„Größtes Ölgeschäft der Weltgeschichte“ – Trump bleibt bescheiden
Nach Maduros Festnahme verhandelt Trump einen Öldeal mit Venezuela. Für Präsidentin Delcy Rodríguez ist er politische Überlebensgarantie, für Washington ein Reservenschub.
Ein Fünftel der größten Ölreserven der Welt wechselt gerade formal nicht den Besitzer, aber sehr wohl den Kontrolleur. Wenige Monate nach der Festnahme von Venezuelas Langzeit-Machthaber Nicolás Maduro verkündete US-Präsident Donald Trump nach eigenen Worten das „größte Ölgeschäft der Weltgeschichte“.
Die Zahlen dahinter sind gewaltig, die politischen Interessen auf beiden Seiten noch gewaltiger: Trump braucht vor den Zwischenwahlen im November einen Erfolg, Rodríguez braucht Legitimität, um überhaupt regieren zu können.
Zwei Zahlen, ein Deal, zwei Lesarten
Laut WirtschaftsWoche erlangen die USA die mehrheitliche Kontrolle über mehr als 65 Mrd. Barrel venezolanischer Ölreserven, etwa ein Fünftel der geschätzten Gesamtvorkommen des Landes von 303 Mrd. Ein neues privates Gemeinschaftsunternehmen soll den USA 55 Prozent der Produktion sichern, über Beteiligung und garantierte Abnahme zum Selbstkostenpreis. Vorgesehen sind Verträge mit Laufzeiten von bis zu 100 Jahren für 17 betroffene Ölfelder.
Rodríguez widersprach dieser Darstellung in einer Fernsehansprache: Nicht 100, sondern maximal 25 Jahre solle ein US-Unternehmen die Förderkontrolle behalten, wie Handelsblatt berichtet. Zusätzlich sollen 1,5 Millionen Fass pro Tag zu den bisherigen 1,2 Millionen hinzukommen, gefördert gemeinsam mit dem Staatskonzern PdVSA. Bei Venezuelas Reserven handelt es sich vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann, ein Detail, das erklärt, warum gerade US-Raffinerien an der Golfküste an dem Geschäft interessiert sind.
Rodríguez braucht den Deal mehr als Trump
Für die venezolanische Präsidentin ist das Abkommen laut Handelsblatt eine politische Lebensversicherung. Sie betonte öffentlich, Venezuela behalte „Eigentum und Souveränität“ über seine Ressourcen und versprach „wirtschaftlichen Wohlstand für das venezolanische Volk“. Diese Formulierung richtet sich weniger an Washington als an die eigene Bevölkerung, die seit Jahren unter einer maroden Ölindustrie und Wirtschaftskrise leidet. Ob Investitionen tatsächlich bei den Menschen ankommen, bleibt offen.
Ein venezolanischer Ölexperte sagte der Zeitung El Nacional laut WirtschaftsWoche, ohne ausländisches Kapital blieben die betroffenen Felder womöglich noch zehn bis fünfzehn Jahre ungenutzt. Am Samstag protestierten in Caracas regierungsnahe Gruppen gegen die neue US-Präsenz, ein Hinweis darauf, dass die Erzählung von Souveränität intern nicht widerspruchsfrei ankommt. In der kommenden Woche sollen Verträge unterzeichnet werden, die mehreren Unternehmen, darunter Chevron, neue Förderrechte einräumen, was den Kurswechsel nach Jahren der Konfrontation zwischen Caracas und Washington konkret werden lässt.
Trump verspricht Wähler-Wirkung ohne Kosten
Nach US-Angaben sollen mehr als 100 Mrd. Dollar an privaten Investitionen fließen, Venezuela erwartet daraus Steuereinnahmen von über 209 Mrd. Trump betont, der Deal habe den amerikanischen Steuerzahler „keinen Penny“ gekostet und verspricht niedrigere Preise an den Zapfsäulen. Die USA verfügten laut Energiebehörde EIA Ende 2024 über eigene Ölreserven von 46 Mrd. Barrel; der Zugriff auf venezolanisches Schweröl würde diese Basis erheblich erweitern, besonders für auf Schweröl spezialisierte Raffinerien an der US-Golfküste.
Politisch kommt die Ankündigung Trump gelegen, der wegen des zäh verlaufenden Iran-Kriegs unter Druck steht und dem Demokraten vorgeworfen hatten, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven ins Visier genommen zu haben. Trump bekannte sich mit seinem Leitspruch „Drill Baby Drill“ ohnehin zur fossilen Energie, der Deal passt in diese Linie.
Business Punk Check
Fakt ist die Diskrepanz zwischen Trumps Darstellung von hundertjährigen Förderrechten und Rodríguez’ Korrektur auf maximal 25 Jahre. Diese Lücke ist keine Marginalie, sie zeigt, wessen Erzählung wem nützt.
Trump liefert Wählern zu Hause ein Kostenlos-Narrativ, Rodríguez liefert ihrer Bevölkerung eine Souveränitäts-Beteuerung. Ob venezolanische Steuereinnahmen von über 209 Mrd. Dollar realistisch sind, bleibt eine Ankündigung, keine geprüfte Tatsache. Offen bleibt zudem, ob der Deal Rodríguez tatsächlich innenpolitisch stabilisiert oder die Proteste in Caracas erst der Anfang sind.
Auf einen Blick
- Die USA erhalten laut WirtschaftsWoche Kontrolle über mehr als 65 Mrd. Barrel venezolanischer Ölreserven, rund ein Fünftel der Gesamtvorkommen.
- Präsidentin Delcy Rodríguez widerspricht laut Handelsblatt der Laufzeit von 100 Jahren und spricht von maximal 25 Jahren Förderkontrolle für US-Unternehmen.
- Nach US-Angaben sollen mehr als 100 Mrd. Dollar an privaten Investitionen fließen, Venezuela erwartet Steuereinnahmen von über 209 Mrd. Dollar.
- In Caracas protestierten regierungsnahe Gruppen gegen die neue US-Präsenz in der venezolanischen Ölindustrie.
Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, KI-unterstützt