Business & Beyond Auswandern kostet mehr, als du denkst

Auswandern kostet mehr, als du denkst

Was die Wegzugsbesteuerung für Gründer und Unternehmer wirklich bedeutet und warum viele erst dann fragen, wenn es zu spät ist.

Dubai, Lissabon, Zug. Die Wunschliste ist lang, die Realität oft ernüchternd. Wer als Unternehmer mit mindestens einem Prozent an einer GmbH ins Ausland zieht, bekommt vom deutschen Fiskus eine Rechnung, die er nicht bestellt hat. Die Wegzugsbesteuerung zählt zu den teuersten Fehlern für ambitionierte Gründer.

Das Prinzip: Deutschland behandelt den Wegzug wie einen fiktiven Unternehmensverkauf. Stille Reserven, der Unterschied zwischen heutigem Unternehmenswert und den Anschaffungskosten, werden versteuert. Auch wenn kein Anteil verkauft wurde. Grundlage ist § 6 Außensteuergesetz.

Seit 2025 trifft es auch ETF-Investoren

Mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde der Anwendungsbereich erweitert. Seit Januar 2025 sind auch Investmentfonds und ETFs betroffen, sobald die Anschaffungskosten eines einzelnen Fonds 500.000 Euro überschreiten.

Auch Einzelunternehmen können betroffen sein, wenn sie ihre Unternehmen in das Ausland verlagern. Hier kann es zu einer sog. Entstrickung kommen, die eine Steuerpflicht beim Wegzug auslöst. In der Praxis erleben wir regelmäßig, dass Mandanten davon überrascht werden. Die Wegzugsbesteuerung ist längst kein Spezialthema mehr für klassische GmbH-Gesellschafter.

Die häufigsten Fehler

Fehler eins: zu spätes Handeln. Wer erst nach dem Ummelden anruft, hat kaum noch Spielraum. Die Steuerpflicht entsteht im Moment des Wegzugs, in der Regel ist das der Zeitpunkt der Aufgabe der Wohnung in Deutschland.

Fehler zwei: die Rückkehroption ignorieren. Wer in Erwägung zieht, nach Deutschland zurückzukehren, kann durch geschicktes Wohnsitzmanagement die Wegzugsbesteuerung umgehen, z. B. indem in Deutschland weiterhin eine Wohnmöglichkeit mit Schlüssel bei Familienmitgliedern besteht, die auch regelmäßig genutzt wird.

Fehler drei: die Verlagerung der Geschäftsführung in das Ausland kann bei GmbHs auch zu einer Steuer auf Ebene des Unternehmens führen – zusätzlich zur Wegzugsteuer beim Gesellschafter.

Was Planung leisten kann

Strukturmaßnahmen können die Wegzugsteuer umgehen, wenn rechtzeitig geplant wird. Idealerweise 12 bis 24 Monate vor dem Umzug. Oft haben diese den Nachteil, dass die Besteuerung in Deutschland bleibt. Langfristig kann die Besteuerung im Ausland aber niedriger sein und es kann sich lohnen, die Wegzugsteuer in Kauf zu nehmen.

Wer international denkt, muss auch steuerlich international planen. Der schwierigste Teil am Auswandern ist oft nicht der neue Wohnort, sondern der Abschied vom alten.

Zum Autor

Christian Gebert ist Gründer und Geschäftsführer von steuerberaten.de, einer der führenden digitalen Steuerberatungskanzleien in Deutschland mit über 160 Mitarbeitenden. Seit 2006 berät die Kanzlei Selbstständige, Unternehmer und internationale Mandanten vollständig digital.

Christian Gebert ist CEO von steuerberater.de
Christian Gebert ist CEO von steuerberater.de

/

Christian Gebert ist Gründer und Geschäftsführer von steuerberaten.de, einer der führenden digitalen Steuerberatungskanzleien in Deutschland mit über 160 Mitarbeitenden. Seit 2006 berät die Kanzlei Selbstständige, Unternehmer und internationale Mandanten vollständig digital.

Das könnte dich auch interessieren