Business & Beyond Blumes VW-Plan: Weniger Autos, 50.000 Jobs weg & mehr Rüstung

Blumes VW-Plan: Weniger Autos, 50.000 Jobs weg & mehr Rüstung

VW-Chef Oliver Blume will bis 2030 die Kosten um 30 Prozent senken, 50.000 Stellen abbauen und das Werk Osnabrück in eine Rüstungsschmiede verwandeln. Die Wahrheit hinter dem Transformationsplan.

Europas größter Autokonzern schrumpft sich gesund – oder in die Bedeutungslosigkeit. VW-Chef Oliver Blume hat seinen Masterplan bis 2030 im Gespräch mit der Bild vorgelegt: 50.000 Stellen fallen weg, das Werk Osnabrück produziert ab 2027 keine Autos mehr, sondern Militärfahrzeuge.

Die Kapazität sinkt von über 12 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge. Blume verkauft, er muss das, als Chance: „Unser System bei Volkswagen war auf über 12 Millionen Fahrzeuge investiert. Wir haben in den letzten Jahren bereits 1 Million in China vom Netz genommen, 1 Million bei Volkswagen und bei Audi. Wir halten es für realistisch, in den nächsten Jahren rund 9 Millionen Fahrzeuge verkaufen zu können.“ Die Realität sieht anders aus: VW kämpft gegen chinesische Konkurrenz, explodierende Kosten und eine Überkapazität von einer Million Fahrzeugen:

Osnabrück wird zur Rüstungsschmiede

Ab 2027 läuft in Osnabrück kein VW-Modell mehr vom Band. Stattdessen verhandelt der Konzern mit Rüstungsunternehmen über die Produktion von Militärfahrzeugen und Verteidigungssystemen. Blume betont, man werde keine Waffen produzieren – sondern Transportfahrzeuge für die Bundeswehr.

Die Begründung: Die Bundesregierung habe einen klaren Auftrag zur Verteidigungsfähigkeit erteilt. VW sieht darin einen Beitrag zur Stabilisierung der Demokratie. Übersetzt: Der Konzern sucht verzweifelt nach Verwendung für ein überflüssiges Werk: „Wir werden in Osnabrück ab 2027 keine Produkte des Volkswagenkonzerns mehr produzieren und sind deshalb in intensiven Gesprächen mit Unternehmen der Verteidigungsbranche. Und ich bin da sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr dazu eine Entscheidung treffen werden. Sicherheit will und braucht jeder in Deutschland. Es gibt einen klaren Auftrag der Bundesregierung, unser Land verteidigungsfähig zu machen“, so Blume im Interview.

China-Strategie als Rettungsanker

VW setzt auf radikale Lokalisierung in China. Das größte Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands entsteht dort, bis 2030 sollen 50 neue Modelle auf den chinesischen Markt kommen. Die Strategie: deutsches Design und Qualität mit chinesischer Kosteneffizienz kombinieren.

Blume verspricht, die Entwicklungszeiten drastisch zu verkürzen und die Produktionskosten zu senken. „Wir haben vor drei Jahren unsere China-Strategie komplett umgestellt. Das heißt: mehr in China entwickeln für China. Wir haben ein großes Entwicklungszentrum aufgebaut, das mittlerweile voll leistungsfähig ist und das größte außerhalb Deutschlands ist.“ Ob das reicht, um gegen BYD, Nio und andere lokale Player zu bestehen, bleibt fraglich. Die chinesischen Hersteller sind nicht nur günstiger, sondern auch schneller bei Digitalisierung und Software.

Kostensenkung um 30 Prozent – auf Kosten der Belegschaft

Blume will die Produktionskosten bis 2027 um 30 Prozent senken. Das Produktportfolio wird verschlankt, teure Extras reduziert, die Komplexität minimiert. Die Rechnung ist simpel: weniger Modelle, weniger Optionen, weniger Personal. Von den angekündigten 50.000 Stellenstreichungen ist bisher unklar, wie viele davon in Deutschland erfolgen. Der Konzern hatte ursprünglich auf über 12 Millionen Fahrzeuge Kapazität aufgebaut, verkauft aber nur noch durchschnittlich 9 Millionen. Die Überkapazität von einer Million Fahrzeugen muss weg – und damit auch die Menschen, die sie produzieren sollten.

Elektromobilität als Hoffnungsträger

Die Irankrise und steigende Benzinpreise könnten der Elektromobilität in Europa neuen Schub verleihen, hofft Blume. VW setzt darauf, dass Kunden angesichts teurer Spritpreise auf E-Autos umsteigen: „Das ist auf jeden Fall eine Chance für die Elektromobilität. Das könnte in Deutschland und Europa jetzt auch noch mal eine Motivation sein, für Kundinnen und Kunden zu sagen: Okay, ich habe es bisher vielleicht nicht in Erwägung gezogen, aber es ist jetzt so attraktiv, und jetzt springe ich rüber, weil jetzt auch wirklich tolle Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen.“ Die Strategie ist riskant: Während Tesla die Preise senkt und chinesische Hersteller mit günstigen E-Modellen den europäischen Markt fluten, kämpft VW noch immer mit Software-Problemen und hohen Produktionskosten. Die angekündigten Kostensenkungen müssen erst einmal realisiert werden.

