BusinessPunk Voices So baust du dein Business von 0 auf eine Million mit KI

So baust du dein Business von 0 auf eine Million mit KI

Gerade ploppen auf X Listen auf von Menschen, die mehr als eine Million Dollar Jahresumsatz erwirtschaften:

@joshmohrer – 7 Millionen Dollar pro Jahr
@iangcarroll – 7 Millionen Dollar pro Jahr
@levelsio – 2,7 Millionen Dollar pro Jahr
@BrettFromDJ – 1,3 Millionen Dollar pro Jahr
@marclou – 1 Million Dollar pro Jahr

Alles Solo-Unternehmer, die KI als ihr Betriebssystem nutzen. Klingt nach Hustle-Porn, ich weiß. Und zugegeben X ist nicht gerade die Plattform, auf der man blind jeder Zahl vertraut, schon gar nicht, seit Grok dort seine kreative Interpretation von Fakten zum Besten gibt. Aber es zeigt einen neuen Trend seit ChatGPT 2022 veröffentlicht wurde.

Entsprechend häufig werde ich auf der Bühne aktuell gefragt, wie ich vorgehen würde, wenn ich heute nochmal von vorne starten müsste. Mit allem, was ich aus meinen beiden KI-Startups gelernt habe. Das erste habe ich vor ChatGPT gegründet, das zweite danach. Der Unterschied zwischen beiden fühlt sich an wie zwei verschiedene Leben. Beim ersten war KI das Produkt, das wir verkauft haben. Beim zweiten war KI von Anfang an fester Bestandteil des Unternehmens selbst.

Leaders of AI erwirtschaftet heute über eine Million Euro Umsatz pro Mitarbeiter. Weil wir KI konsequent als Teil der Organisation gedacht haben.

Also, wenn ich nochmal starten würde, wäre das mein Bauplan.

Der erste Shift: Vom Ausführenden zum Orchestrierer

Selbstständigkeit ist zu 50 Prozent Haltungsfrage. Die meisten, die heute mit KI starten, automatisieren einzelne Aufgaben, aber sie denken ihr Business nicht neu.

KI als Werkzeug ist gut. KI als Betriebssystem ist ein anderes Spiel. Der erste Shift, der alles verändert, ist dieser: Du hörst auf, der beste Ausführende zu sein, und wirst der beste Orchestrierer. Du fragst nicht mehr „Was kann ich selbst am besten?“, sondern drei andere Fragen:

  1. Welche Aufgaben muss ich aktiv loslassen und an KI übergeben – nicht irgendwann, sondern jetzt, von Anfang an?
  2. Welches radikal bessere Kundenerlebnis kann ich durch KI schaffen, das ohne KI schlicht unmöglich wäre, am besten um einen Faktor 10 besser?
  3. Und an welchen Punkten setze ich meine menschliche Empathie, mein Urteilsvermögen, meine Beziehungen bewusst als Premium-Merkmal ein, weil das das Einzige ist, was KI nicht replizieren kann?

Wer diese drei Fragen ehrlich beantwortet, hat das Fundament. Alles andere bleibt in der Werkzeugecke.

Die Infrastruktur, die mit dir skaliert

Wer ein Business mit KI baut, braucht eine Tech-Infrastruktur, die mit ihm skaliert.

Ich empfehle zwei Phasen.

Phase eins beginnt mit einem generalistischen KI-Interface, das alle wichtigen Modelle unter einer Oberfläche bündelt, beispielsweise Langdock aus Berlin. Du willst in dieser Phase nicht zehn verschiedene Tools jonglieren, sondern lernen, denken, Muster erkennen und zügig erste KI-Assistenten erstellen, die dir Aufgaben abnehmen.

Phase zwei beginnt, sobald du weißt, was du wirklich brauchst. Dann wechselst du auf Best-of-Breed: n8n für autonome Assistenten, make für Automatisierungen, Flux für Bildgenerierung, Lovable für schnelle Produktprototypen.

Jedes Tool macht eine Sache sehr gut. Deine Aufgabe ist es, sie zu einem System zu verbinden. Und hier würde ich auf keinen Fall sparen. Was machen ein paar hundert Euro, wenn KI das Fundament ist, auf dem dein gesamtes Unternehmen steht.

Deine ersten sechs Mitarbeiter sind keine Menschen

Jetzt stellst du dir die Frage: Wie sieht mein zukünftiges Team aus?

Meine Empfehlung ist sechs KI-Assistenten mit folgenden Rollen zu erstellen:

  1. Ein HR-Recruiter, der alle anderen Assistenten baut, Rollen definiert, Prompts schärft, also der Baumeister des Teams.
  2. Ein Strategieberater, dein Sparringspartner für alle Entscheidungen, der dein Business, deine Zahlen, deine Ziele kennt.
  3. Eine persönliche Assistenz für alles, was Aufmerksamkeit kostet, aber keine echte Denkleistung braucht: Mails, Recherchen, Terminvorbereitung. E
  4. in Produktentwickler, der Ideen strukturiert, Features priorisiert, Prototypen baut.
  5. Ein Social-Media-Redakteur, der dein Wissen in Inhalte verwandelt, die Aufmerksamkeit und Kunden bringen.
  6. Und der unterschätzteste Assistent: die Kundenpersona, die denkt und spricht wie dein Zielkunde und die Strategie, das Produkt, die Marketinginhalte validiert.

