Startup & Scaling Die Donut-Lüge? Finnisches Startup verspricht den Akku-Messias

Die Donut-Lüge? Finnisches Startup verspricht den Akku-Messias

Donut Lab will mit einer Festkörperbatterie die E-Mobilität revolutionieren – in fünf Monaten. 100.000 Ladezyklen, Vollladung in fünf Minuten. Klingt fantastisch? Experten sagen: zu fantastisch.

Ein finnisches Startup behauptet, das unlösbare Problem der Batterietechnologie gelöst zu haben – und zwar so nebenbei. Während Toyota, Samsung und Volkswagen seit Jahren Milliarden in die Festkörperforschung pumpen und je nach Unternehmen zwischen 2026 und 2030 mit serienreifen Produkten rechnen, will Donut Lab im vierten Quartal 2026 liefern. Also in wenigen Monaten. Die Versprechen klingen wie aus einem Science-Fiction-Roman: 400 Wh/kg Energiedichte, Vollladung in fünf Minuten, 100.000 Ladezyklen. Zum Vergleich: Aktuelle Lithium-Ionen-Akkus schaffen 250 Wh/kg und 1.000 bis 2.000 Zyklen.

Die Zahlen wirken multipliziert

Die beworbene Lebensdauer ist besonders absurd. Bei 100.000 Zyklen und 300 Kilometern Reichweite pro Ladung käme man auf 30 Millionen Kilometer – länger als jedes Fahrzeug durchhält. t3n beschreibt die Kennzahlen treffend: als hätte jemand einfach alle realen Werte mit einem Faktor X multipliziert. Auch die Temperaturtoleranz klingt märchenhaft: Hohe Temperaturtoleranz (z. B. -30 bis +100 °C mit geringem Kapazitätsverlust) wird Donut Lab zugeschrieben. Dazu keine kritischen Rohstoffe, kein Brand bei Beschädigung – und günstiger als herkömmliche Batterien soll das Wunder auch noch sein.

Donut Lab hat das VTT Technical Research Centre of Finland Tests durchführen lassen. Tests durch VTT sollen ultraschnelle Ladung bestätigen (z. B. 80 % bei 5C in 9,5 Min.), nach Berichten von Elektronikpraxis. Klingt beeindruckend, lässt aber entscheidende Fragen offen: Wie oft funktioniert das? Was passiert mit der Lebensdauer? Und vor allem: Ist das überhaupt eine echte Festkörperbatterie? Moderne Lithium-Ionen-Zellen können ähnliche Laderaten erreichen – allerdings nur für kurze Zeit, bevor sie degradieren.

Salamitaktik statt Transparenz

Das Unternehmen fährt eine bizarre Kommunikationsstrategie. Statt vollständige Daten zu veröffentlichen, gibt es wöchentlich kleine Häppchen – gerade genug, um die Diskussion am Laufen zu halten. Eine selbstironische Kampagne zitiert Vorwürfe wie „Hoax“, „Scam“ oder „next Theranos“ mit dem trockenen Kommentar: „Fair enough“. Doch statt dann mit Fakten zu überzeugen, folgt nur der Countdown zum nächsten Testbericht. Die Intransparenz ist erstaunlich. Angaben zur Zellchemie? Fehlanzeige. Nachweise zur Haltbarkeit?

Nicht vorhanden. Notebookcheck zitiert finnische Experten, die erhebliche Zweifel äußern. Das fundamentale Problem: Schnelles Laden und lange Lebensdauer stehen im Widerspruch. Optimiert man das eine, leidet das andere. Und ausgerechnet ein unbekanntes Startup soll diesen Zielkonflikt gelöst haben? Verge Motorcycles gilt als einer der ersten potenziellen Abnehmer. Die E-Motorräder mit markanten Radnabenmotoren sind ab 36.500 Euro bestellbar und sollen im vierten Quartal 2026 ausgeliefert werden, wie Auto Motor und Sport berichtet. Zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl: 20,2 kWh mit 100 kW Ladeleistung und 33,3 kWh mit 200 kW. Die Elektrochemie? Bleibt geheim. Donut Lab plant bereits eine Produktionskapazität von 10 GWh für nächstes Jahr, langfristig 100 GWh mit Standorten in Großbritannien, den USA und arabischen Ländern.

Business Punk Check

Die Geschichte hat alle Zutaten eines klassischen Startup-Hypes: revolutionäre Versprechen, aggressive PR, null Substanz. Während etablierte Konzerne transparent über Fortschritte und Rückschläge berichten, spielt Donut Lab Geheimnistuerei. Das ist kein Zeichen von Innovation, sondern von fehlendem Vertrauen in die eigene Technologie. Die selbstironische „I Donut believe“-Kampagne wirkt wie ein Ablenkungsmanöver – wer Kritik ins Marketing einbaut, muss sie nicht ernst nehmen.

Wer jetzt 36.500 Euro für ein Verge-Motorrad hinlegt, wettet auf ein Wunder. Realistischer: Im vierten Quartal werden die Liefertermine verschoben, die Spezifikationen nach unten korrigiert oder das Projekt still beerdigt. Sollte Donut Lab wider Erwarten liefern, wäre das der größte Durchbruch der Batterieforschung seit Jahrzehnten. Bis dahin gilt: Versprechen sind billig, funktionierende Technologie teuer.

Häufig gestellte Fragen

Wann kommt die Donut Lab Batterie auf den Markt?

Donut Lab plant die Auslieferung im vierten Quartal 2026 in Motorrädern von Verge Motorcycles. Angesichts der außergewöhnlichen Versprechen und fehlenden technischen Details äußern Experten jedoch erhebliche Zweifel an diesem Zeitplan. Eine Verzögerung oder Anpassung der Spezifikationen erscheint wahrscheinlicher.

Was unterscheidet Festkörperbatterien von Lithium-Ionen-Akkus?

Festkörperbatterien verwenden feste Elektrolyte statt flüssiger, was theoretisch höhere Energiedichte, schnelleres Laden und bessere Sicherheit ermöglicht. Allerdings kämpfen selbst Technologiekonzerne wie Toyota seit Jahren mit fundamentalen Problemen bei der Serienfertigung. Ob Donut Lab diese tatsächlich gelöst hat, bleibt unklar.

Wie realistisch sind 100.000 Ladezyklen?

Extrem unrealistisch. Aktuelle Batterien schaffen 1.000 bis 2.000 Zyklen. Bei 100.000 Zyklen und 300 Kilometern Reichweite pro Ladung ergäbe sich eine Lebensdauer von 30 Millionen Kilometern – länger als jedes Fahrzeug existiert. Diese Zahl hat keinen praktischen Nutzen und wirkt wie Marketing-Übertreibung.

Was kostet ein Motorrad mit Donut Lab Batterie?

Die Verge Motorcycles mit Donut Lab Technologie sind ab 36.500 Euro bestellbar. Zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl: 20,2 kWh mit 100 kW Ladeleistung oder 33,3 kWh mit 200 kW. Die genaue Elektrochemie und technische Details hält das Unternehmen jedoch unter Verschluss.

Quellen: t3n, Elektronikpraxis, Auto-motor-und-sport, Notebookcheck, Cleanthinking, Focus, Donutlab, Youtube, Futuremobilityfinland

Das könnte dich auch interessieren