Female & Forward Als Gründerin nah am Markt bleiben: Warum operative Nähe im Scale-up entscheidend ist

Als Gründerin nah am Markt bleiben: Warum operative Nähe im Scale-up entscheidend ist

Felicitas Dammertz baut Hormonella gegen alle Scale-up-Regeln: Door-to-door-Sales statt D2C, Apotheken statt Online-Shop, Support-Tickets statt Dashboards. Warum operative Nähe keine Schwäche ist.

Ein Support-Ticket. Eine Kundin schreibt uns: Nach vier Jahren mit Zyklusproblemen habe sie nicht mehr daran geglaubt, dass sich etwas ändern würde. Dann habe sie Hormonella entdeckt – und zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass jemand ihr Problem wirklich versteht. Heute hat sie wieder einen regelmäßigen Zyklus.

Ich lese solche Nachrichten selbst. Sie sind meine größte Motivation – und verraten mir mehr über unsere Kundinnen als jedes Dashboard.

Operative Nähe als Wachstumsstrategie

Der Scale-up-Prozess ist der Moment, in dem ein Unternehmen erwachsen wird. Ein Privileg, ein Meilenstein – und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen für jede:n Gründer:in. Denn Wachstum produziert automatisch Distanz. Mehr Geschwindigkeit, größeres Team, mehr Ebenen, mehr Dashboards. Irgendwann trifft man Entscheidungen über einen Markt und ein Kundensegment, zu dem man kaum noch eine direkte Verbindung hat.

Das ist keine Frage von Absicht. Es passiert einfach – wenn man es zulässt.

Meine Mitgründerin Delphine und ich haben Hormonella gegründet, weil wir selbst starke Zyklusbeschwerden hatten und erlebt haben, wie wenig Aufklärung und Unterstützung Frauen rund um ihre hormonelle Gesundheit bekommen. Periodenkrämpfe, PMS, ein unregelmäßiger Zyklus, Wechseljahresbeschwerden – Themen, die Millionen Frauen jeden Monat begleiten und über die trotzdem viel zu wenig gesprochen werden. Frauengesundheit war lange ein blinder Fleck – in der Forschung, in der Medizin, in der Unternehmenslandschaft. Der Gender Data Gap ist real: Frauen sind in klinischen Studien systematisch unterrepräsentiert, ihre Symptome werden häufiger bagatellisiert. Als Gründerinnen haben wir darin eine große Verantwortung und Chance gesehen, etwas zu verändern. Diesen Ursprung tragen wir bis heute mit uns. Aber was uns wirklich nah am Markt hält, ist nicht nur unsere Gründungsgeschichte und die Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben. Es ist die aktive Entscheidung, diese Nähe jeden Tag neu herzustellen.

Der bewusste Umweg

Als wir Hormonella gegründet haben, war D2C das Gebot der Stunde. Schnell einen Online-Shop aufbauen, skalieren, wachsen. Wir haben uns bewusst anders entschieden – und zunächst auf einen Offline-Kanal gesetzt – die Apotheke. Anfangs sogar Door-to-door-Sales. Persönliche Gespräche mit Apotheker:innen, die uns manchmal skeptisch angeschaut haben, meistens aber sofort verstanden haben, worum es geht. Es war langsamer. Es war ehrlicher. Und es hat uns etwas aufgebaut, das man nicht kaufen kann: ein starkes Netzwerk mit Expert:innen.

Heute ist Hormonella in über 8.000 Apotheken in Deutschland vertreten.

Nähe zum Markt bedeutet für uns nicht nur persönlicher Kontakt, sondern auch die Extra-Meile für jede Kundin zu gehen. Neben Fachpersonal in unseren Partnerapotheken bieten wir deswegen auch persönliche Sprechstunden mit Expertinnen an und viele Möglichkeiten, mehr über Hormone zu lernen – wie zum Beispiel über unseren digitalen Hormon-Check.

Nähe bedeutet auch: nah am Produkt & den Prozessen bleiben

Nah am Markt zu bleiben bedeutet für uns auch, nah am Produkt zu bleiben. Das heißt, Feedback schnell aufzunehmen und umzusetzen – gerade im Scale-up kann die Versuchung groß sein, Prozesse zu stabilisieren statt sie weiterzuentwickeln. Wir bei Hormonella legen deshalb großen Wert darauf, Produktqualität und jeden Schritt der Produktion selbst in der Hand zu behalten.

Für uns heißt das konkret: Wir beschaffen unsere Rohstoffe selbst und kennen jeden Produzenten persönlich. Wo immer möglich, setzen wir auf regionalen Anbau und direkte Lieferketten. Und bevor ein Rohstoff in die Hormonella-Produktion geht, wird er von unabhängigen Laboren geprüft – genauso wie jede fertige Produktcharge nochmals separat getestet wird. Das ist aufwändiger als eine einfache Bestellung beim Lohnhersteller – aber es bedeutet, dass wir jederzeit wissen, was in unseren Produkten steckt, woher es kommt und dass es hält, was wir bei Hormonella versprechen.

Was das mit Female Leadership zu tun hat

Operative Nähe wird im unternehmerischen Kontext manchmal als Schwäche gelesen – als Zeichen dafür, dass man nicht loslassen kann, nicht delegiert, nicht skaliert. Ich sehe das anders.

Wer nah am Markt bleibt, trifft bessere Entscheidungen. Wer sein Produkt, seine Prozesse und vor allem seine Kundinnen wirklich kennt, erkennt Chancen früher und Fehlentwicklungen schneller. Und wer ihre Mission nicht nur versteht, sondern wirklich fühlt – weil sie Tabus aktiv bricht, weil sie mit ihrem Gesicht und ihrer Geschichte für etwas einsteht – baut eine andere Art von Vertrauen auf.

Das ist für mich Leadership im Scale-up – und der Kern dessen, wofür Hormonella steht: nicht trotz der Nähe wachsen, sondern mit ihr. Vielleicht ist das auch das, was Female Leadership im Scale-up ausmacht: die Bereitschaft, nah zu bleiben – an den Menschen, für die man arbeitet, an den Werten, für die man angetreten ist.

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