Finance & Freedom Priens Elterngeld-Reform: Warum Familien mehrere tausend Euro verlieren könnten

Priens Elterngeld-Reform: Warum Familien mehrere tausend Euro verlieren könnten

Familienministerin Karin Prien kürzt das Elterngeld von 14 auf 12 Monate und fordert drei Vätermonate. Klingt nach Gleichberechtigung, ist aber ein Sparpaket über 500 Millionen Euro, das vor allem Frauen trifft.

Familienministerin Karin Prien verkauft eine Kürzung als Fortschritt. Ihr Gesetzentwurf reduziert das Elterngeld von 14 auf 12 Monate und erhöht gleichzeitig die Vätermonate von zwei auf drei. Die Begründung: mehr Partnerschaftlichkeit. Die Wahrheit: Prien muss 500 Millionen Euro einsparen. Was nach moderner Familienpolitik klingt, entpuppt sich als Rotstift-Aktion, die vor allem eines trifft: die Berufschancen von Müttern.

Weniger Geld, mehr Zwang

Nun steht laut Politico im Gesetzesentwurf: „Drei Monate sind zukünftig für jedes Elternteil reserviert. Sechs weitere Monate können zwischen den Eltern flexibel aufgeteilt werden.“ Wer nicht mitzieht, bekommt weniger. Alleinerziehende bleiben von der Drei-Monats-Regel ausgenommen, erhalten aber ebenfalls nur noch maximal zwölf Monate.

Der Mindestbetrag steigt minimal von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Die Deckelung bei 65 Prozent des Nettoeinkommens bleibt bestehen. Seit der Einführung 2007 ist das die erste nennenswerte Anpassung und sie kommt gleichzeitig mit einer Leistungskürzung.

Die Rechnung geht nicht auf

Beate von Miquel, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, bringt es auf den Punkt: Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag bessere Familienleistungen versprochen, spare nun aber ausgerechnet beim beliebtesten Instrument. „Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken. Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren“, so von Miquel laut Zeit.

Der Etat des Familienministeriums schrumpft 2026 um acht Prozent, bis 2029 um ein Fünftel. Parallel sinken die Elterngeldzahlungen ohnehin – von 7,6 Milliarden Euro 2022 auf 7,1 Milliarden 2025. Grund: der Geburtenrückgang. 2025 bezogen 1,61 Millionen Menschen Elterngeld, 13,9 Prozent weniger als 2021. Der Väteranteil liegt bei mageren 25,9 Prozent.

Was Eltern wirklich wollen

Eine Bertelsmann-Umfrage unter 2.500 Menschen zeigt: 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer bevorzugen ein egalitäres Modell mit jeweils sieben Monaten pro Elternteil. Diese Option wurde im Ministerium diskutiert, dann aber verworfen.

Stattdessen unterstützen 39 Prozent weiterhin das klassische Modell: zwölf Monate Mutter, zwei Monate Vater. Die Bertelsmann-Autoren argumentieren volkswirtschaftlich: Mehr Vätermonate würden Frauen schneller in den Job zurückbringen und den Fachkräftemangel mindern. Die häufigste Forderung der Befragten? Weniger Bürokratie und einfachere Anträge – das sagten 44 Prozent laut Zeit.

Sparen statt gestalten

Prien verpackt Haushaltszwänge als Gleichstellungspolitik. Dabei zeigt die Einkommensgrenze von 175.000 Euro, dass es längst nicht mehr um Familienförderung geht, sondern um Umverteilung und Einsparungen.

Das Zukunftsforum Familie fordert stattdessen eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro und eine regelmäßige Dynamisierung. Doch davon ist im Gesetzentwurf keine Rede. Die Ressortabstimmung läuft noch, dann muss das Parlament entscheiden. Ob die Reform wirklich mehr Väter in die Elternzeit bringt oder nur die Haushaltslücke stopft, wird sich zeigen.

Business Punk Check

Priens Elterngeld-Reform ist ein Lehrstück in politischem Framing. Statt ehrlich über Haushaltszwänge zu sprechen, wird eine Kürzung als Gleichstellungsfortschritt verkauft. Die Rechnung ist simpel: Zwei Monate weniger Elterngeld sparen 500 Millionen Euro – und die Last tragen vor allem Frauen, die ohnehin 74 Prozent der Elterngeldbezieher stellen. Die drei Vätermonate klingen progressiv, ändern aber nichts an strukturellen Problemen: Väter, die länger aussetzen, riskieren Karrierenachteile, und Unternehmen bieten selten echte Rückkehrgarantien. Die volkswirtschaftliche Argumentation: Frauen kehren schneller zurück, Fachkräftemangel sinkt, ignoriert die Realität. Solange Teilzeitfallen, Gender Pay Gap und fehlende Kitaplätze bestehen, bringt auch eine Elterngeld-Reform nichts.

Stattdessen hätte die Regierung den Mindestbetrag dynamisieren und die Einkommensgrenze von 175.000 Euro überdenken können. Doch das kostet Geld, das Prien nicht hat. Für Eltern bedeutet das: Wer 2026 ein Kind plant, sollte die Finanzen neu durchrechnen. Zwei Monate weniger Elterngeld können bei Gutverdienern mehrere tausend Euro ausmachen. Väter, die keine drei Monate nehmen können oder wollen, sollten sich auf bürokratische Hürden einstellen. Und Mütter? Die dürfen wieder einmal die Lücke füllen, die die Politik hinterlässt. Gleichberechtigung sieht anders aus.

Quellen: Rnd, Tagesschau, Zeit

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