Startup & Scaling Frontnow im Wandel: Neue Führung, neue Struktur und warum Agentic Commerce bessere Daten braucht – Interview mit Gabriel Bobinski, CEO Frontnow

Frontnow im Wandel: Neue Führung, neue Struktur und warum Agentic Commerce bessere Daten braucht – Interview mit Gabriel Bobinski, CEO Frontnow

Alle reden über „Agentic Shopping“. Also darüber, dass KI-Systeme künftig eigenständig Produkte finden, vergleichen und sogar kaufen. Doch während die Vorstellung für manch einen sicher bereits greifbar scheint, wird ein entscheidender Faktor oft unterschätzt: die Qualität der zugrundeliegenden Produktdaten. Denn ohne strukturierte, vollständige und kontextuell verständliche Daten bleibt auch die beste KI blind.
Genau hier setzt das Startup Frontnow an, das sich gerade neu aufstellt. Gabriel Bobinski hat kürzlich die Rolle des CEO übernommen, Gründer Marc Funk verantwortet als Chief Revenue Officer (CRO) künftig alle Themen rund um Kunden, Umsatzwachstum und Go-to-Market. Das Unternehmen hilft E-Commerce-Playern u.a. dabei, ihre Produktdaten so aufzubereiten, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen optimal lesbar und nutzbar sind. Außerdem entwickelt das Team KI-basierte Lösungen für das Einkaufserlebnis selbst, z.B. intelligente Chatbots, die Nutzer direkt im Shop beraten.


Wir haben mit Gabriel Bobinski darüber gesprochen, was sich hinter dem Neustart verbirgt, welche Rolle Produktdaten im Zeitalter von KI spielen und wie sich der Wettbewerb im E-Commerce gerade verändert.


Gabriel, du bist als CEO bei Frontnow eingestiegen und hast die nächste Entwicklungsphase eingeleitet. Warum dieser Schritt?
Gabriel Bobinski: Agentic Shopping beschreibt den nächsten Evolutionsschritt im E-Commerce. Statt dass Nutzer aktiv suchen, vergleichen und entscheiden, übernehmen KI-Systeme immer mehr dieser Aufgaben. Das können persönliche Shopping Agents sein, aber auch Suchmaschinen oder Plattformen, die Produkte automatisiert empfehlen oder direkt auswählen. Das erfordert eine neue Form der Revenue Infrastructure für den KI-getriebenen Handel.
Deshalb haben wir uns bewusst neu aufgestellt. Ich verantworte als CEO die Gesamtstrategie, Organisation und Produktentwicklung. Marc fokussiert sich als Chief Revenue Officer vollständig auf Umsatzwachstum und den Marktausbau. Diese Aufteilung gibt uns deutlich mehr Geschwindigkeit und Klarheit, gerade in der aktuellen Phase, in der sich Markt und Technologie extrem schnell entwickeln.


Was steckt aus deiner Sicht wirklich hinter Agentic Shopping?
Gabriel Bobinski: Der entscheidende Punkt ist, dass diese Systeme nicht visuell denken, sondern datengetrieben. Das verschiebt die Spielregeln komplett. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur durch Marketing oder Branding, sondern durch die Qualität der zugrundeliegenden Daten.


Heißt konkret, wer schlechte Produktdaten hat, verliert im Zweifel komplett an Sichtbarkeit?
Gabriel Bobinski: Genau. Wenn Daten unvollständig, inkonsistent oder schlecht strukturiert sind, kann eine KI das Produkt nicht richtig verstehen.
Das führt dazu, dass Produkte entweder gar nicht auftauchen oder in falschen Kontexten erscheinen. In einer Welt, in der Kaufentscheidungen zunehmend automatisiert werden, ist das ein massiver Wettbewerbsnachteil.

