Business & Beyond Ölpreis fällt – aber wann sinken endlich die Spritpreise?

Ölpreis fällt – aber wann sinken endlich die Spritpreise?

Der Ölpreis stürzt um 17 Prozent ab, doch an deutschen Tankstellen ändert sich kaum etwas. Wann die Entlastung wirklich kommt – und warum Konzerne sich Zeit lassen.

Der Ölpreis rauscht um 17 Prozent in den Keller, Brent-Rohöl fällt auf 91 Dollar pro Fass. Doch wer jetzt zur Tankstelle fährt, erlebt eine bittere Wahrheit: E10 kostet weiterhin 2,19 Euro, Diesel sogar 2,45 Euro.Das System dahinter ist so simpel wie dreist – Preise steigen wie Raketen, fallen aber wie Federn. Die Frage ist nicht ob, sondern wann Autofahrer endlich profitieren.

Wochenende als Stichtag

Carsten Brzeski von der ING Bank nennt gegenüber der Bild einen konkreten Termin: Spätestens am Wochenende müssten die Preise sinken. Voraussetzung ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus nach der vereinbarten Waffenruhe zwischen USA und Iran: „Spätestens zum Wochenende sollte Tanken wieder günstiger werden“, sagt Brzeski.

Sobald die ersten Tanker wieder durch die Meerenge fahren, sollte der Dated-Brent-Preis – maßgeblich für Spritpreise – deutlich nachgeben. Doch zwischen Börse und Zapfsäule liegen Welten.

Die Beschaffungskosten-Lüge

Daniel Kaddik vom Bundesverband freier Tankstellen dämpft im Gespräch mit Bild die Euphorie. Tankstellen verkaufen zu den Preisen, zu denen sie eingekauft haben. „Die Zapfsäule reagiert nicht auf den aktuellen Börsenpreis, sondern auf die Beschaffungskosten für Kraftstoff. Tankstellen verkaufen zu den Preisen, zu denen sie zuvor eingekauft haben – gestern waren das für Diesel noch 1,99 Euro plus Mehrwertsteuer.“ Kaddik warnt: „Kurzfristig sind nur begrenzte Entlastungen zu erwarten.“

Die Zapfsäule reagiert nicht auf aktuelle Börsenpreise, sondern auf historische Beschaffungskosten. Übersetzt: Die Verzögerung ist systemimmanent, kurzfristige Entlastungen bleiben begrenzt. Der ADAC hält beide Kraftstoffsorten für überteuert und fordert ganztägige Preissenkungen.

Frankreich macht vor, wie es geht

In Frankreich rechnet die Ölindustrie mit fünf bis zehn Cent Preisrückgang pro Liter, sofern Rohöl bei 93 bis 95 Dollar bleibt. Olivier Gantois von der französischen Ölindustrieunion nennt konkrete Zahlen – während deutsche Verbände sich in Ausflüchten üben. Dabei zeigt die neue Zwölf-Uhr-Regel bereits Wirkung: Die Preissprünge zur Mittagszeit fallen deutlich geringer aus als noch vor einer Woche. Statt zehn Cent geht es nur noch um drei Cent nach oben.

Kriegsaufschlag bleibt

Trotz des Ölpreis-Crashs kosten beide Sorten noch immer ein Drittel mehr als vor den Iran-Angriffen Ende Februar. Damals lag Brent bei 70 Dollar, heute bei 91 Dollar. E10 verteuerte sich seit Kriegsbeginn um 41 Cent, Diesel sogar um 70 Cent pro Liter.

Hinzukommt die Unsicherheit darüber, wie schnell der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder hergestellt werden kann. Neue Explosionen an iranischen Raffinerien zeigen: Die Lage bleibt volatil.

Asymmetrisches Preissystem

Das Bundeskartellamt dokumentiert seit Jahren ein asymmetrisches Preissystem – Kostensteigerungen werden sofort weitergegeben, Kostensenkungen nur verzögert. „Hoch gehen die Preise immer schnell, die Absenkung dauert in der Regel einige Tage.

