Business & Beyond Dax-Chefs kassieren 261 Millionen – dein Gehalt steigt um 1,9 Prozent

Dax-Chefs kassieren 261 Millionen – dein Gehalt steigt um 1,9 Prozent

Während Dax-Vorstände 2025 fast 13 Prozent mehr verdienen, bleiben Normallöhne bei mickrigen 1,9 Prozent real. Die Schere klafft weiter auseinander – und niemand stoppt die Amerikanisierung deutscher Konzerne.

261,3 Millionen Euro haben sich Dax-Vorstände 2025 genehmigt – ein Plus von 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Die Reallöhne der Beschäftigten stiegen um magere 1,9 Prozent. Das Handelsblatt Research Institute hat die Vergütungsberichte von 38 der 40 Dax-Konzerne ausgewertet und ein Bild gezeichnet, das Kritiker als Amerikanisierung deutscher Unternehmenskultur bezeichnen. Die Zahlen belegen: Während Topmanager von Sonderzahlungen und aktienbasierten Vergütungen profitieren, kämpft die Belegschaft mit Inflation und Reallohnverlusten.

Die Gewinner der Gehaltsexplosion

SAP-Chef Christian Klein führt die Rangliste mit 16,24 Millionen Euro an – weniger als im Vorjahr, aber immer noch das 280-Fache eines durchschnittlichen Vollzeitgehalts von 58.000 Euro.

Christian Sewing von der Deutschen Bank kassierte 15,69 Millionen, Roland Busch von Siemens 12,33 Millionen. Sieben Dax-Chefs knackten die Zehn-Millionen-Marke. Der spektakulärste Aufstieg gelang Rheinmetall-Chef Armin Papperger: Dank Rüstungsboom verdreifachte er sein Gehalt auf über zehn Millionen Euro und kletterte auf Platz sechs.

Aktienkurse als Gehaltstreiber

Die Gehaltssteigerungen basieren laut n-tv vor allem auf zwei Faktoren: Sonderzahlungen wie Abfindungen und die zunehmende Kopplung der Vergütung an Aktienkurse. Während diese Mechanismen Vorstände bei steigenden Kursen belohnen, tragen sie bei Kursverlusten kaum Risiken.

Die durchschnittliche Vergütung pro Dax-Chef lag 2025 bei 6,9 Millionen Euro – das 118-Fache des Durchschnittslohns. Diese Spreizung verschärft sich seit Jahren: Nach einem Rückgang 2022 stiegen die Vorstandsgehälter 2023 um zwei Prozent, 2024 um zehn Prozent und 2025 um fast 13 Prozent.

Die Verlierer: Normale Beschäftigte

Während Vorstände im Turbo-Modus zulegen, dümpeln Normallöhne vor sich hin. Die Bruttolöhne stiegen 2025 um 4,2 Prozent – nach Abzug der Inflation von 2,2 Prozent bleiben 1,9 Prozent übrig. Das ist nicht einmal ein Sechstel der Vorstandssteigerungen.

Die Schere zwischen Chefetage und Belegschaft öffnet sich weiter, und Gewerkschaften sowie Wirtschaftsexperten warnen vor sozialen Spannungen. Die Verhältnisse amerikanisieren sich, heißt es in Kritiken: Extreme Gehaltsunterschiede, die in den USA längst Normalität sind, werden auch in Deutschland zum Standard.

Airbus und Qiagen fehlen in der Statistik

Die HRI-Studie erfasst 38 der 40 Dax-Konzerne. Airbus und Qiagen bleiben außen vor, da beide ihren aktienrechtlichen Sitz nicht in Deutschland haben.

Die Zahlen könnten also noch höher ausfallen, wenn alle Dax-Unternehmen einbezogen würden. Trotzdem zeigt die Analyse ein klares Bild: Die Vergütungssysteme deutscher Konzerne orientieren sich zunehmend an US-Standards – mit allen Konsequenzen für die Einkommensverteilung.

