Trumps Diesel-Deal mit Putin: Wer hier wirklich kassiert
Trump lockert Treibstoffsanktionen gegen Russland für Friedensgespräche, doch Moskau bombardiert weiter Energieanlagen und kassiert Milliarden.
Vier Republikaner und drei Demokraten im US-Senat fordern Donald Trump in einer gemeinsamen Erklärung auf, sein Diesel-Abkommen mit Russland sofort zurückzunehmen. Der Vorwurf: Die Lockerung der Treibstoffsanktionen verstoße gegen ein Gesetz aus dem Jahr 2022, das Importe russischer Energie verbietet, solange Moskau seine Aggression gegen die Ukraine fortsetzt.
Trump verteidigte den Deal am Montag in Washington und sagte, die Vereinbarung werde amerikanischen Landwirten helfen und die Kraftstoffpreise senken, wie Handelsblatt berichtet. US-Regierungskreisen zufolge soll das Geschäft Moskau eigentlich für Friedensgespräche öffnen. Die US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff hatten ukrainischen Vertretern bereits am Freitag in Miami mitgeteilt, das Abkommen solle die russische Haltung aufweichen und Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zurückholen, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.
Wer wirklich profitiert
Russische Ölfirmen dürften durch die ausgesetzten Sanktionen rund 4,5 Mrd. Dollar einnehmen. Das zeigen Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air, über die das es wird berichtet und die WirtschaftsWoche zitiert. Dieses Geld dürfte direkt in die russische Kriegskasse fließen: Moskau plant, seine Verteidigungsausgaben 2027 um 27 Prozent auf mehr als 202 Mrd. Dollar zu erhöhen.
Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak kündigte laut Handelsblatt im russischen Staatsfernsehen an, Russland könne seine Diesel-Exporte auf das Vorkrisenniveau von mehr als drei Millionen Tonnen pro Monat steigern, da ukrainische Angriffe auf Raffinerien und selbst auferlegte Exportbeschränkungen die Lieferungen zuletzt einbrechen ließen. Der angebliche Effekt für amerikanische Verbraucher bleibt dagegen überschaubar: Die ersten angekündigten 300.000 Tonnen entsprechen laut WirtschaftsWoche einer Menge, die die USA binnen 13,5 Stunden verbrauchen. Selbst die gesamte angekündigte Liefermenge, einschließlich optionaler weiterer Tranchen, würde den amerikanischen Markt nur rund neun Tage versorgen. Der Großteil der russischen Lieferungen dürfte ohnehin nach China und Indien gehen, nicht in die USA.
Ukraine zahlt den Preis
Während Trump den Deal als Weg zu Friedensgesprächen verkauft, greift Russland laut Kiew weiter Energieanlagen an. Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete von russischen Kamikaze-Drohnen über der Ukraine, kurz nachdem Trump eine Waffenruhe für Energieanlagen verkündet hatte, der Selenskyj und Putin angeblich zugestimmt haben sollen.
Innenpolitischer Druck wächst
Der Zeitpunkt des Deals fällt mit wachsender Unzufriedenheit in den USA zusammen. 74 Prozent der Amerikaner sorgen sich laut einer Umfrage des Pew Research Centers inzwischen um Benzin- und Energiekosten, im Januar waren es noch 43 Prozent. Selbst 64 Prozent der Republikaner geben Trump laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos zumindest eine Mitschuld an gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Midterms am 3. November setzen Trump zusätzlich unter Zeitdruck.
Business Punk Check
Der Konflikt ist eindeutig belegt: Trump hebt Sanktionen auf, die gegen geltendes US-Recht verstoßen, während Russland laut Kiew weiter Energieinfrastruktur bombardiert und gleichzeitig Milliarden aus dem Deal einstreicht. Die parteiübergreifende Senatorenkritik zeigt, dass dies kein reines Oppositionsnarrativ ist.
Offen bleibt, ob der Deal tatsächlich zu Friedensgesprächen führt oder lediglich Putins Verhandlungsposition stärkt, während Kiew um Waffenlieferungen bangen muss. Die versprochene Entlastung für amerikanische Verbraucher an der Zapfsäule dürfte angesichts der Liefermengen gering ausfallen.
Auf einen Blick
- Trump hat Treibstoffsanktionen gegen Russland gelockert, um Moskau zu Friedensgesprächen zu bewegen.
- Russische Ölfirmen dürften dadurch laut Berechnungen rund 4,5 Mrd. Dollar einnehmen, während Russland laut Kiew weiter Energieanlagen angreift.
- Sieben US-Senatoren aus beiden Parteien fordern die Rücknahme des Deals wegen eines möglichen Gesetzesverstoßes.
- Washington erwägt demnach, Geheimdienstaustausch und Waffenlieferungen über den PURL-Mechanismus an Bedingungen zu knüpfen.
Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, KI-unterstützt