Revolut warnt: Europas Milliarden schlafen
Revolut sieht Europas Sparvermögen als unterschätztes Wachstumsproblem: Milliarden liegen niedrig verzinst auf Konten, verlieren real an Wert – und fehlen zugleich den Kapitalmärkten.
Europas Haushalte verfügen über Billionen Euro – doch ein großer Teil dieses Geldes arbeitet kaum für sie. Das Fintech Revolut sieht darin ein strukturelles Problem, fordert einen Kurswechsel und will Sparern den Weg vom passiven Konto zum Investieren erleichtern. Revolut bietet über seine App unter anderem Konten, Zahlungsdienste, Spar- und Anlageprodukte an.
33 Billionen Euro – viel davon passiv
Europa habe kein Geldproblem, sondern ein Aktivierungsproblem, argumentiert Revolut mit seinem „Europäischen Wohlstandsverlust-Index“. Das private Vermögen auf dem Kontinent belaufe sich auf rund 33 Billionen Euro. Gleichzeitig lägen in den untersuchten Märkten rund 6,3 Billionen Euro in passiven, liquiden Bankeinlagen. Geld, das kaum Rendite erwirtschaftet, verliert durch Inflation real an Kaufkraft. Für Deutschland beziffert Revolut passive Bankeinlagen auf 1.945,7 Milliarden Euro. Revolut beziffert das daraus abgeleitete jährliche Wachstumspotenzial für Deutschland auf 135,4 Milliarden Euro. Als Vergleich nennt Revolut die historische annualisierte Zehnjahresrendite von 9,06 Prozent des MSCI Europe ETF.
Inflation frisst Kaufkraft
Bei 10.000 Euro Ersparnissen mindert die Inflation in Deutschland laut Index die Kaufkraft jährlich um 230 Euro. Die durchschnittlichen Zinsen für einjährige Einlagen liegen nach den von Revolut herangezogenen Daten bei 2,10 Prozent und damit unter der Inflationsrate von 2,30 Prozent. Selbst fest angelegtes Sparguthaben verliert demnach real 20 Euro pro Jahr. Deutlich größer fällt in der Revolut-Rechnung die mögliche Renditelücke gegenüber einer Anlage in den MSCI Europe ETF aus: 696 Euro pro 10.000 Euro und Jahr. Das ist allerdings keine sichere Renditeprognose, sondern ein Vergleich mit einem risikobehafteten Wertpapierinvestment.
Drei Bremsen fürs Anlegen
Revolut identifiziert in Deutschland drei zentrale Hürden. 41 Prozent der Befragten schätzen ihre inflationsbereinigte Rendite falsch ein oder haben kein Bewusstsein für den Effekt der Inflation. 65 Prozent der Sparer haben nach eigenen Angaben noch nie die Bank gewechselt, um eine bessere Rendite zu erzielen. Dazu kommt finanzielle Fragmentierung: Die Hälfte der Befragten nutzt mehrere Finanz-Apps parallel. Für die Hälfte dieser Mehrfachnutzer erschwert genau das die Investitionsentscheidung. 30 Prozent fehlt der Überblick, wie viel sie investieren können; 22 Prozent empfinden Geldtransfers zwischen Plattformen als zu umständlich.
Revolut setzt auf kleine Beträge
Das Fintech verbindet die Diagnose mit einer klaren Produktstrategie. 41 Prozent der deutschen Befragten würden laut Umfrage mit dem Investieren beginnen, wenn kleine Beträge möglich wären. 29 Prozent wünschen sich transparentere Risikoinformationen, 17 Prozent Aufklärung direkt in der App. Revolut verweist zudem auf interne Kundendaten: Die durchschnittliche erste Investitionssumme eines Revolut-Kunden in der EU liege bei 406 Euro, der Median bei 18 Euro. Die Zahl aktiver Privatanleger auf Revolut sei im Jahresvergleich um 56 Prozent gestiegen.
Revoluts Studie
Revoluts Kernthese: Europa verfügt über enormes privates Kapital, mobilisiert es aber nur teilweise. Ein leichterer Zugang zu Investments, mehr Finanzbildung und weniger Hürden zwischen Sparen und Anlegen könnten aus Sicht des Unternehmens private Vermögen produktiver machen und Kapital für Europas Wirtschaft freisetzen. Die Zahlen sind jedoch entsprechend einzuordnen: Die Verbraucherbefragung führte Censuswide im Juli 2026 unter 1.000 Erwachsenen in Deutschland durch; die Berechnungen und Schlussfolgerungen stammen von Revolut.