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VW Mission Efficiency: Reichweite statt Akku-Wahnsinn

VW Mission Efficiency: Reichweite statt Akku-Wahnsinn
VW
Erschienen
Lesezeit3 Min · 622 Wörter

Volkswagen zeigt einen Stromer, der nicht mit einem Monster-Akku protzt, sondern mit radikaler Effizienz. Der Mission Efficiency fährt von Wolfsburg bis Wien, schluckt erstaunlich wenig Strom – und könnte zeigen, wo die E-Auto-Reise wirklich hingeht.

Größere Batterie, mehr Reichweite – so simpel funktioniert bislang ein großer Teil des Elektroauto-Wettrüstens. Volkswagen dreht den Spieß beim Mission Efficiency um: weniger Gewicht, weniger Luftwiderstand, weniger Verbrauch.

1.278 Kilometer: VW macht den Reality-Check

VW schickte den Prototypen auf eine offiziell dokumentierte Strecke von 1.278,36 Kilometern von Wolfsburg über Poznań und Olmütz nach Wien. Während der Fahrt wurde die 54,9-kWh-Batterie nur einmal geladen. Bei der Ankunft zeigte das Fahrzeug noch eine berechnete Restreichweite von 164 Kilometern an. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei 6,89 kWh pro 100 Kilometer ohne Ladeverluste. Einschließlich der Ladeverluste waren es 7,51 kWh. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 67,72 km/h, in der Spitze waren 138 km/h drin. Wichtig: Die Zahlen stammen nicht aus einem standardisierten WLTP-Test, sondern aus einer realen, von VW dokumentierten Versuchsfahrt.

Kleiner Akku, große Ansage

Motor und Batterie stammen im Wesentlichen aus dem ID. Polo. Volkswagen spricht deshalb von einem seriennahen Konzeptfahrzeug. An Bord arbeiten unter anderem ein 99 kW starker Elektromotor und eine 54,9-kWh-Hochvoltbatterie. Eine Reichweite von mehr als 640 Kilometern lässt sich daraus allerdings nicht einfach als Alltagswert ableiten. Für eine besonders günstige Idealfahrt bei konstant 68 km/h nennt VW einen Verbrauch von 6,48 kWh pro 100 Kilometer. Auf der Fahrt nach Wien waren es ohne Ladeverluste 6,89 kWh. Beeindruckend – aber eben keine offizielle WLTP-Reichweite.

Der wahre Gegner heißt Luft

Der eigentliche Star des Autos ist seine Form. Das Dach fällt hinter dem Fahrer stark ab und bildet eine sogenannte Kammback-Karosserie. Das Ergebnis: ein extrem niedriger Luftwiderstandsbeiwert von 0,158 bei einer Stirnfläche von 2,08 Quadratmetern. Volkswagen bezeichnet den cW-Wert als neuen Bestwert für straßenzugelassene Fahrzeuge. Ganz ohne Opfer geht das nicht. Der Mission Efficiency ist ein 2+2-Sitzer, hinten sollen Menschen bis etwa 1,60 Meter bequem Platz finden. Immerhin: Der Kofferraum fasst stattliche 481 Liter. VW hält das Konzept damit theoretisch sogar für familientauglich.

Selbst die Räder müssen sich kleinmachen

Auch rund um die Räder wird um jeden Luftwirbel gekämpft. Die vorderen Reifen sitzen besonders eng in ihren Ausschnitten, dazu kommen strömungsoptimierte Radabdeckungen und patentierte Felgendeflektoren. Gut für die Aerodynamik, möglicherweise weniger gut für den Federungskomfort. Zusätzlichen Stauraum versteckt VW unter den Rücksitzen und seitlich in der Karosserie. Bei den Außenspiegeln endet der Sparzwang dagegen: Volkswagen bleibt bei klassischen Spiegeln, weil Kameras im Serienkontext kaum größere aerodynamische Vorteile bringen, dafür aber mehr kosten würden.

Die Sonne fährt ein Stück mit

Solarzellen auf Dach und Kofferraumdeckel sollen unterwegs zusätzliche Kilometer spendieren. Das 370-Watt-Photovoltaiksystem kann die reale Reichweite abhängig von Jahreszeit, Region und Wetter um bis zu 30 Kilometer pro Tag erhöhen. Das ist allerdings der Maximalwert unter günstigen Bedingungen – keine tägliche Reichweitengarantie.

Infotainment? Bring dein eigenes mit

Innen geht der Minimalismus weiter. Leichte Sitze drücken das Gewicht, ein klassisches Infotainmentsystem und fest verbaute Lautsprecher fliegen komplett raus. Stattdessen gibt es einen tragbaren Bluetooth-Lautsprecher, während Smartphone oder Tablet Navigation und Entertainment übernehmen. Das erinnert an Slate Auto: Auch der US-Elektroautohersteller setzt auf eine radikal reduzierte Innenausstattung und die persönlichen Geräte der Fahrer.

Kommt die Sparmaschine wirklich?

Volkswagen nennt den Mission Efficiency seriennah, einen Produktionsstart gibt es bislang trotzdem nicht. Ganz abwegig wäre eine Kleinserie nicht: Schon 2013 brachte VW mit dem XL1 ein ähnlich kompromissloses Effizienzauto tatsächlich auf die Straße.

Der Mission Efficiency ist deshalb vor allem ein rollendes Labor mit einer ziemlich interessanten Botschaft. Vielleicht braucht das Elektroauto der Zukunft nicht noch mehr Batterie – sondern einfach weniger Auto, das gegen die Physik kämpfen muss.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.