Business & Beyond Airbus im freien Fall: 50% Gewinncrash und das gefährliche Spiel auf Zeit

Airbus im freien Fall: 50% Gewinncrash und das gefährliche Spiel auf Zeit

Europas Vorzeigekonzern meldet einen dramatischen Gewinneinbruch um über die Hälfte. Schuld sind US-Triebwerkslieferanten, 600 fehlerhafte Flugzeugrümpfe und ein schwacher Dollar. CEO Faury hält dennoch am Rekordkurs fest.

Der weltgrößte Flugzeugbauer stürzt ab – zumindest auf dem Papier. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach im ersten Quartal um 52 Prozent auf magere 300 Millionen Euro ein, wie Handelsblatt berichtet. Der Umsatz schrumpfte um sieben Prozent auf 12,65 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben 586 Millionen Euro – ein Viertel weniger als im Vorjahr. Besonders bitter: Airbus konnte nur 114 Verkehrsflugzeuge ausliefern, 22 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Ursache liegt nicht in Toulouse, sondern in den USA. Triebwerkshersteller Pratt & Whitney liefert zu langsam, zu wenig, zu unzuverlässig. CEO Guillaume Faury ging den US-Zulieferer im Februar ungewöhnlich scharf an – die Amerikaner hätten ihre Zusagen nicht erfüllt. Ein schwacher Trost, denn laut WirtschaftsWoche wird die Triebwerkskrise den Konzern noch bis 2027 begleiten. Auch die Münchner MTU Aero Engines ist an dem betroffenen Triebwerksprogramm beteiligt.

Wenn die Lieferkette kollabiert

Die Triebwerksmisere ist nur ein Teil der Probleme. 600 A320-Maschinen müssen wegen fehlerhafter Rumpfverkleidungen überprüft werden – ein hausgemachtes Desaster. Dazu kommen 20 Flugzeuge, die wegen bürokratischer Hürden nicht nach China ausgeliefert werden konnten, wie Handelsblatt schreibt. Das Problem sei inzwischen geklärt, die ersten Maschinen unterwegs.

Faury betonte, es ginge nicht um geopolitische Fragen. Eine bemerkenswerte Aussage in Zeiten, in denen Europa und China händeringend um wirtschaftliche Normalität ringen. Der schwache Dollar verschärft die Lage zusätzlich. Flugzeuge werden in Dollar abgerechnet, Airbus bilanziert in Euro – ungünstige Kurssicherungsgeschäfte haben die Marge weiter belastet.

Optimismus trotz Katastrophen-Quartal

Trotz des Desasters hält Faury unbeirrt am Ziel fest: 870 Flugzeuge sollen 2026 ausgeliefert werden, mehr als im Rekordjahr 2019. Der bereinigte operative Gewinn soll auf 7,5 Milliarden Euro klettern. „Wir fahren die Produktion weiter hoch und produzieren nach Plan“, betont der CEO gegenüber n-tv, „trotz der fehlenden Triebwerke.“ Ein gewagtes Versprechen angesichts der Tatsache, dass Airbus im ersten Quartal fast 2,5 Milliarden Euro an Barmitteln verbrannte – achtmal mehr als im Vorjahr.

Immerhin: Der Auftragsbestand hat die Marke von 9000 Maschinen überschritten, netto wurden 398 Flugzeuge bestellt. Die Nachfrage ist ungebrochen, Airlines brauchen effiziente Jets – auch wegen drohender Kerosinknappheit durch den Iran-Konflikt. Faury sieht bisher keine Stornierungen: „Wir sehen, dass die Fluggesellschaften ihre Flugpläne ausdünnen, aber keine Bestellungen zurückziehen.“.

Business Punk Check

Airbus verkauft Zuversicht, während die Zahlen das Gegenteil schreien. Ein Gewinneinbruch um über 50 Prozent ist kein Betriebsunfall, sondern ein strukturelles Problem. Die Abhängigkeit von einem einzigen US-Triebwerkslieferanten rächt sich brutal – und wird laut Faury noch drei Jahre andauern. Die Rumpfverkleidungs-Pandemie bei 600 Jets zeigt: Auch intern läuft nicht alles rund.

Der Plan, 2026 Rekordauslieferungen zu erreichen, wirkt angesichts der aktuellen Lage wie eine Trotzreaktion. Faury pokert hoch – zu hoch? Airlines kaufen weiter, das stimmt. Aber wenn die Produktion weiter zum Jahresende zusammengepresst wird und die Triebwerke nicht kommen, wird selbst der optimistischste CEO seine Prognosen kassieren müssen.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der Airbus-Gewinn so stark eingebrochen?

Der operative Gewinn sank um 52 Prozent auf 300 Millionen Euro, hauptsächlich wegen stockender Triebwerkslieferungen von Pratt & Whitney. Dazu kommen ein schwacher Dollar, ungünstige Währungsgeschäfte und fehlerhafte Rumpfverkleidungen bei 600 A320-Maschinen, die überprüft werden mussten.

Wie lange dauert die Triebwerkskrise bei Airbus an?

CEO Guillaume Faury geht davon aus, dass die Lieferprobleme mit Pratt & Whitney den Konzern noch bis 2027 begleiten werden. Der US-Zulieferer hat seine Zusagen nicht erfüllt, arbeitet aber laut Faury an Lösungen.

Hält Airbus trotzdem an seinen Produktionszielen fest?

Ja. Airbus plant für 2026 die Auslieferung von rund 870 Verkehrsflugzeugen – mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Der bereinigte operative Gewinn soll auf 7,5 Milliarden Euro steigen. Finanzchef Thomas Toepfer betont, die Produktion werde planmäßig hochgefahren.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf deutsche Zulieferer?

Die Münchner MTU Aero Engines ist am betroffenen Triebwerksprogramm von Pratt & Whitney beteiligt und damit indirekt von den Lieferproblemen betroffen. Die genauen finanziellen Auswirkungen auf MTU sind noch nicht beziffert.

Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche,

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