US-Staatsschulden: 40 Billionen Dollar und Trumps stiller Gegner
Die US-Staatsschulden knacken 40 Billionen Dollar. Der Anleihemarkt reagiert mit den höchsten Zinsen seit fast 20 Jahren und Trumps eigene Wähler zahlen die Rechnung.
Vierzig Billionen Dollar. Eine US-Arbeiterin müsste laut Euronews.com mehr als 615 Millionen Jahre arbeiten, um diese Summe zu verdienen.
Genau in dem Moment, in dem die USA diese Marke reißen, klettern die Renditen langlaufender Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Das ist kein Zufall, sondern ein Warnschuss der Kapitalmärkte an eine Regierung, die seit Jahren mehr ausgibt, als sie einnimmt.
Der Anleihemarkt zeigt Trump die Grenzen seiner Macht
5,3 Prozent ist der höchste Wert seit dem Jahr 2007, also seit rund 19 Jahren. Das trifft eine Regierung, die mit Zöllen, Iran-Krieg und geopolitischen Alleingängen ohnehin unter Beobachtung steht. US-Finanzminister Scott Bessent reagierte mit einer Verdoppelung der Rückkäufe langlaufender Anleihen. Der Effekt hielt nur wenige Tage, die Renditen kletterten zurück auf fast das alte Niveau.
Die Bruttoschulden werden vom IWF mit rund 125,8 Prozent der Wirtschaftsleistung projiziert, eine Quote wie auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, wie n-tv berichtet. Allein die Zinszahlungen kosten den Staat mehr als eine Billion Dollar jährlich, mehr als der gesamte Verteidigungshaushalt von 918 Mrd. Dollar. Das Congressional Budget Office rechnet damit, dass die gesamten Bundesausgaben im laufenden Haushaltsjahr auf 7,4 Billionen Dollar steigen, während die Einnahmen bei nur 5,6 Billionen Dollar liegen.
Wer die Zeche zahlt und wer noch mitspielt
Ökonom Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel macht laut ZDFheute vor allem Steuervergünstigungen und Trumps Zollpolitik für die Schuldenexplosion verantwortlich. Der Oberste Gerichtshof hat bestimmte von Trump erhobene Zölle teilweise für rechtswidrig erklärt, woraus milliardenschwere Rückzahlungen von Zolleinnahmen resultieren. Langhammer geht davon aus, dass die Schuldenquote in fünf Jahren bei 140 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen könnte.
Noch trägt der Status des Dollars als Weltleitwährung die USA. Rund 76 Prozent der Schulden liegen in inländischer Hand, der Rest bei ausländischen Gläubigern wie Japan. Doch genau diese Gläubiger werden nervöser: Japan hat zuletzt massiv US-Anleihen verkauft, um den eigenen Yen zu stützen. Die eigentliche Last landet am Ende bei Verbrauchern mit niedrigem Einkommen, deren Hypotheken- und Kreditkartenzinsen mit den Staatsanleihen mitsteigen.
Auf einen Blick
- Die US-Bruttostaatsschulden haben erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, was rund 126 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht.
- Die Renditen dreißigjähriger US-Staatsanleihen kletterten laut n-tv auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, Finanzminister Bessents Rückkaufprogramm konnte den Anstieg nur kurzfristig bremsen.
- Ökonom Rolf Langhammer erwartet laut ZDFheute, dass die Schuldenquote in fünf Jahren auf 140 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen könnte.
- Steigende Zinsen verteuern nicht nur Staatsanleihen, sondern auch Hypotheken und Kreditkarten, was vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen belastet.
Business Punk Check
Die 40-Billionen-Marke ist ein Symbol, keine Bombe mit Zünder. Eine akute Zahlungsunfähigkeit der USA sehen weder Ökonomen noch Marktdaten. Was real ist: Der Anleihemarkt bepreist das Risiko bereits ein und das trifft zuerst Häuslebauer und Kreditkartenkunden mit niedrigem Einkommen, nicht Institutionen mit Kapitalpolster.
PR-Beruhigung wie Bessents Rückkaufprogramm verschiebt Laufzeiten, löst aber kein strukturelles Defizit von rund sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Wer als Anleger oder Unternehmenslenker jetzt handelt, sollte zwischen Symbolpolitik und echter Haushaltskonsolidierung unterscheiden lernen. Die unbequeme Wahrheit: Niemand weiß, wie viele weitere Rekordmarken das System verkraftet, bevor Gläubiger wirklich die Reißleine ziehen.
Quellen: euronews.com, n-tv.de, Zdfheute