Business & Beyond Vom Start-up-Chaos zur „echten“ Bank: N26 baut sich komplett um

Vom Start-up-Chaos zur „echten“ Bank: N26 baut sich komplett um

Nach Jahren roter Zahlen schreibt N26 erstmals schwarze Zahlen. Doch der Jubel bleibt verhalten: Das Kundenwachstum enttäuscht, die BaFin sitzt im Nacken und ein radikaler Personalumbau soll das Fintech vom Start-up-Chaos ins Establishment führen.

1,6 Millionen Euro Gewinn nach 42 Millionen Euro Verlust im Vorjahr – klingt nach Erfolgsgeschichte, oder? Nicht ganz. Denn während N26 zum ersten Mal schwarze Zahlen meldet, gibt die Berliner Neobank gleichzeitig zu: Das Kundenwachstum lag 2025 „unter den Erwartungen“, wie es im Geschäftsbericht heißt.

Ein Plus von 16 Prozent auf 5,6 Millionen ertragsrelevante Kunden ist zwar respektabel, aber weit entfernt vom Tempo der Konkurrenz. Revolut legte in Deutschland 36 Prozent zu, N26 brauchte für ein ähnliches Wachstum fast drei Jahre. Die BaFin-Wachstumssperre bis Juni 2024, die nur 50.000 bis 60.000 Neukunden pro Monat erlaubte, wirkt nach.

Der große Aufräumakt: Establishment statt Start-up-Chaos

Neu-CEO Mike Dargan, seit 105 Tagen im Amt, krempelt die Führungsetage komplett um. Mit Nathalie Picquot von Santander als Chief Growth Officer und Marcin Pakulnicki von ING als Technologiechef holt er sich klassische Banken-Schwergewichte ins Boot.

Die bisherigen Amtsinhaber Timo Meyer und Gino Cordt, beide als Unterstützer der Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal bekannt, verlassen das Unternehmen zum Jahresende. Auch Ex-Aufsichtsratschef Marcus Mosen ist mit sofortiger Wirkung raus, wie WirtschaftsWoche berichtet. Die Botschaft ist klar: N26 will weg vom Gründer-Kult, weg vom permanenten Ausnahmezustand, den Stalf und Tayenthal angeblich kultivierten.

Das BaFin-Trauma: Niederländische Hypotheken auf Eis

Das Kreditgeschäft wuchs 2025 um 60 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro, hauptsächlich durch Hypothekendarlehen in den Niederlanden. Dumm nur: Seit Oktober 2025 ist das Neukundengeschäft dort eingefroren. Die BaFin fand Mängel bei der Tochter Neo und schickte einen Sonderbeauftragten nach Berlin.

Kaum war N26 die erste Wachstumssperre losgeworden, folgte der nächste Auflagen-Hammer. Die Einlagen stagnierten bei 10,6 Milliarden Euro – durchschnittlich 1.893 Euro pro Kunde. Zum Vergleich: Revolut kommt nur auf 831 Euro pro Kopf, allerdings mit starker Präsenz in Mittel- und Osteuropa, wo die Kaufkraft niedriger ist.

Business Punk Check

N26 feiert den ersten Gewinn wie einen Meilenstein, dabei ist er eher ein Trostpflaster. 1,6 Millionen Euro bei knapp sechs Millionen Kunden? Das sind läppische 27 Cent Gewinn pro Kopf. Revolut wächst doppelt so schnell, die BaFin hat N26 weiter an der kurzen Leine, und die Kundeneinlagen zeigen: Viele nutzen das Konto nur als Zweitkonto, nicht als Hausbank.

Der radikale Personalumbau ist richtig, aber er kommt spät. Dargan muss beweisen, dass N26 mehr kann als Krisen managen. Sonst bleibt das Fintech ein ewiger Hoffnungsträger, der nie liefert. Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, ob der Establishment-Kurs das Wachstumsproblem löst – oder ob N26 endgültig von der Konkurrenz abgehängt wird.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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