Startup & Scaling Fail fast? Haftest du trotzdem!

Fail fast? Haftest du trotzdem!

Die Startup-Szene predigt „fail fast“ – doch wenn Liquidität kippt, haftet nicht das System, sondern der Gründer persönlich. Die unbequeme Wahrheit über GmbH-Haftung, Insolvenzrecht und Spielregeln.

Vor ein paar Wochen saß mir ein Gründer gegenüber, Mitte dreißig, klug, schnell, voller Energie.

Er hatte genau das gemacht, was man ihm überall predigt: wachsen, skalieren, Entscheidungen treffen – und wenn etwas nicht funktioniert, eben „fail fast“.

Das Problem: Jetzt war etwas schiefgelaufen. Und plötzlich ging es nicht mehr um Pitch Decks, sondern um persönliche Haftung.

Peter Fissenewert kennt als Mitbegründer und Investor im Legal-Tech-Umfeld die Praxis ebenso wie die Theorie.
Peter Fissenewert kennt als Mitbegründer und Investor im Legal-Tech-Umfeld die Praxis ebenso wie die Theorie.

Er schaute mich an und fragte: „Das ist doch eine GmbH – ich hafte doch nicht, oder?“

Ich habe kurz geschwiegen. Weil ich wusste: Die ehrliche Antwort passt in keine Startup-Keynote.

Die Wahrheit ist unbequem. „Fail fast“ funktioniert hervorragend – solange Geld da ist, Investoren optimistisch sind und niemand genau hinschaut.

Aber in dem Moment, in dem Liquidität kippt, Zahlungen kritisch werden oder Pflichten verletzt werden, wird aus der Idee ein Haftungsfall. Und dann haftet plötzlich nicht mehr das System, sondern der Mensch.

Peter Fissenewert steht für eine klare Haltung: Gute Compliance ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für unternehmerische Freiheit.
Peter Fissenewert steht für eine klare Haltung: Gute Compliance ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für unternehmerische Freiheit.

Ich erlebe das immer wieder: Gründer, die mutig entscheiden – und dann überrascht sind, dass Recht und Realität nicht identisch sind.

Dass man nicht einfach „testen“ kann, wenn es um Steuern, Sozialabgaben oder Zahlungsverbote geht. Dass Geschwindigkeit keine Verteidigung ist.

Bitte nicht falsch verstehen: Unternehmertum braucht Mut. Ohne Risiko entsteht nichts. Aber wer nur „fail fast“ hört und „haftest du trotzdem“ ausblendet, spielt ein Spiel, dessen Regeln er nicht kennt. Die bessere Formel wäre: Mutig entscheiden. Schnell lernen. Aber die Spielregeln verstehen. Denn am Ende gilt nicht der Applaus aus der Startup-Szene. Am Ende gilt das Gesetz. Und das klatscht nicht.

Über den Autor:

Peter Fissenewert ist Rechtsanwalt und Partner bei BUSE sowie Professor für Wirtschaftsrecht in Berlin. Er berät Unternehmen, Vorstände und Aufsichtsräte an der Schnittstelle von Unternehmertum, Haftung und Governance – dort, wo Mut auf Regulierung trifft. Als Mitbegründer und Investor im Legal-Tech-Umfeld kennt er die Praxis ebenso wie die Theorie. Sein Fokus: Wie Unternehmen Verantwortung übernehmen, ohne sich von Bürokratie ausbremsen zu lassen. Peter Fissenewert steht für eine klare Haltung: Gute Compliance ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für unternehmerische Freiheit.

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