Work & Winning 40 Prozent zweifeln am Arbeiten bis zur Rente: Besonders hart trifft es Pflege und Handwerk

40 Prozent zweifeln am Arbeiten bis zur Rente: Besonders hart trifft es Pflege und Handwerk

Knapp die Hälfte der Beschäftigten in körperlich belastenden Berufen glaubt nicht, bis zur Rente durchzuhalten. Eine DGB-Erhebung zeigt: Handwerker, Pflegekräfte und Erzieher sind am stärksten betroffen.

Die Zahlen der DGB-Erhebung sind eindeutig: 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland rechnen nicht damit, ihren Job bis zum Renteneintritt ausüben zu können. In körperlich und psychisch belastenden Berufen liegt dieser Wert sogar bei 50 Prozent.

Für die Auswertung des DGB-Index „Gute Arbeit“ wurden knapp 28.000 Beschäftigte zwischen 2022 und 2026 befragt. Das Ergebnis offenbart eine Kluft zwischen politischen Rentendebatten und der Realität am Arbeitsplatz.

Handwerk und Pflege: Die Verlierer der Rentenpolitik

Die Zweifel konzentrieren sich auf bestimmte Branchen. Im Bereich Sanitär, Heizung und Klempnerei erwarten 72 Prozent der Beschäftigten, ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben zu können. In der Krankenpflege sind es 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent.

Hochbauberufe folgen mit 66 Prozent, Erzieher mit 57 Prozent. Die Gründe: hohe körperliche Belastung, ständiger Zeitdruck, Lärmbelastung, lange Arbeitszeiten und fehlende betriebliche Gesundheitsförderung. Wer unter diesen Bedingungen arbeitet, traut sich deutlich seltener zu, bis zum gesetzlichen Renteneintritt durchzuhalten.

Gewerkschaft fordert Kurswechsel

DGB-Chefin Yasmin Fahimi nennt die Ergebnisse einen „bitteren Befund“. „Diese Realitäten darf die Regierung bei ihren Rentenentscheidungen nicht länger ignorieren“, forderte sie laut Tagesschau.

„Statt die Messlatte beim Renteneintrittsalter immer höher zu legen, braucht es würdige Übergänge in die Rente und gesündere Arbeitsbedingungen“, so Fahimi weiter. Die Gewerkschaftschefin warnt davor, dass sich ganze Generationen krank in die Rente schleppen und dann Abzüge hinnehmen müssen.

Rentenkommission plant Verschärfungen

Parallel zur DGB-Erhebung laufen die politischen Verhandlungen zur Rentenreform. Union und SPD haben angekündigt, die Vorschläge der Rentenkommission „zügig“ umsetzen zu wollen.

Das Gremium hatte 33 Reformvorschläge vorgelegt: Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, Abschaffung der Rente mit 63, Ausweitung des Einzahlerkreises und eine kapitalgedeckte Säule der gesetzlichen Rente. Die Pläne bedeuten faktisch eine Verschärfung der Bedingungen – während die DGB-Daten zeigen, dass bereits jetzt 40 Prozent der Beschäftigten nicht bis zur Rente durchhalten können.

Business Punk Check

Die Rentenkommission plant Reformen, als würde Deutschland in Büros arbeiten. Die Realität sieht anders aus: 72 Prozent der Handwerker im Sanitärbereich glauben nicht, bis zur Rente durchzuhalten. Die Politik ignoriert systematisch, dass körperliche Arbeit Menschen verschleißt. Stattdessen wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt – eine Rechnung, die für Pflegekräfte und Bauarbeiter nicht aufgeht.

Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 trifft genau die Berufsgruppen, die bereits jetzt am stärksten belastet sind. Gleichzeitig fehlen konkrete Maßnahmen für gesündere Arbeitsbedingungen oder flexible Ausstiegsmodelle. Die kapitalgedeckte Säule mag für gut verdienende Angestellte funktionieren – für Geringverdiener in belastenden Berufen ist sie keine Lösung. Unternehmen müssen jetzt handeln: Betriebliche Gesundheitsförderung ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflicht. Wer Fachkräfte halten will, braucht Modelle für Teilzeit im Alter und altersgerechte Arbeitsplätze. Die Alternative: Noch mehr Frühverrentungen und Fachkräftemangel.

Quellen: Tagesschau, Spiegel, Zdfheute

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