Deluxe & Destinations Check-in beim Chef: Das Interview mit Nelson Müller

Check-in beim Chef: Das Interview mit Nelson Müller

Nelson Müller ist nicht nur ein weiterer TV-Koch. Seit einem Jahr führt der Spitzengastronom als Hotelier die Diepeschrather Mühle. Wir haben ihn vor den Toren von Köln zum Interview für unser neues Business Punk-Heft „Invest in Innovation“ getroffen.

Von Daniela Steimel

Nelson, du bist Spitzengastronom, TV-Star, Musiker. Warum tut man sich da freiwillig noch ein Hotel an?

Klar, ich habe in der „Schote“ in Essen 15 Jahre einen Michelin-Stern gekocht und ein Restaurant entwickelt. Aber echte Wirtschaftlichkeit entsteht in der Gastro erst, wenn man mehrere Sparten bespielt. Events und Hospitality sind Profittreiber, die oft stabiler laufen als ein Restaurant allein. Das Gastgebersein ist eine große Leidenschaft?
Absolut. Ich bin mit Leib und Seele Gastgeber. Mein Traum war immer, irgendwann in meinem eigenen Hotel an der Bar zu stehen oder am Piano zu sitzen und das große Ganze zu betrachten. Dieser Wunsch war tief in mir und ist jetzt Realität geworden.

Du nennst die Diepeschrather Mühle ein „Tasteful Hideaway“. Warum?

Weil sie mehr ist als ein klassisches Hotel. 3,5 Hektar Gastlichkeit im Grünen, eine historische Mühle mitten im Wald. Ein Ort zum Runterkommen, Auftanken und für gutes Essen. Mich zieht es mit zunehmendem Alter immer mehr in die Natur – trotz meiner Liebe zur urbanen Hip-Hop-Kultur.

Fachkräftemangel oder Anspruchsdenken – was nervt mehr?

Ehrlich gesagt nervt mich gerade nichts. Wir haben ein unfassbar geiles Team. Jeder hat sein eigenes Leben. Die Bedürfnisse von Arbeitgeber und Mitarbeitern müssen nicht deckungsgleich sein. Es reicht, wenn man sich an wichtigen Punkten trifft. Da denke ich heute anders als früher. Wir setzen auf eine gemeinsame Vision und Leidenschaft statt internem Wettbewerb. Das ist unsere Stärke.

Dein größter Fail im ersten Jahr?

Wir sind schon etwas unterfinanziert gestartet. Ungeplante Investitionen für Lüftung oder Strom haben uns heftiger als gedacht erwischt. Auch haben wir die Terrasse zu früh geöffnet. Der Andrang war brutal, da haben wir den ein oder anderen Gast verloren. Das würde ich heute anders machen.

Gab es Momente, in denen du dachtest: Das war vielleicht doch eine Nummer zu groß?

Die gibt es immer wieder. Da denke ich dann: Ganz schön hoch gegriffen. Aber dann sehe ich auch, dass es funktioniert. Ich habe echt gute Leute an meiner Seite. Und trotzdem fühlt es sich manchmal nach Überforderung an.

Du bist eine Personenmarke. Ist das eher Wettbewerbsvorteil oder Risiko?

Die Vorteile überwiegen. Klar, das Unternehmen und man selbst müssen auf gesunden Beinen stehen. Aber wenn man nur auf Risiken schaut, wird man morgens nicht mal über die Straße gehen.

Ist die Diepeschrather Mühle ein Blueprint oder ein Unikat?

Sie ist ein Unikat. Ich spüre, das hier ist mein Ort. Mehr Größe brauche ich nicht. Und ehrlich gesagt, bin ich dafür auch nicht ausgebildet. Woran misst du den Erfolg? – Umsatz, Freiheit oder Schlafqualität? Ganz klar an der Freiheit, zu gestalten. Heute eine TV-Sendung zu machen, morgen in der Elbphilharmonie aufzutreten und am nächsten Tag meinen eigenen Jazz Sunday in der Mühle zu moderieren. Menschen um mich herum zu haben, mit denen ich gern arbeite. Da zwicke ich mich manchmal und denke: Das ist schon toll.

Natur und Genuss: Mitten im Wald, aber nur 20 Minuten von Köln entfernt, liegt die historische Mühle mit elaisund Chateaux Hotel, zwei Restaurants, Naturpool und diversen Eventflächen.

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