Danach kommen ein interner Salesmitarbeiter, ein Syndikusanwalt und spätestens dann besonders wichtig, eine KI, die das KI-Team führt.

Der Prototyp ist so professionell, wie früher das Produkt

Noch nie in der Geschichte des Gründens ging es schneller, eine Idee sichtbar zu machen. Mit den richtigen KI-Tools steht in ein bis zwei Stunden eine professionelle Klickdemo, eine fertige Website, ein funktionierendes Dashboard.

Also noch weniger Ausreden, direkt Feedback von potenziellen Kunden einzuholen.

So geht es mit KI: Du lässt deinen Produktentwickler-Assistenten und deine Kundenpersona gemeinsam Hypothesen generieren.

Welches Problem löst du? Für wen genau? Was ist der Unterschied zwischen dem, was sie heute tun, und dem, was mit deiner Lösung möglich wäre?

Dann baust du keinen Onepager, sondern direkt die funktionierende Demo mit Lovable und Co.

Sobald die steht bist du gefragt: Du führst zehn echte Gespräche mit Menschen, die dein Zielproblem haben. Mit diesen Antworten verbesserst du Stück für Stück dein Produkt und passt deine Strategie an.

Deine ersten Kunden kommen nicht durch Ads

Wir haben im ersten Jahr bei Leaders of AI keinen einzigen Euro in Performance Marketing gesteckt. Nicht aus Prinzip, sondern weil wir schlicht noch nicht wussten, wen wir da eigentlich ansprechen. Welcher Content trifft wirklich? Welcher ist besonders relevant für unsere Zielgruppe? Erst als wir das richtig verstanden hatten, haben wir Gas gegeben im Performance Marketing.

Und genau da wird Content Marketing heute immer noch massiv unterschätzt.

Du erstellst mit deinem Content-Redakteur Posts, die für deine Zielgruppe vermeintlich relevant sind. Nach ein paar Posts wertest du mit dem Sales-Assistenten aus: Was hat gezogen? Was hat niemanden interessiert? Lässt dir Pain-Points zusammenfassen und Muster erkennen. Diese Erkenntnisse fließen zurück in deine Kundenpersona, die du aktualisierst. Und dann postest du wieder, nur eben jedes Mal präziser.

Dieser Kreislauf schärft in jedem Durchgang dein Verständnis. Dein Content wird relevanter, deine Aufmerksamkeit steigt und in letzter Konsequenz wird dein Produkt besser.

Das Betriebssystem, das mit dir wächst

Mit jedem neuen Kunden kommen neue Aufgaben, mit jedem neuen Prozess neue Komplexität. Irgendwann merkst du: Was am Anfang noch überschaubar war, braucht Struktur.

Du brauchst ein Betriebssystem, das regelt, wie neue Assistenten ins Team kommen, wie Prozesse evaluiert werden und wann eine manuelle Aufgabe zur Automation wird.

Das Kernprinzip ist eine einzige Frage, die du dir regelmäßig stellst: Wer erledigt diesen Prozess – ein KI-Assistent oder eine Automation, die nach Schema F abläuft?

Dein Strategie-Assistent hilft dir, die richtigen Prozesse zu identifizieren und zu priorisieren. Dein HR-Recruiter stellt die Assistenten ein, die du dafür brauchst. Du selbst bleibst der Dirigent, aber immer seltener der Ausführende.

Das Ergebnis: ein Unternehmen, das mit jedem Schritt besser wird.

Fang an noch heute an mit deinem ersten Assistenten

Zurück zu der Liste vom Anfang. Lass dich von diesen Zahlen nicht einschüchtern. Das sind Ausreißer, die Besten der Besten. Und genau das ist das Problem, wenn wir uns mit dem Gedanken tragen, etwas Neues zu starten. Wir vergleichen uns mit den Extremen, nicht mit dem, was realistisch möglich ist. Sieben Millionen Dollar klingen beeindruckend, aber darum geht es nicht. Es geht darum, ob du die Idee, die du eh schon länger im Kopf hast, endlich in die Umsetzung bringst.

Fange mit deinem ersten Assistenten an, mit einem ersten Gespräch mit einem potenziellen Kunden, mit einem Prototyp, den du in wenigen Stunden baust. Die Werkzeuge sind da, die Infrastruktur ist da und die Ausreden, wenn du ehrlich bist, werden schwieriger zu finden.

Eine Sache noch: Die erfolgreichsten Unternehmer sind keine einsamen Genies, sie sind Teil von Communities, die sich gegenseitig pushen, Fehler teilen, Shortcuts weitergeben. Such dir deine Gemeinschaft und leg los. Der Rest kommt.

Dominic von Proeck ist Gründer von Leaders of AI, einer Akademie für KI-Transformation, in der ein kleines Team von weniger als zehn Menschen mit über fünfzig KI-Assistenten experimentiert, wie die Organisation von morgen funktioniert. Als Mitglied im KI-Expertenrat von Microsoft beschäftigt er sich täglich mit den strategischen Fragen der digitalen Zukunft in Europa. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter „KI mit Köpfchen – Wie man mit ChatGPT & Co die Organisation der Zukunft baut“ (Springer Gabler).

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