Lidl schlägt Daimler: Erster fahrerloser Lkw fährt
Ein Lidl-Lkw fährt ohne Fahrer durch Nordhessen. Während Daimler und MAN zusehen, gilt der Discounter als Vorreiter der deutschen Nutzfahrzeug-Industrie.
Ein Lkw ohne Fahrerkabine rollt durch Edermünde bei Kassel, an Bord: kaum jemand. Nicht Daimler Truck, nicht MAN hat dieses Fahrzeug auf die Straße gebracht, sondern Lidl.
Der Discounter hat vom Kraftfahrt-Bundesamt die Genehmigung für den ersten fahrerlosen Elektro-Lkw im deutschen Alltagsbetrieb erhalten, wie Swr berichtet. Laut BILD handelt es sich um die erste Genehmigung dieser Art überhaupt in der Bundesrepublik, kein Fahrer, kein Sicherheitsmann, nicht einmal eine Fahrerkabine sind an Bord vorgesehen.
Ein rollender Container ersetzt Fahrerkabinen
Der E-Lkw gleicht laut Swr eher einem rollenden Container als einem klassischen Lastwagen: keine Kabine, keine Sitzplätze, keine Steuerung für Menschen. Auf der rund 400 Meter langen Teststrecke zwischen einem Lidl-Verteilzentrum und einer Filiale in Nordhessen transportiert das Fahrzeug bis zu 15 Europaletten, bis zu dreimal täglich. Technologiepartner ist das schwedische Start-up Einride. Das Kraftfahrtbundesamt schreibt vor, dass ein Begleitfahrzeug die Fahrten absichert, eine Auflage, die als Zeichen dafür gelesen werden kann, wie vorsichtig die Behörde trotz Genehmigung an das Pilotprojekt herangeht. Der Testlauf ist auf vier Monate angesetzt. Danach will Lidl laut Swr weitere Filialen anschließen und die Strecke ausweiten.
Die Schwarz-Gruppe bespreche laut T Online bereits weitere Einsätze mit Einride, der Test könnte demnach schon nach der ersten Phase deutlich wachsen. Thomas Dangelmayer, Leitung Operative Logistik bei Lidl Deutschland, erklärte laut T Online: „Intelligenz schafft Effizienz und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit.“ Das Projekt solle laut der Mitteilung die Kontinuität der Warenversorgung sichern und einen Fahrermangel abfedern, ein Argument, das Swr mit dem Verweis auf niedrigere Lieferkosten und weniger Personaleinsatz ergänzt.
Auch Einride selbst positioniert sich offensiv: Geschäftsführerin Roozbeh Charli erklärte laut T Online, das Unternehmen führe bereits autonome Lieferungen mit realen Mengen und nach realen Zeitplänen für Kunden in den USA und Europa durch. Deutschland gelte dabei als drittgrößte Volkswirtschaft und größter Straßentransportmarkt Europas als Schlüsselmarkt für die eigene Technologie. Die deutsche Genehmigung setze, so das Stockholmer Unternehmen, einen neuen Maßstab für die globalen Möglichkeiten autonomer Logistik, zumal Deutschland über einige der strengsten Straßenverkehrssicherheitsvorschriften weltweit verfüge.