Startup & Scaling Second-Hand, First Class: Vinted steigt auf 8 Milliarden Euro und will den IPO

Second-Hand, First Class: Vinted steigt auf 8 Milliarden Euro und will den IPO

Secondary-Deal statt Kapitalspritze: Vinted lässt Altaktionäre cashen und holt sich gleichzeitig börsenaffine Investoren ins Boot. Bewertung verdoppelt sich auf 8 Milliarden Euro — ohne einen Cent aufzunehmen.

Der litauische Second-Hand-Marktplatz Vinted hat eine Secondary-Transaktion über 880 Millionen Euro abgeschlossen, die das Unternehmen mit 8 Milliarden Euro bewertet. Das Besondere: Vinted selbst nimmt keinen Cent ein. Stattdessen verkaufen Altaktionäre und Mitarbeiter ihre Anteile an neue institutionelle Investoren. Ein klassischer Liquiditäts-Exit ohne Verwässerung — und ein strategischer Schachzug, der Fragen aufwirft.

Erst im Oktober 2024 lag die Bewertung noch bei 5 Milliarden Euro, wie Manager Magazin berichtet. Innerhalb weniger Monate hat sich der Wert also beinahe verdoppelt. Die Transaktion war deutlich überzeichnet, was bedeutet: Die Nachfrage überstieg das Angebot an verfügbaren Anteilen massiv. EQT, bereits investiert, stockte auf. Neu eingestiegen sind Teachers‘ Venture Growth, die Wachstumsplattform des kanadischen Ontario Teachers‘ Pension Plan, sowie Schroders Capital. Institutionelle Schwergewichte mit Kapitalmarkt-DNA.

Die Zahlen hinter dem Hype

Vinted steigerte 2025 seinen Bruttowarenwert (GMV) um 47 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte auf 1,1 Milliarden Euro, der Nettogewinn auf 62 Millionen Euro, so Trending Topics. Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 76,7 Millionen Euro laut Marketscreener — ein leichter Rückgang trotz Umsatzwachstum. Das Unternehmen ist in 26 Märkten aktiv und expandiert von Kleidung in Kategorien wie Elektronik und Bücher. Die vertikale Integration mit Vinted Go (Versand) und Vinted Pay (Zahlung) soll die Marge stabilisieren.

Operativ profitabel ist Vinted seit Jahren, eine Seltenheit im VC-finanzierten E-Commerce. CEO Thomas Plantenga betont, man könne weiteres Wachstum aus eigenen Mitteln finanzieren.. Warum dann der Deal?

Der IPO-Testlauf

Secondary-Transaktionen erfüllen mehrere Zwecke: Frühe Investoren und Mitarbeiter können Kasse machen, ohne dass das Unternehmen an die Börse muss. Gleichzeitig wird eine aktuelle Marktbewertung etabliert — ohne Verwässerung des bestehenden Kapitals. Die Zusammensetzung der neuen Investoren ist jedoch verräterisch: Pensionsfonds und Asset Manager mit Public-Market-Expertise steigen ein. Das ist kein Zufall.

„Diese Transaktion und Bewertung spiegeln den Fortschritt wider, den wir beim Aufbau von Vinted erzielt haben. Sie erkennt den geschaffenen Wert an und gibt Mitarbeitern die Möglichkeit, daran teilzuhaben“, sagte Plantenga laut Trending Topics. Übersetzt: Wer früh dabei war, darf jetzt raus — bevor die große Liquiditäts-Event kommt. Beobachter werten die Investor-Rotation als Vorbereitung auf einen IPO, auch wenn Vinted nichts Konkretes kommuniziert. Goldman Sachs als alleiniger Placement Agent verstärkt diese Lesart: Die Bank ist spezialisiert auf IPO-Vorbereitungen.

Business Punk Check

Vinted inszeniert einen perfekten Exit-Testlauf: Bewertung verdoppelt, ohne frisches Geld zu brauchen. Das signalisiert Stärke — oder Vorsicht. Denn wer aus eigener Kraft wachsen kann, braucht keine Secondary-Deals. Es sei denn, man will den Kapitalmarkt anlocken. Die Rechnung: Pensionsfonds zahlen 8 Milliarden heute, Retail-Investoren vielleicht 12 Milliarden beim IPO morgen. Gleichzeitig schafft man Liquidität für Mitarbeiter, bevor die Lock-up-Perioden greifen.

Der Haken: Der Gewinn schrumpfte trotz Umsatzwachstum. Expansion kostet, auch wenn man profitabel ist. Und Second-Hand-Marktplätze leben von Netzwerkeffekten — die sich schnell in Gegenrichtung drehen, wenn ein Konkurrent aggressiv skaliert. Vinted spielt auf Zeit: Die 8 Milliarden kaufen Glaubwürdigkeit, die institutionellen Investoren kaufen Optionalität. Für Gründer Plantenga bleibt die Frage: Wann kommt der echte Lackmustest an der Börse?

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Secondary-Transaktion?

Bei einer Secondary-Transaktion verkaufen bestehende Aktionäre ihre Anteile an neue Investoren. Das Unternehmen selbst erhält kein frisches Kapital. Es dient der Liquidität für Altaktionäre und etabliert eine aktuelle Marktbewertung ohne Verwässerung.

Warum steigen Pensionsfonds bei Vinted ein?

Institutionelle Investoren wie Ontario Teachers‘ Pension Plan haben Expertise in Public Markets. Ihr Einstieg deutet auf eine strategische Neuausrichtung von Vinted hin, möglicherweise als Vorbereitung für einen späteren Börsengang.

Wie profitabel ist Vinted?

Vinted erzielte 2025 einen Nettogewinn von 62 Millionen Euro bei 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Das Unternehmen ist operativ profitabel und finanziert Wachstum aus eigenen Mitteln, eine Seltenheit im E-Commerce.

Wird Vinted bald an die Börse gehen?

Vinted hat keinen IPO angekündigt. Die Zusammensetzung neuer Investoren und Goldman Sachs als Placement Agent lassen jedoch auf Vorbereitungen schließen. Der Secondary-Deal könnte ein Testlauf für die Kapitalmarkt-Bewertung sein.

Quellen: Trending Topics, Trending Topics, Fashionunited, Marketscreener, Manager Magazin, Retail News

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