Tech & Trends Siemens lässt KI die Drecksarbeit machen – und macht Ingenieure überflüssig?

Siemens lässt KI die Drecksarbeit machen – und macht Ingenieure überflüssig?

Auf der Hannover Messe präsentiert Siemens einen KI-Agenten, der Ingenieuraufgaben eigenständig erledigt. Das Tool verspricht fünffache Geschwindigkeit – und wirft die Frage auf: Wozu brauchen wir dann noch Ingenieure?

Willkommen in der Zukunft: Dein neuer Kollege heißt Eigen, spricht jede Programmiersprache und hat nie schlechte Laune. Siemens hat auf der Hannover Messe den ersten vollautonomen KI-Agenten für industrielle Automatisierung präsentiert – und der macht deutlich mehr, als nur Tipps zu geben.

Der „Eigen Engineering Agent“ schreibt Steuerungsprogramme, konfiguriert komplette Anlagen und validiert seine eigenen Ergebnisse. Kein Assistenz-Tool, sondern ein digitaler Ausführer, der laut heise Aufgaben zwei- bis fünfmal schneller erledigt als menschliche Fachkräfte. Die KI zerlegt komplexe Ingenieuraufgaben in einzelne Schritte, arbeitet sich durch Programmierlogik und iteriert so lange, bis die Benchmarks erreicht sind – komplett eigenständig.

Von der Beratung zur Ausführung

Was Siemens hier vorstellt, ist kein weiteres ChatGPT-für-Excel-Spielzeug. Der Agent arbeitet direkt im TIA Portal, Siemens‘ Plattform für industrielle Automatisierung, die über 600.000 Unternehmen weltweit nutzen. Tests mit mehr als 100 Kunden weltweit zeigen: Das Tool liefert nicht nur 50 Prozent Effizienzgewinn, sondern auch 80 Prozent höhere Lösungsqualität.

Der Name „Eigen“ stammt tatsächlich aus der deutschen Sprache – eine Anspielung auf Eigenwerte aus der linearen Algebra. Siemens will damit ausdrücken, dass der Agent konstante Leistung in variablen Umgebungen liefert. Clever gewählt, aber auch ein bisschen zu selbstverliebt für einen Konzern, der gerade eine Milliarde Euro in industrielle KI investiert hat.

Die Fachkraft-Illusion

Siemens verkauft das Tool als Entlastung für Ingenieure: Weniger repetitive Tasks, mehr Zeit für strategisches Denken. Die Realität? Wenn eine KI 80 Prozent der Arbeit schneller und besser erledigt, braucht man schlicht weniger Menschen. Der Fachkräftemangel wird nicht gelöst – er wird überflüssig gemacht.

Noch ist der Eigen Agent auf Automatisierungs-Engineering fokussiert. Doch Siemens plant bereits die Skalierung auf die gesamte Wertschöpfungskette. Wenn die KI erst mal Produktionslinien optimiert, Supply Chains steuert und Wartungspläne schreibt, wird aus dem „Assistenten“ ein vollwertiger Ersatz.

Business Punk Check

Siemens verkauft hier geschickt Revolution als Evolution. Ein „Agent, der Ingenieure entlastet“ klingt harmloser als „KI, die Jobs ersetzt“ – ist aber dasselbe. Die Technologie funktioniert, die Tests sind erfolgreich, die Skalierbarkeit gegeben. Was fehlt, ist die ehrliche Debatte: Wie viele Ingenieurstellen fallen weg, wenn KI-Agenten 500 Prozent produktiver arbeiten? Für Unternehmen ist der Case klar: Sofort implementieren, Effizienz verdoppeln, Kosten senken.

Für Ingenieure wird’s kompliziert. Wer heute noch manuell Steuerungen programmiert, sollte dringend lernen, KI-Agenten zu orchestrieren – oder sich nach neuen Aufgaben umsehen. Die Automatisierung automatisiert sich jetzt selbst. Siemens hat nicht nur ein Tool gebaut, sondern einen Präzedenzfall geschaffen: Wenn selbst hochspezialisierte Engineering-Tasks automatisierbar sind, ist kein Job mehr sicher.

Häufig gestellte Fragen

Was macht der Eigen Engineering Agent genau?

Er plant, erstellt und validiert Automatisierungsprojekte eigenständig: von Steuerungsprogrammen über Anlagenkonfigurationen bis zur Visualisierung von Bedienoberflächen – komplett integriert in bestehende Engineering-Systeme.

Wie viel schneller arbeitet die KI als Menschen?

Laut Siemens zwei- bis fünfmal schneller bei gleichzeitig 80 Prozent höherer Lösungsqualität. Tests mit mehr als 100 Kunden weltweit bestätigen zudem rund 50 Prozent Effizienzgewinn im Vergleich zu manuellen Workflows.

Ersetzt der Agent menschliche Ingenieure?

Offiziell nicht – Siemens spricht von „Entlastung“. Praktisch übernimmt die KI aber eigenständig Aufgaben, die bisher hochqualifizierte Fachkräfte erledigt haben. Die Transformation der Jobprofile hat längst begonnen.

Wann ist das Tool verfügbar?

Sofort. Der Eigen Engineering Agent ist produktionsreif und für Nutzer des TIA Portals digital verfügbar. Siemens plant bereits die Ausweitung auf weitere Bereiche der Wertschöpfungskette.

Quellen: heise, Assets, Siemens, Mobileworldlive, Computer-automation

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