Business Punk Check

Blumes Masterplan ist Krisenverwaltung, kein Befreiungsschlag. VW schrumpft sich auf eine Größe zurecht, die der Konzern schon vor fünf Jahren hätte haben sollen. Die Überkapazität von einer Million Fahrzeugen ist das Ergebnis von Fehlplanung und Realitätsverweigerung. Jetzt zahlen 50.000 Mitarbeiter die Rechnung. Die Umwandlung von Osnabrück in ein Rüstungswerk ist kreativ, aber auch ein Offenbarungseid: VW findet keine automobile Verwendung mehr für das Werk. Die China-Strategie klingt gut auf dem Papier, kommt aber Jahre zu spät. Während VW noch Entwicklungszentren aufbaut, haben BYD und Nio längst den Heimatmarkt dominiert und drängen nach Europa. Die angekündigten 50 neuen Modelle bis 2030 müssen erst einmal profitabel sein – bei chinesischen Kostenstrukturen und deutschem Qualitätsanspruch keine Selbstverständlichkeit.

Die Kostensenkung um 30 Prozent ist ambitioniert, aber überfällig. VW hat ein strukturelles Kostenproblem, das durch Stellenabbau allein nicht gelöst wird. Die Verschlankung des Produktportfolios und die Reduktion von Extras sind richtig, aber kein Alleinstellungsmerkmal. Tesla macht das seit Jahren, chinesische Hersteller sowieso. VW holt auf, statt voranzugehen. Die unbequeme Wahrheit: VW wird kleiner, günstiger und abhängiger von China. Der Konzern rettet sich in die Nische zwischen Premiumherstellern und chinesischen Volumenproduzenten. Ob dort genug Platz ist für einen Konzern mit 660.000 Mitarbeitern, wird sich zeigen. Blumes Plan ist Schadensbegrenzung – mehr nicht.

Häufig gestellte Fragen

Warum streicht VW 50.000 Stellen bis 2030?

VW hat massive Überkapazitäten aufgebaut und kann nur noch 9 Millionen statt der geplanten 12 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Die Differenz von einer Million Fahrzeugen bedeutet überflüssige Produktionskapazität und zu viel Personal. Der Konzern muss die Kostenstruktur an die reale Nachfrage anpassen, um gegen chinesische Konkurrenz bestehen zu können. Die Stellenstreichungen sind die logische Konsequenz jahrelanger Fehlplanung.

Was wird VW in Osnabrück künftig produzieren?

Ab 2027 produziert das Werk Osnabrück keine VW-Modelle mehr, sondern Militärfahrzeuge und Verteidigungssysteme für die Bundeswehr. VW verhandelt mit Rüstungsunternehmen über die Nutzung des Standorts. Konkret geht es um Transportfahrzeuge für militärische Zwecke, nicht um Waffen oder Panzer. Der Konzern nutzt damit die gestiegene Nachfrage nach Verteidigungsgütern, um ein überflüssiges Werk auszulasten.

Kann VW mit der China-Strategie gegen lokale Hersteller bestehen?

VW setzt auf ein großes Entwicklungszentrum in China und will bis 2030 50 neue Modelle speziell für den chinesischen Markt entwickeln. Die Strategie kombiniert deutsches Design mit chinesischer Kosteneffizienz. Ob das reicht, ist fraglich: BYD, Nio und andere chinesische Hersteller sind nicht nur günstiger, sondern auch bei Software und Digitalisierung voraus. VW muss beweisen, dass die Lokalisierung schnell genug greift.

Werden VW-Autos durch die Kostensenkungen günstiger?

Blume verspricht, die Produktionskosten um 30 Prozent zu senken und das an die Kunden weiterzugeben. Das Produktportfolio wird verschlankt, teure Extras reduziert. Ob die Einsparungen tatsächlich zu niedrigeren Verkaufspreisen führen, hängt vom Wettbewerbsdruck ab. Solange chinesische Hersteller mit Kampfpreisen in Europa einsteigen, muss VW die Kostensenkungen weitergeben – oder Marktanteile verlieren.

Lohnt sich der Autostandort Deutschland für VW noch?

Blume sagt ja – aber nur mit den richtigen Rahmenbedingungen. Gemeint sind vor allem niedrigere Energiekosten und weniger Bürokratie. VW fordert von der Politik Unterstützung bei Industriestrompreisen und schnelleren Genehmigungsverfahren. Ohne diese Hilfe wird die Produktion in Deutschland zunehmend unrentabel. Die Verlagerung nach China zeigt, wohin die Reise geht, wenn die Politik nicht liefert.

Quellen: Bild

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