA Inspector General.

Häufig gestellte Fragen

Was sind NUMIDENT und Death Master File?

NUMIDENT ist die Master-Datenbank der US-Sozialversicherung mit allen Informationen aus SSN-Anträgen – Namen, Geburtsdaten, Ethnizität, Eltern. Die Death Master File listet verstorbene Bürger, um Identitätsdiebstahl zu verhindern. Zusammen enthalten sie Daten von Millionen lebenden und toten Amerikanern.

Wer ist John Solly?

John Solly war Software-Engineer bei DOGE und arbeitete an SSA-Projekten wie der EDEN 2.0 API. Er bestreitet den Berichten zufolge sämtliche Vorwürfe.

Gab es weitere DOGE-Datenschutzverstöße?

Ja. Im August 2025 klagte ein SSA-Beamter, DOGE habe Millionen Datensätze auf unsichere Cloud-Server geladen. Im Januar 2025 sollen zwei DOGE-Mitarbeiter unbefugt auf SSNs zugegriffen haben. Eine gerichtliche Klage gegen DOGEs Systemzugang läuft wegen „Fischfang-Expedition“.

Quellen: – Wired, – TechCrunch, – Washington Post

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