AnlagePunk Warum teuer nicht automatisch eine gute Investition ist

Warum teuer nicht automatisch eine gute Investition ist

Kaviar, Kunst, Design – vieles fühlt sich nach Luxus an. Aber nur Weniges bleibt wertvoll. Eine Gebrauchsanweisung, wie ihr Fehlkäufe vermeidet.

Anja Odenthal schreibt über Luxus & alternative Assets

Ich mag schöne Dinge. Ich mag Immobilien, Schmuck, Handtaschen, Designermöbel, Musikinstrumente und Kunst. Ich habe in teuren Hotels logiert, in großartigen Restaurants gegessen und bin First Class nach Asien geflogen – damals, als es noch Kaviar satt gab. Für viele ist genau das Luxus. Wenn ich heute auf meine bisherigen Luxusinvestitionen blicke, stelle ich mir allerdings eine unbequeme Frage: Habe ich beim Kaufen all der schönen Dinge und Erlebnisse an Werthaltigkeit gedacht – oder „einfach nur“ an Spaß, Freude und Geschmack? Ehrlich gesagt: oft Letzteres. Ich habe gekauft, was mir gefallen hat, und Urlaub gemacht, wo es am schönsten war. Zum Glück, denn die schönen Erinnerungen und die Geschichten dazu bleiben – das Geld ist weg.

Vor rund 30 Jahren wollte ich eine handsignierte Chagall-Lithografie kaufen. Preis: etwa 2000 D-Mark. Ich hätte es mir leisten können, aber der Mut fehlte. 25 Jahre später war die Idee immer noch da – nur kostete dieselbe Lithografie plötzlich 20.000 Euro. Wow. Das ist Wertentwicklung. Stattdessen kaufte ich damals eine Originalgrafik von „Reuter“ für 1200 D-Mark. Sie passte hervorragend in mein damaliges Wohnzimmer. Was sie heute wert ist? Ich habe dazu die KI befragt: 250 bis 600 Euro – Galeriepreis, wohlgemerkt, ein Käufer ist noch ungewiss. Ein Echtheitszertifikat gibt es nicht. Das Blatt ist von guter Qualität, das Sujet typisch 80er-Jahre. Vielleicht gehe ich damit einmal zu „Bares für Rares“. Da gibt es bekanntlich ja auch schon einmal die ein oder andere Überraschung.

„Der Markt war selten so eindeutig wie jetzt.“

Lassen Sie uns über investierbaren Luxus sprechen – und vorher einmal sauber definieren. Es gibt sogenannten „Aspirational Luxury“: Luxus zum Dazugehören. Handtaschen, Accessoires, Design, das Status verspricht, aber selten Substanz hat. Der Wiederverkaufswert ist überschaubar. Und es gibt den Gegenpol: den investmenttauglichen Luxus. Kunst mit klarer Provenienz, ikonische Designobjekte, außergewöhnlicher Schmuck, Uhren mit echter Geschichte – Luxus, der knapp ist und international handelbar.

Schaue ich mich in der Luxusbranche um, war der Markt selten so eindeutig wie 2025. Während der Konsumluxus schwächelt, bleibt das absolute Top-End erstaunlich stabil. Die Zahlen von Sotheby’s lesen sich nicht wie Hochglanz, sondern wie ein Belastungstest – und Luxus hält stand: sieben Milliarden US-Dollar Umsatz für Kunst und Luxus, ein Plus von 17 Prozent, White-Glove-Auktionen und Rekorde im Private Sale. Nicht, weil Menschen plötzlich mehr Lust auf Glamour haben, sondern weil Kapital sich neu sortiert. Der entscheidende Unterschied: Hier wird nicht nur konsumiert, hier wird auch rational entschieden. Luxus als Investition funktioniert dann, wenn Emotion und Werthaltigkeit zusammenkommen – dort, wo Objekte nicht beliebig vermehrbar sind und wo Geschichte, Handwerk und kulturelle Relevanz zusammenfinden. Provenienz schlägt Marke. Ein Klimt für über 230 Millionen Dollar ist kein Statussymbol, sondern ein Investment – wenn auch nicht für jeden Geldbeutel.

Besonders spannend ist, wer heute kauft

Das Bild vom älteren Sammler mit Zigarrengeruch ist passé. Viele Bieter sind unter 40, international und analytisch. Diese Generation fragt nicht mehr nur: Gefällt mir das? Sondern: Hält das stand? Denn wer Luxus als Kapitalanlage betrachtet, muss sich fragen: Was ist dieses Objekt wert, wenn ich handeln muss – nicht, wenn ich schwärme? Der Markt verzeiht keine Gefühle, er belohnt Klarheit. Der erste Schritt dazu ist Distanz. Nicht alles, was teuer ist, ist auch selten. Nicht alles, was selten ist, ist marktrelevant. Luxus ohne Markt ist Dekoration – schön, aber praktisch unverkäuflich.

Ein weiterer Faktor ist das Timing: Rekordergebnisse entstehen dort, wo Themen, Sammlerinteresse und globale Aufmerksamkeit zusammenfallen. Wer zum richtigen Zeitpunkt sichtbar ist, verkauft anders als jemand, der wartet, bis er verkaufen muss. Auch der Kanal spielt eine Rolle: Eine Auktion ist nicht immer die beste Lösung. Gerade im Top-Segment sind Private Sales oft intelligenter – diskreter, steuerbarer und strategischer. Sichtbarkeit ist gut, Kontrolle ist besser.

Was fast immer unterschätzt wird, ist eine saubere Dokumentation. Rechnungen, Zertifikate, Gutachten und Ausstellungshistorien sind keine Nebensache, sondern ein entscheidender Preisfaktor. Was nicht belegbar ist, wird abgewertet – egal, wie gut die Geschichte klingt. Dazu fällt mir eine Schreibmaschine ein, die ich in den 90ern in einem Kölner Trödelladen gekauft habe. Angeblich hatte Konrad Adenauer darauf geschrieben. Ich war begeistert von der Vorstellung und kaufte sie – ein guter Marketing-Trick. Bewiesen oder zertifiziert war nichts, außer einem Zettel, der an der Maschine klebte. Heute steht sie in meinem Empfangszimmer: Liebhaberei, gut für eine Anekdote. Ich liebe gute Geschichten – aber sie ist kein Asset.

Und schließlich: Expertise.

Luxus ist global – und sein Verkauf auch. Wer internationale Spitzenobjekte lokal, beiläufig oder ohne professionelles Netzwerk platzieren will, verschenkt Wert. Die nüchterne Erkenntnis bleibt: Luxus als Anlageform ist kein Lifestyle, sondern eine Assetklasse mit Haltung – selektiv und im besten Fall wertstabil. Wenn es wirklich darauf ankommt, trennt sich schöner Besitz vom echten Wert.

Heute investiere ich immer noch emotional, aber gleichzeitig deutlich bewusster. So habe ich mir vor ein paar Jahren einen Traum erfüllt: Ein wunderschöner Flügel steht jetzt mitten in meinem Wohnzimmer – Konzertsaal de luxe im Eigenheim, und zugleich wertstabil. Ich bin rundum zufrieden mit diesem Investment. Ob ich ihn verkaufen möchte? Niemals. Aber ich könnte einen guten Preis dafür erzielen, wenn ich es wirklich müsste. Wahrer Luxus ist die Freiheit, entscheiden zu können. Alles andere ist Besitz mit Ablaufdatum.

Das könnte dich auch interessieren