Tech & Trends 38 Milliarden Dollar Verlust: OpenAI wird zur teuersten KI-Wette der Welt

38 Milliarden Dollar Verlust: OpenAI wird zur teuersten KI-Wette der Welt

OpenAI fährt 38,5 Milliarden Dollar Verlust ein, während ChatGPT erstmals unter 50 Prozent Marktanteil rutscht. Der geplante Börsengang wird zum Stresstest für die teuerste Wette der Tech-Branche.

38,53 Milliarden Dollar Verlust in einem Jahr – das ist keine Schätzung, sondern die erste unabhängig bestätigte Zahl aus OpenAIs Büchern. Der KI-Skeptiker Ed Zitron hat Finanzdokumente veröffentlicht, die laut Trendingtopics von der Financial Times geprüft wurden. Das Ergebnis: OpenAI verbrennt Geld siebenmal schneller als im Vorjahr. Gleichzeitig rutscht ChatGPT erstmals unter 50 Prozent Marktanteil. Der geplante Börsengang im Herbst wird zur Bewährungsprobe für Sam Altmans Strategie.

Umsatz explodiert, Verluste noch mehr

Der Umsatz stieg von 3,7 auf 13,07 Milliarden Dollar – eine Verdreifachung, die selbst das interne Ziel von zehn Milliarden übertraf. Klingt nach Erfolg, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Gesamtkosten lagen bei 34 Milliarden Dollar. Allein 19,18 Milliarden flossen in Forschung und Entwicklung, 7,5 Milliarden in Rechenleistung.

Der operative Verlust: 20,92 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2024. Die Rechnung ist brutal einfach: Für jeden eingenommenen Dollar verliert OpenAI 1,60 Dollar. Im Vorjahr waren es noch 2,37 Dollar. Die Verlustquote sinkt also – aber nur relativ. Absolut wachsen die Verluste schneller als der Umsatz. Das ist Altmans Wette: Kapital als Waffe einsetzen, bis die Skalierung greift.

Microsoft kassiert 17 Milliarden pro Jahr

Die Abhängigkeit von Microsoft wird in den Dokumenten schmerzhaft sichtbar. 17,2 Milliarden Dollar zahlte OpenAI 2025 an den Partner – 10,59 Milliarden für Forschung, sechs Milliarden für Rechenleistung über Azure. Microsoft ist Anteilseigner mit 27 Prozent, Cloud-Lieferant und Vertriebspartner zugleich. Eine Beziehung, die OpenAI nicht verlassen kann, ohne das Geschäft zu gefährden.

Der Nettoverlust von 38,53 Milliarden Dollar enthält allerdings einen buchhalterischen Trick: 41,55 Milliarden stammen aus der Umwandlung von der Non-Profit-Struktur zur Public Benefit Corporation im Oktober 2025. Bereinigt bleibt ein Verlust von 8,84 Milliarden Dollar – immer noch massiv, aber näher an der operativen Realität.

ChatGPT verliert Nutzer an Anthropic

Parallel zu den Finanzproblemen bröckelt die Marktdominanz. Im Januar 2025 hatte ChatGPT noch 60,1 Prozent Marktanteil, im Mai 2026 nur noch 46,6 Prozent – erstmals unter 50 Prozent seit dem Launch. Googles Gemini kommt auf 27,7 Prozent, Anthropics Claude auf über zehn Prozent. Im Januar 2025 lag Claude noch unter drei Prozent. Die Gründe sind politisch: Nach OpenAIs Deal mit dem US-Verteidigungsministerium schnellte die Deinstallationsrate um 200 Prozent nach oben.

Anthropic lehnte eine Pentagon-Kooperation ab und gewann Nutzer. Laut t3n wechseln User immer häufiger zwischen Chatbots – Loyalität gibt es nicht mehr. Der Markt wächst trotzdem: 36 Milliarden Stunden werden Nutzer 2026 mit KI-Tools verbringen, doppelt so viel wie 2025. Aber OpenAI muss sich diese Zeit mit immer mehr Konkurrenten teilen. Die Werbebudgets für KI haben sich in den USA verdreifacht – der Kampf um Aufmerksamkeit wird teurer.

Börsengang als Belastungsprobe

Juni 2026 reichte OpenAI den vertraulichen S-1-Entwurf bei der SEC ein. Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan führen den Deal. Die Bewertung: zwischen 850 Milliarden und einer Billion Dollar. Im März lag die Post-Money-Bewertung nach einer Finanzierungsrunde über 122 Milliarden Dollar bei 852 Milliarden. Anthropic hat am 1. Juni seinen S-1 bei 965 Milliarden Dollar Bewertung eingereicht.

Beide Börsengänge sind für Herbst 2026 geplant. Das zweite Halbjahr wird zum ersten echten Markttest für Frontier-AI-Bewertungen. Bisher wurden diese Zahlen ohne öffentliche Prüfung akzeptiert. Jetzt müssen Altman und Anthropic-CEO Dario Amodei Investoren überzeugen, dass die Verluste irgendwann enden. Die Profitabilität wird frühestens 2030 erwartet. Bis dahin muss OpenAI Kapital im dreistelligen Milliardenbereich verbrennen – und hoffen, dass die Kapitalmärkte nicht vorher die Geduld verlieren.

Business Punk Check

OpenAI ist die teuerste Wette der Tech-Geschichte – und sie wackelt. 38 Milliarden Dollar Verlust, sinkender Marktanteil, totale Abhängigkeit von Microsoft: Das ist keine Erfolgsgeschichte, sondern ein Hochrisiko-Experiment. Altmans Strategie funktioniert nur, wenn die Skalierung irgendwann greift. Aber die Zahlen zeigen: Die Kosten wachsen schneller als der Umsatz. Die Konkurrenz schläft nicht. Anthropic gewinnt Nutzer mit ethischen Argumenten, Google hat die Infrastruktur, Meta verschenkt Llama. OpenAI muss nicht nur profitabel werden, sondern auch beweisen, dass ChatGPT mehr ist als ein teures Forschungsprojekt.

Der Börsengang wird zeigen, ob Investoren bereit sind, weitere Jahre Verluste zu finanzieren – oder ob die KI-Blase platzt. Für Entscheider heißt das: Nicht auf einen Anbieter setzen. Die KI-Landschaft konsolidiert sich, aber der Gewinner steht noch nicht fest. Wer jetzt auf OpenAI setzt, kauft Marktführerschaft auf Pump. Wer diversifiziert, bleibt flexibel. Die nächsten zwölf Monate entscheiden, ob OpenAI die Kurve kriegt – oder ob 2026 als das Jahr in Erinnerung bleibt, in dem die teuerste Tech-Wette scheiterte.

Quellen: Trendingtopics, t3n

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