Warum ist das Thema Produktdaten für viele Unternehmen so schwer zu lösen?
Gabriel Bobinski: Weil es historisch gewachsen ist. Produktdaten kommen aus unterschiedlichen Quellen, Hersteller, interne Systeme, Marktplätze, und folgen selten einheitlichen Standards.
Das Ergebnis sind fragmentierte und oft fehlerhafte Datensätze. Das kann im Zweifel bedeuten, dass nicht mal die eigene Suchleiste des Shops das eigene Produkt findet. Gleichzeitig fehlt vielen Unternehmen die Infrastruktur, um diese Daten systematisch zu verbessern und für moderne KI-Anwendungen nutzbar zu machen.


Wo setzt Frontnow genau an, auch vor dem Hintergrund eurer neuen Ausrichtung?
Gabriel Bobinski: Unsere neue Aufstellung ist eng mit unserem Produktfokus verknüpft. Wir wollen Produktdaten zu einem zentralen Hebel für Wachstum machen.
Unsere Plattform sorgt dafür, dass Daten vollständig, strukturiert und „AI-ready“ sind. Also so aufbereitet, dass Maschinen sie verstehen und optimal nutzen können. Gleichzeitig bringen wir diese Daten direkt in die Anwendung, etwa über unseren KI-Chatbot im Shop. So entsteht ein durchgängiges System, von der Datenbasis bis zur Interaktion mit dem Kunden.


Was unterscheidet euch von klassischen Lösungen wie PIM-Systemen?
Gabriel Bobinski: Klassische Systeme verwalten Daten. Wir machen sie nutzbar für eine KI-getriebene Welt.
Das bedeutet, wir denken Daten immer vom Anwendungsfall her. Wie wird ein Produkt von einer KI interpretiert, wie wird es ausgespielt, wie beeinflusst es die
Kaufentscheidung? Wir verbinden das direkt mit dem Frontend, also dem Einkaufserlebnis. Das ist eine Kombination, die es so bisher kaum gibt.

Welche Effekte sehen eure Kunden dadurch konkret?
Gabriel Bobinski: Der erste Effekt ist bessere Sichtbarkeit, Produkte werden häufiger und relevanter ausgespielt.
Darüber hinaus sehen wir aber auch Effekte auf Conversion und Effizienz. Bessere Daten führen zu klareren Produktdarstellungen, weniger Rückfragen und einer insgesamt besseren Customer Experience. Und durch unsere Conversational AI Lösungen sehen wir, dass sich die Interaktion im Shop verändert. Nutzer finden schneller das richtige Produkt, springen seltener ab und haben ein deutlich intuitiveres Einkaufserlebnis.

Wie nah sind wir deiner Meinung nach wirklich an einer Welt des Agentic Commerce?
Gabriel Bobinski: Sehr nah. Viele Bausteine sind bereits Realität, etwa in Recommendation Engines oder AI-Assistenten.
Was sich gerade verändert, ist die Geschwindigkeit. Durch generative AI wird sich das Nutzerverhalten schneller wandeln als in früheren Phasen des E-Commerce. Für Unternehmen bedeutet das, die Zeit zu handeln ist jetzt.

Was ist eure langfristige Vision mit dieser neuen Aufstellung?
Gabriel Bobinski: Wir glauben, dass Produktdaten zur zentralen Infrastruktur des digitalen Handels werden. Ähnlich wie früher Websites oder später mobile Apps.
Unsere Vision ist es, die Plattform zu sein, die diese Daten global optimiert und nutzbar macht, für Menschen und für Maschinen. Und gleichzeitig wollen wir das Einkaufserlebnis neu definieren, indem wir KI direkt in die Interaktion zwischen Kunden und Shop integrieren. Denn am Ende entscheidet nicht mehr nur, wer das bessere Produkt hat, sondern wer besser verstanden wird.

Zum Abschluss: Euer Ziel und die nächsten Schritte für dieses Jahr, kurz und knapp.
Gabriel Bobinski: Unser Fokus liegt klar auf Skalierung. Das bedeutet, unsere Plattform weiter im Markt zu verankern, international zu wachsen und die Grundlage für den nächsten Finanzierungsschritt zu schaffen.


Vielen Dank für das Gespräch!

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