Ich gehe aber davon aus, dass die niedrigeren Ölpreise weitergegeben werden“, so Monika Schnitzer laut Spiegel. Die Wirtschaftsweise formuliert vorsichtig, was Millionen Autofahrer längst wissen: Das System ist manipuliert.

Business Punk Check

Die Spritpreis-Mechanik entlarvt ein System, das auf Intransparenz basiert. Konzerne maximieren Margen, wann immer möglich – nicht illegal, aber moralisch fragwürdig. Die Zwölf-Uhr-Regel sollte Preistransparenz schaffen, bewirkt aber das Gegenteil: Erhöhungen werden gebündelt, Senkungen verschleppt. Das Bundeskartellamt beobachtet, greift aber nicht ein. Wer jetzt tanken muss, zahlt drauf. Wer warten kann, sollte bis zum Wochenende abwarten. Brzeskis Prognose ist fundiert: Fällt Brent weiter, müssen die Preise folgen – sonst drohen Kartellverfahren. Frankreichs Ölindustrie zeigt, wie Transparenz funktioniert: Klare Ansagen statt vage Verzögerungstaktik. Die unbequeme Wahrheit: Spritpreise sind kein freier Markt, sondern ein Oligopol mit asymmetrischer Preisgestaltung. Autofahrer bleiben Verlierer, solange es keine gesetzliche Verpflichtung zur zeitnahen Weitergabe gibt. Die Waffenruhe im Nahen Osten ist eine Chance – aber nur, wenn Konzerne mitspielen.

Häufig gestellte Fragen

Warum sinken Spritpreise langsamer als Ölpreise?

Tankstellen verkaufen zu historischen Beschaffungskosten, nicht zu aktuellen Börsenpreisen. Während Preiserhöhungen sofort durchgereicht werden, verzögern sich Senkungen um Tage. Das Bundeskartellamt dokumentiert diese Asymmetrie seit Jahren – ein systemisches Problem, das Konzerne systematisch ausnutzen.

Wann werden Benzin und Diesel konkret günstiger?

Experten nennen das kommende Wochenende als realistischen Termin, sofern die Straße von Hormus wieder befahrbar ist. In Frankreich rechnet die Industrie mit fünf bis zehn Cent Rückgang pro Liter. Deutsche Verbände bleiben vage – ein Zeichen dafür, dass Konzerne die Preise so lange wie möglich hochhalten.

Wie stark sind Spritpreise seit dem Iran-Konflikt gestiegen?

E10 verteuerte sich um 41 Cent, Diesel um 70 Cent pro Liter seit Ende Februar. Trotz des aktuellen Ölpreis-Rückgangs liegen beide Sorten noch immer ein Drittel über dem Vorkrisenniveau. Der Kriegsaufschlag bleibt bestehen, auch wenn die Börse längst korrigiert hat.

Bringt die neue Zwölf-Uhr-Regel wirklich etwas?

Die Regel zeigt erste Effekte – Preissprünge zur Mittagszeit fallen von zehn auf drei Cent. Tankstellen dürfen nur noch einmal täglich erhöhen, Senkungen sind jederzeit möglich. Das begrenzt willkürliche Preisexplosionen, ändert aber nichts am grundsätzlichen Asymmetrie-Problem.

Warum reagiert der deutsche Markt langsamer als Frankreich?

Frankreichs Ölindustrie kommuniziert konkrete Preiserwartungen, deutsche Verbände verstecken sich hinter Beschaffungskosten-Argumenten. Die Marktstruktur unterscheidet sich kaum – es ist eine Frage der Transparenz und des politischen Drucks. Deutsche Konzerne nutzen Informationsasymmetrien systematisch aus.

Quellen: Bild, Finanzen, Spiegel

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