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Exein mit 1,7 Milliarden Bewertung: Europa hat ein neues Cybersecurity-Unicorn

Die Exein Gründer: Giovanni Falcione, Gianni Cuozzo and Gerardo Gagliardo
© Exein Die Exein Gründer: Giovanni Falcione, Gianni Cuozzo and Gerardo Gagliardo
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Lesezeit3 Min · 619 Wörter

270 Mio. Dollar, 1,7 Milliarden Bewertung: Das Cybersecurity-Start-up Exein aus Rom sichert Roboter, Drohnen und Autos ab; mit der Deutschen Telekom als Investor.

Gianni Cuozzo hat sein Unternehmen 2018 in Rom gegründet, jetzt ist Exein 1,7 Mrd. Dollar wert. Die Series-C-Runde über 270 Mio. Dollar wurde von Headline angeführt, demnach war die Runde deutlich überzeichnet.

Mit an Bord sind Sofina, Goldman Sachs, die Europäische Investitionsbank über die European Tech Champions Initiative sowie der von KfW Capital beratene Wachstumsfonds Deutschland. Parallel wird die bestehende Kreditlinie unter Führung von J.P. Morgan aufgestockt, KfW steigt zusätzlich als Kreditgeberin ein. Exein sichert damit seinen Anspruch, Europas wertvollstes Cybersecurity-Scaleup zu sein.

Telekom setzt auf Firmware-Schutz

Unter den neuen Investoren fällt T.Capital auf, der Investmentarm der Deutschen Telekom. Das Unternehmen begründet sein Investment mit dem eigenen IoT-Geschäft: Mit Physical AI verlagerten sich geschäftskritische Anwendungen direkt auf die Geräte, sagt Christian Schwalbe, CEO von Deutsche Telekom IoT, demnach.

Genau dort setzt Exein an, nicht im Netzwerk oder in der Cloud, sondern in Firmware und Laufzeitumgebung. Exein betreibt zudem seit Längerem eine deutsche Niederlassung in Karlsruhe. Damit ist die Finanzierungsrunde nicht nur ein römisches, sondern auch ein handfestes DACH-Thema: Ein deutscher Telekommunikationskonzern und eine deutsche Förderbank stecken Kapital in die Absicherung italienischer Robotersicherheitstechnologie.

Physical AI zieht Milliarden an

Exein reiht sich in einen Trend ein, der gerade viel Kapital bindet. Neura Robotics aus Metzingen sammelte im Frühsommer bis zu 1,4 Mrd. Dollar ein, London-Start-up Humanoid kam auf 133 Mio. Euro bei 1,1 Mrd. Euro Bewertung und die Zürcher ETH-Ausgründung Gravis Robotics erhielt 200 Mio.

Dollar von SoftBank. Anders als diese Firmen baut Exein selbst keine Roboter, sondern deren Sicherheitsschicht. Clarey Zhu, Partnerin bei Headline, argumentiert demnach, der Schutz der physischen Welt werde zu einer der zentralen Cybersecurity-Aufgaben des kommenden Jahrzehnts. Exein selbst gibt an, seine Technologie laufe auf mehr als zwei Milliarden vernetzten Geräten, wöchentlich würden rund 5.000 neue Angriffsmuster registriert, fünfmal so viele wie vor einem Jahr.

Sicherheit hinkt der Technik hinterher

Die Wachstumszahlen klingen beeindruckend, doch die Frage bleibt, ob Sicherheitslösungen mit der Geschwindigkeit der Robotik mithalten. Laut Global Cybersecurity Outlook des World Economic Forum erwarten 26 Prozent der Befragten bereits für 2026 einen spürbaren Einfluss autonomer Systeme auf die Cybersicherheit, gerade weil adaptive Roboter durch kompromittierte Lernprozesse angreifbarer werden.

Das Robotics-Sicherheitsunternehmen Alias Robotics schätzt den Bereich als noch früh und lückenhaft ein: 73 Prozent der von ihm Befragten gaben an, bislang nicht ausreichend in Robotersicherheit investiert zu haben. Exeins Wachstum spricht für Nachfrage, nicht automatisch für ein gelöstes Problem.

Business Punk Check

Die Fakten sind eindeutig: 270 Mio. Dollar frisches Kapital, eine Bewertung, die sich laut Unternehmensangaben binnen zwei Jahren verdreißigfacht hat und ein Investorenkreis von Goldman Sachs bis zur Deutschen Telekom. Das zeigt, wie ernst institutionelles Geld die Absicherung physischer KI-Systeme mittlerweile nimmt.

Ob Exeins Technologie mit dem Tempo mithält, mit dem Roboter, Drohnen und autonome Fahrzeuge in den Alltag drängen, bleibt offen. Branchenanalysen wie die des World Economic Forum deuten darauf hin, dass die Sicherheitslücke eher wächst als schrumpft. Wer hier investiert, wettet auf ein Problem, das größer wird, bevor es kleiner wird.

Auf einen Blick

  • Exein hat eine Series-C-Runde über 270 Mio. Dollar abgeschlossen und wird mit 1,7 Mrd. Dollar bewertet.
  • Die Deutsche Telekom investiert über ihren Arm T.Capital, zusätzlich ist KfW Capital beteiligt, Exein betreibt eine Niederlassung in Karlsruhe.
  • Exein sichert Firmware und Laufzeitumgebung von Robotern, Drohnen und autonomen Fahrzeugen ab und reiht sich in einen breiteren Physical-AI-Investmenttrend neben Neura Robotics, Humanoid und Gravis Robotics ein.
  • Laut World Economic Forum und Alias Robotics bleibt die Absicherung autonomer Systeme ein junges, lückenhaftes Feld.

Quellen: Trendingtopics, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.