Tech & Trends Stripe bietet 53 Milliarden Dollar für PayPal: Schnäppchen oder Sanierungsfall?

Stripe bietet 53 Milliarden Dollar für PayPal: Schnäppchen oder Sanierungsfall?

Stripe und Advent bieten 60,50 Dollar pro Aktie für PayPal. 53 Milliarden für einen Zahlungsdienstleister, der gerade von 360 auf rund 43 Milliarden Marktwert abgestürzt ist. Entweder das cleverste Investment des Jahrzehnts oder der teuerste Fehler.

PayPal hat nicht reagiert. Anfang Juli legten Zahlungsabwickler Stripe und Finanzinvestor Advent International ein gemeinsames Übernahmeangebot vor: 60,50 Dollar pro Aktie, 53 Milliarden Dollar Gesamtwert. Seitdem: Schweigen. Keine Absage, keine Verhandlungsbereitschaft, nichts, wie Reuters berichtet. Das wirft die spannendere Frage auf: Wollen sie überhaupt verkaufen?

Der Deal hätte Format. 50 Milliarden Dollar Finanzierungszusagen von Banken liegen vor, Stripe und Advent planen einen gemeinsamen Besitz zu gleichen Teilen. Die Offerte liegt 28 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag – klingt großzügig. Bis man sich anschaut, wo PayPal noch vor fünf Jahren stand: Bei 300 Dollar pro Aktie. Der Marktwert: 360 Milliarden Dollar. Heute sind es rund 43 Milliarden, wie aktuelle Marktdaten zeigen. Das macht das Angebot weniger zu einem Premium-Deal, sondern eher zur Wette auf eine Trendwende.

Warum PayPal gerade billig aussieht

Apple Pay und Google Pay haben PayPal systematisch Marktanteile abgejagt. Während die Tech-Giganten nahtlose In-App-Zahlungen perfektionierten, blieb PayPal bei seiner Legacy-Infrastruktur hängen. Die Modernisierung der eigenen Technik? Verschlafen. Das Ergebnis: Ein Zahlungsdienstleister mit globaler Reichweite, aber ohne Innovationskraft.

PayPal kämpft seit Monaten mit Herausforderungen im Management und an der Börse. Der Aktienkurs geriet unter Druck, das Unternehmen kündigte Restrukturierung und Sparmaßnahmen an. Die Börse blieb unbeeindruckt – und das zu Recht. Sparkurse sind das Eingeständnis, dass man das Geschäftsmodell nicht mehr wachsen kann.

Stripe kauft sich einen Namen – oder ein Problem?

Für Stripe ergibt der Deal strategisch Sinn. Man würde mit einem Schlag zur globalen Nummer eins im Payment-Geschäft aufsteigen, 430 Millionen PayPal-Nutzer inklusive. Die Konsolidierung des Marktes wäre komplett, Wettbewerber wie Adyen oder Square kämen nicht mehr hinterher. Advent bringt das Private-Equity-Playbook mit: Kosten raus, Effizienz rein, in fünf Jahren mit Gewinn weiterverkaufen.

Das Problem: PayPal ist nicht unterbewertet, weil die Märkte irrational sind. Sondern weil das Unternehmen seit Jahren keine überzeugende Antwort auf die Wallet-Revolution von Apple und Google hat. Die technische Infrastruktur gilt als veraltet, das Produkterlebnis als träge. Wer PayPal kauft, kauft sich einen Sanierungsfall – zu einem Preis, der eine makellose Turnaround-Execution voraussetzt.

Business Punk Check

Das Timing ist perfekt für PayPal. Ein Unternehmen, das mit Herausforderungen kämpft, dessen Aktienkurs im freien Fall ist und das zugeben musste, technologisch abgehängt worden zu sein, bekommt jetzt ein Premium-Angebot. 53 Milliarden für einen Player, der mit rund 43 Milliarden bewertet ist. Das ist kein Schnäppchen, das ist Verzweiflung mit Kalkül. Für Stripe und Advent wird der Deal zum Risikoexperiment: Gelingt die Integration und Modernisierung, haben sie den Zahlungsmarkt im Griff. Scheitert sie, haben sie 53 Milliarden in einen digitalen Dinosaurier versenkt.

PayPals Schweigen ist strategisch klug – wer nicht antwortet, kann auf bessere Angebote warten. Oder darauf, dass die Käufer nervös werden und nachbessern. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob PayPal verkauft. Sondern ob Stripe und Advent wirklich so verzweifelt sind, diesen Preis zu zahlen.

Quellen: heise, Handelsblatt, Reuters

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