Startup & Scaling KI-nokultur: Ein Berliner Startup gibt der Filmindustrie ihre Zeit zurück

KI-nokultur: Ein Berliner Startup gibt der Filmindustrie ihre Zeit zurück

Jedes Jahr konkurrieren über 240.000 Filme um einen Platz auf den Festivalbühnen dieser Welt. Festivals sind der primäre Weg zu Sichtbarkeit, Distributionsdeals und Publikum. Das Problem? Es gibt über 15.000 davon, jedes mit eigenen Regeln, Themen und Auswahlkriterien. Wer die richtigen findet, verbringt Wochen mit Recherche und Einreichung anhand der immer unterschiedlichen Anforderungen oder zahlt teuer für einen Consultant, der das übernimmt. Beide Optionen sind für die meisten unabhängigen Filmemacher:innen keine echte Lösung.


Die Filmbranche befindet sich dabei ohnehin in einer Phase des Umbruchs. Kaum eine Technologie wird derzeit so kontrovers diskutiert wie künstliche Intelligenz. Während manche Filmschaffende befürchten, dass KI kreative Berufe unter Druck setzt oder menschliche Arbeit ersetzt, sehen andere darin vor allem ein Werkzeug, das administrative Prozesse vereinfacht und neue kreative Freiräume schafft. Besonders für unabhängige Filmemacher:innen könnte genau dieser zweite Anwendungsfall entscheidend werden.


Das Berliner Startup Miralot will das ändern und hat dafür etwas gebaut, das es in dieser Form bisher nicht gab. Miralot stellt eine Plattform, die alle drei Dinge vereint, die es für den Festivalprozess braucht – eine umfassende Festivaldatenbank, intelligentes Matching und ein Einreichungs-Tool, das den Rest übernimmt. Der Festivalprozess ist dabei der erste Schritt. Wer ihn löst, sitzt an den Daten, die für die gesamte Filmdistribution relevant werden.


Der blinde Fleck des Submission-Markts


Es gibt genug Tools. Das Kernproblem ist, dass keines von ihnen den Zeitfresser ganzheitlich löst. Bestehende Plattformen decken längst nicht alle relevanten Festivals ab. Die Berlinale etwa erfordert eine direkte Einreichung über die eigene Website. Der Festivalmarkt ist fragmentiert und intelligentes Matching hat dort bisher schlicht nicht existiert.


Berater:innen wiederum sind teuer, nicht skalierbar und für den Großteil der Filmemacher:innen, die mit kleinen Budgets und viel Eigeninitiative arbeiten, einfach nicht zugänglich.


Wie die Lösung funktioniert


Filmemacher:innen laden ihren Film hoch und geben grundlegende Informationen ein: Synopsis, Laufzeit, Genre, bisherige Einreichungen. Die KI von Miralot analysiert den Film anschließend über dutzende Datenpunkte, von Video und Audio bis zu Metadaten und matcht ihn gegen eine kuratierte Datenbank mit über 5.500 Wettbewerben weltweit. Von Berlinale und Cannes bis zu Spezialfestivals, die meisten Involvierten sonst nie auf dem Radar hätten.


Das Ergebnis ist eine personalisierte Festivalliste mit Match-Confidence-Score für jede Empfehlung. Wer dann einreichen will, tut das mit einem Klick. Miralot übernimmt den Rest. Aktuell ist die Plattform kostenlos nutzbar. Mit jeder Einreichung und jeder Zu- oder Absage versteht das Modell besser, welcher Film zu welchem Festival passt und warum.


Interessant dabei ist, dass KI hier nicht als kreativer Ersatz eingesetzt wird. Die Plattform schreibt keine Drehbücher, schneidet keine Filme und trifft keine künstlerischen Entscheidungen. Stattdessen automatisiert sie einen Prozess, der bislang vor allem Zeit, Geld, Branchenwissen erfordert und Kreative oft notgedrungen von ihrer eigentlichen Arbeit abhält. In einer Branche, die den Einfluss von KI oft kritisch betrachtet, gehört dieser pragmatische Einsatzbereich zu den Anwendungsfällen mit der größten Akzeptanz.


Das Team hinter der Plattform


Was Miralot von vielen Tech-Startups unterscheidet, die in vertikal spezialisierten Märkten antreten, ist das Gründerteam. Denn dieses kennt die Branche von innen.


Co-Founder Moritz Schneider hat über 15 Jahre in der Filmbranche verbracht, als Produzent preisgekrönter Filme, als Festivaldirektor und über ein Jahrzehnt mit einer eigenen Festival-Distribution-Agentur, die tausenden Filmemacher:innen durch den Submission-Prozess geholfen hat. Er hat das Problem nicht aus der Vogelperspektive beobachtet, sondern jahrelang, täglich, aus nächster Nähe gesehen.


Justus Timm bringt die Plattform-Skalierungserfahrung. Er hat zuvor ein B2B-Startup mitgegründet, das auf über 50.000 Kunden gewachsen ist und schließlich verkauft wurde.


CTO Christian R. Klopp war ebenfalls bereits als CTO und Mitgründer tätig und verantwortet die technische Architektur der Plattform, mit tiefer Expertise in KI, Cloud-Infrastruktur und DevOps.


Mehr als ein Tool: ein neuer Ausgangspunkt


Was Miralot interessant macht, ist nicht nur das Produkt. Es ist die Implikation dahinter. Wenn intelligentes Festival-Matching zugänglich ist, verändert sich die Spielfeldstruktur für unabhängige Filmemacher:innen grundlegend. Wer bisher auf persönliche Netzwerke oder teure Berater:innen angewiesen war, um überhaupt die richtigen Festivals auf dem Radar zu haben, bekommt jetzt denselben strategischen Ausgangspunkt.


Gegründet 2025 in Berlin, ist Miralot noch jung, zählt aber bereits Filmemacher:innen aus 68 Ländern und wächst um mehr als 30 Prozent pro Monat. Die These ist klar. Der Festivalmarkt ist zu groß, zu fragmentiert und zu undurchdringlich, um ihn ohne Datenstrategie zu navigieren. In einem Markt, in dem jedes Jahr 240.000 Filme um Aufmerksamkeit kämpfen, entscheidet genau diese Datengrundlage darüber, welche davon ihr Publikum finden. „Festivals sind der Einstieg. Dahinter liegt ein Milliardenmarkt, in dem heute niemand den Überblick hat. Genau diesen Überblick schaffen wir mit Daten.“, sagt Mitgründer Justus Timm.

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