Business Punk Check

Die Zahlen entlarven das Märchen vom gemeinsamen Erfolg. Während Vorstände von Aktienkurs-Mechanismen profitieren, die ihre Gehälter in astronomische Höhen treiben, bleibt die Belegschaft mit Inflationsausgleich abgespeist. Das 118-Fache des Durchschnittslohns ist keine Leistungsgerechtigkeit – es ist ein System, das sich selbst bedient. Die Amerikanisierung deutscher Konzerne ist kein Naturgesetz, sondern eine politische Entscheidung von Aufsichtsräten, die Vergütungssysteme absegnen. Für Entscheider bedeutet das: Wer Talente halten will, muss die Gehaltsspreizung thematisieren.

Studien belegen, dass extreme Ungleichheit die Motivation senkt und die Fluktuation erhöht. Unternehmen, die weiter auf US-Standards setzen, riskieren langfristig ihre Arbeitgeberattraktivität. Die Alternative: Transparente Vergütungssysteme, die Leistung belohnen, ohne soziale Gräben zu schaffen. Doch solange Aufsichtsräte nicken und Aktionäre schweigen, bleibt die Schere offen – und die Rechnung zahlt die Belegschaft.

Häufig gestellte Fragen

Warum steigen Dax-Gehälter so viel schneller als Normallöhne?

Die Vergütung von Vorständen ist zunehmend an Aktienkurse gekoppelt. Steigen die Kurse, explodieren die Gehälter durch Boni und Stock Options. Normale Beschäftigte haben diese Hebel nicht – ihre Gehälter folgen Tarifverträgen, die meist nur Inflationsausgleich bieten. Zusätzlich profitieren Vorstände von Sonderzahlungen wie Abfindungen, die bei Normallöhnen keine Rolle spielen.

Was bedeutet die Amerikanisierung der Gehälter für deutsche Unternehmen?

Amerikanisierung heißt: Extreme Gehaltsspreizungen zwischen Chefetage und Belegschaft werden akzeptiert. In den USA verdienen CEOs oft das 300-Fache eines Durchschnittsgehalts – Deutschland nähert sich mit dem 118-Fachen an. Das schwächt den sozialen Zusammenhalt in Unternehmen und kann die Motivation der Belegschaft untergraben. Langfristig drohen soziale Spannungen und sinkende Produktivität.

Welche Branchen profitieren am meisten von der Gehaltsentwicklung?

Rüstungskonzerne wie Rheinmetall sind die klaren Gewinner: Armin Papperger verdreifachte sein Gehalt auf über zehn Millionen Euro. Auch Finanzdienstleister wie die Deutsche Bank und Tech-Konzerne wie SAP zahlen Spitzengehälter. Traditionelle Industriekonzerne wie Siemens bleiben ebenfalls im oberen Segment. Verlierer sind Branchen mit schwacher Aktienkursentwicklung, wo Vorstände weniger von aktienbasierten Vergütungen profitieren.

Wie können sich Beschäftigte gegen die wachsende Einkommensschere wehren?

Gewerkschaften fordern stärkere Mitbestimmung bei Vorstandsgehältern und eine Deckelung der Vergütungen. Beschäftigte können durch Betriebsräte Druck auf Aufsichtsräte ausüben, die Gehälter genehmigen. Politisch wäre eine Gesetzesänderung denkbar, die extreme Gehaltsspreizungen besteuert oder begrenzt. Ohne kollektiven Druck bleibt die Schere offen – individuelle Verhandlungen ändern am System nichts.

Was passiert, wenn die Gehaltsspreizung weiter wächst?

Soziale Spannungen in Unternehmen nehmen zu, wenn Vorstände das 118-Fache verdienen. Studien zeigen, dass extreme Ungleichheit die Mitarbeitermotivation senkt und die Fluktuation erhöht. Langfristig könnten Talente Unternehmen meiden, die als sozial ungerecht gelten. Politisch droht eine Debatte über Umverteilung und höhere Steuern für Spitzenverdiener – ein Szenario, das Konzerne fürchten.

Quellen: n-tv, Bild, Stern

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