Drive & Dreams Genesis: Premium auf Koreanisch

Genesis: Premium auf Koreanisch

Genesis-Europachef Peter Kronschnabl über Markenaufbau, Golf, koreanische Gastfreundschaft – und die Abkehr vom reinen Elektro-Kurs. Am Rande der Genesis Scottish Open in Schottland trafen wir Peter Kronschnabl, Managing Director von Genesis Motor Europe. Der langjährige BMW-Manager führt die koreanische Premium-Marke seit August 2025 und erklärt im Interview, warum Genesis wieder Hybride nach Europa bringt und er idealtypische Kundenprofile verworfen hat.

Herr Kronschnabl, Sie haben mehr als 30 Jahre bei BMW verbracht. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit nehmen Sie mit, um Genesis als Premium-Marke voranzutreiben?

„Ich habe mein ganzes Berufsleben lang im Premium-Bereich verbracht und in meiner Karriere mehrere Märkte von Grund auf aufgebaut, darunter Polen und Indien. Zudem habe ich Märkte sowohl in Europa geleitet, beispielsweise Belgien, als auch in Asien, darunter Japan und Russland. Eines habe ich dabei gelernt: Eine Marke etabliert man, indem man sie nachhaltig und sukzessive entwickelt. Plattformen wie die Genesis Scottish Open oder Genesis Magma Racing sind wichtig, um die Marke aufzubauen, aber auch, um Kunden und potenzielle Kunden mit ihr zusammenzubringen.“

Was ist denn Genesis eigentlich?

„Genesis ist eine Marke mit einem hohen Anspruch an Design und Qualität. Das merkt man beispielsweise im Innenraum unserer Fahrzeuge an der Qualität der verbauten Materialien. Und es geht nicht nur die Materialien, sondern auch die Handwerkskunst im Auto, die Stitchings und die vielen Details. Das gibt uns eine sogenannte Unique Selling Proposition. Auf der anderen Seite ist es die Art, wie wir bei Genesis mit den Kunden umgehen.

Welche Märkte in Europa haben das größte Potenzial für das Wachstumspotenzial?

„Deutschland ist der größte Premium-Markt in Europa, gefolgt von Großbritannien. Dort sind wir neben der Schweiz seit 2021 vertreten. In diesem Jahr sind Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien hinzugekommen. Spanien soll bis Ende 2026 ebenfalls operativ sein. Vor Kurzem haben wir angekündigt, bis 2027 auch auf den Märkten in Österreich, Polen, Portugal und Dänemark präsent zu sein.“

Warum eigentlich Golf? Was war zuerst da, Genesis oder der Hang zum Golf?

„Grundsätzlich muss ein Engagement natürlich zur Marke passen – und es muss eine Plattform sein, auf der wir mit Kunden und Interessenten in Kontakt kommen. Im Premiumsegment ist der Anteil an Golfspielern nach wie vor sehr hoch. Und Golf hat viel mit Premium gemeinsam, allen voran den Anspruch an Präzision. Das passt sehr gut zusammen. In diesem Jahr haben wir mit eigenen Turnieren begonnen: Unter unseren Gästen sind auch die Sieger von sechs Turnieren des Genesis European Golf Cups. So entstehen Money-can’t-buy-Momente – Erlebnisse, die sich nicht einfach kaufen lassen. Genau das finde ich bei solchen Plattformen entscheidend.“

Susie von den Stemmen & Genesis-Europachef Peter Kronschnabl
Genesis-Europachef Peter Kronschnabl

Und abseits von Golf?

„Unsere zweite Plattform ist die WEC, die World Endurance Championship Rennserie für Langstreckenrennen. In diesem Jahr ist unser Genesis Magma Racing Team mit zwei eigenen Autos erfolgreich gestartet. Vor allem aber werden wir mit dem GV60 Magma das erste Fahrzeug aus dem Magma-Programm auf die Straße bringen.

Damit verfügen wir über zwei Plattformen: Mit WEC sprechen wir performanceorientierte Kunden an, Kunden mit anderen Interessen können über Golf den Zugang zur Marke finden. Zusammen decken sie das gesamte Spektrum unserer Interessenten sehr schön ab.“

Wie weit lässt sich dieser koreanische Gastfreundschafts-Gedanke, das „Son-Nim“-Prinzip, auf uns störrische Europäer übertragen?

„Sagen wir lieber: rebellisch, nicht störrisch (lacht). Aber es stimmt schon: Wir Europäer sind manchmal Neuem gegenüber etwas weniger aufgeschlossen. Allerdings gilt auch: Wenn wir von etwas überzeugt sind, dann ziehen wir es durch. Deshalb glaube ich, dass dieses Prinzip auch bei Genesis in Europa sehr gut funktioniert. Viele Menschen mögen es, positiv überrascht zu werden. Mit Höflichkeit und Gastfreundschaft lässt sich positive Energie erzeugen. Und das setzt sich dann im Fahrzeug fort.

BMW hat seinen Fahrern einmal den Schnurrbart aberkannt, Audi die gehäkelte Toilettenpapierrolle. Was würde Genesis seinen Fahrern aberkennen, gibt es eine Vorstellung vom Genesis-Kunden?

„Dafür sind wir noch zu jung. (lacht) Aber im Ernst: Sind wir schon so etabliert, dass wir genau wissen, wie unser Kunde aussieht? Nein. Der Kunde in den USA ist ein anderer als in Asien, und wieder ein anderer als in Europa, wo wir erst seit knapp vier Jahren vertreten sind. Und Europa ist ja auch nicht ein einzelnes Land. Was schauen auf die Schnittmengen: Das sind Kunden mit einer Affinität für Design und für Neues. Eine Kundengruppe ab etwa 40 Jahren, mit vergleichsweise hohem Bildungsstand und höherem Einkommen. Das sind die Eckpunkte. Aber ein fertiges Bild dieses Kunden könnte ich noch nicht zeichnen.“

Genesis hatte doch entschieden, ab 2025 nur noch elektrisch zu sein. Was ist passiert?

„Wir haben inzwischen festgestellt, dass die Hochlaufkurve bei Elektro nicht so schnell wie erwartet verläuft. Man darf auch nicht nur auf Deutschland schauen: In Italien liegt der Elektroanteil bei sechs Prozent, in Spanien bei neun, in Norwegen bei 98, die Spreizung ist extrem. Deshalb brauchen wir bei den Antrieben eine gewisse Offenheit, um Segmente bedienen zu können und keine Kundengruppen auszuschließen. Zurück zum reinen Verbrenner gehen wir aber nicht – das ist klar.“

Die Autoindustrie steckt im größten Umbruch aller Zeiten, Elektrifizierung, softwaredefinierte Fahrzeuge. Wo sehen Sie Genesis 2030?

„Wir haben die Strategie komplett überarbeitet und auf mehrere Säulen gestellt. Unsere Markterweiterung wird weiter gehen. Zudem haben wir uns entschieden, vom Direktvertrieb auf eine Händlernetz-Struktur umzustellen. Wichtig ist auch das Produkt, und dazu gehört insbesondere der Antrieb. Wir orientieren uns an der Technologie der Hyundai Motor Group. Daher haben wir entschieden, Vollhybride, elektrische Range Extender und Plug-in-Hybride in unseren Fahrzeugen nach Europa zu bringen. Der erste Hybrid kommt Ende nächsten Jahres auf den Markt.“

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