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AI, WAS GEHT?

AI, WAS GEHT?
Hendrik Gergen
Erschienen
Lesezeit2 Min · 372 Wörter

KI ist unschlagbar, wenn es um Tempo und Skalierung geht. KI mit der Gießkanne ist trotzdem keine gute Idee.

Eine Gast-Kolumne von Kenza Ait Si Abbou

Ich erinnere mich noch gut an einen Workshop bei einem Medienunternehmen, in dem es darum ging, die Potenziale für KI-Nutzung entlang der User Journey zu identifizieren. Vertrieb und Marketing wollten mehr Nutzerdaten sammeln, um Leser:innen gezielter anzusprechen. Mit Künstlicher Intelligenz ließe sich aus jedem Klick ein Profil bauen, so die Hoffnung. Auf dem Papier ein Quick Win. Die Redaktion war skeptisch. Ich ebenfalls. Nicht aus Technikangst, sondern aus einem über Jahre erarbeiteten Gespür: Vertrauen ist bei so einer Marke die eigentliche Währung, und jede zusätzliche Datenspur kostet etwas davon. Es lässt sich nicht so leicht zurückkaufen, wie man es sammelt. Hier zeigt sich, was „AI-Match“ konkret bedeutet. KI ist unschlagbar in klar umrissenen Dingen: Muster in riesigen Datenmengen erkennen, skalieren, nie müde werden. Was sie nicht kann: einschätzen, wann eine technisch mögliche Maßnahme dem Vertrauen einer Marke schadet, oder Verantwortung übernehmen, wenn es schiefgeht. Genau das ist die Aufgabe der Fachexpert:innen.

Druck schafft Probleme

Das Problem ist selten, dass diese Expertise fehlt. Das Problem ist der Druck, unter dem das Top-Management oftmals steht: Quartalsziele, Wettbewerb, der Wunsch, schnell zu liefern. Da wirkt eine Beratungsfolie mit klaren Zahlen erstmal überzeugender als der nuancierte Einwand der eigenen Fachleute; verständlich, aber genau daraus entsteht das Gießkannenprinzip: KI wird überall ein bisschen eingesetzt, weil es auf der Roadmap gut aussieht. Und das ist für mich das eigentliche „Match“ dieser Ausgabe: KI liefert Tempo und Skalierung, Fachexpert:innen entscheiden, wo das überhaupt sinnvoll ist. Die eigentliche Führungsleistung liegt darin, den strategischen Überblick zu behalten und den Raum zu schaffen, damit Fachexpert:innen richtig urteilen können. Ich sitze oft in solchen Räumen und erlebe immer wieder, dass erfolgreiche KI-Einführungen vor allem eines gemeinsam haben: Fokus. Das Gegenteil der Gießkanne.

Bild: Kenza Ait Si Abbou Sie ist nicht nur Ingenieurin und Unternehmerin – sie ist eine der wichtigsten Stimmen für eine menschenorientierte Künstliche Intelligenz in Deutschland. Die frühere IT- Vorständin leitet heute mit Scailers ihre eigene KI-Beratung

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