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Sam Altman: Drei Monate Start-up-Arbeit schrumpfen auf 17 Minuten

Sam Altman zeigt sich überzeugt von Codex.
Shutterstock Sam Altman zeigt sich überzeugt von Codex.
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Lesezeit3 Min · 678 Wörter

OpenAI-Chef Sam Altman sagt, Codex erledige Arbeit, für die Start-ups früher drei Monate brauchten, jetzt in rund 17 Minuten. Was das für Gründende wirklich bedeutet.

Sam Altman stand mit US-Handelsminister Howard Lutnick auf einer Bühne in Chapel Hill, North Carolina, als er den Satz fallen ließ, der seither zitiert wird: Die Arbeit, die man einem Start-up früher in drei Monaten zutraute, sei mit Codex inzwischen „wahrscheinlich in etwa 17 Minuten“ erledigt, wie die Nachrichtenagentur IANS berichtet und Trending Topics aufgreift. Die Welt, so Altman, habe noch nicht begriffen, was das bedeutet.

Der frühere Y-Combinator-Chef erwartet den größten Gründungsboom der Geschichte, weil KI Kapital, Fachpersonal und technisches Wissen zunehmend ersetzt. Die Hürde, aus einer Idee ein getestetes Produkt zu machen, sei heute größtenteils mit KI zu überwinden, argumentierte er. Die Aussage klingt nach Zukunftsmusik, sie ist aber auch ein Verkaufsargument für ein Produkt, an dem OpenAI direkt verdient.

Ein Waschsalon als Beweisstück

Als frühes Beispiel nennt Altman einen Waschsalonbetreiber, der kurz nach dem ChatGPT-Start Marketing, Vertragsfragen und Lieferantenkommunikation mit KI organisierte. „Er war wirklich der erste Mensch, den ich getroffen habe, der herausgefunden hatte, wie man mit KI effektiv ein Unternehmen führt“, sagte Altman demnach. Seit 2025 hätten Coding-Agenten und KI-Werkzeuge für Büroarbeit diesen Trend massiv beschleunigt.

Gegenüber G20-Vertreter:innen betonte Altman zudem, Regulierung und Rechenzentren könnten je nach Land unterschiedlich aussehen, KI selbst müsse aber jede Volkswirtschaft übernehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Schon im Sommer, bei der Start-up School von Y Combinator, hatte er die pessimistische Lesart zurückgewiesen, ein einzelner Codex-Prompt mache das Gründen überflüssig. Gründende sollten die gesparte Zeit stattdessen für ehrgeizigere Projekte nutzen und größer denken, als es frühere Ressourcenknappheit erlaubte.

Codex verkauft sich selbst

Dass ausgerechnet Altman für Tempo wirbt, hat einen offensichtlichen Grund: Codex ist OpenAIs eigener Coding-Agent und konkurriert direkt mit Anthropics Claude Code, mit Cursor, das Elon Musks SpaceXAI gerade übernimmt, sowie mit App-Baukästen wie Lovable und Replit. Im Geschäft mit Firmenkund:innen liefern sich OpenAI und Anthropic demnach einen Preiskampf, in dem Coding-Agenten eine zentrale Rolle spielen.

Jede öffentliche Erfolgsgeschichte über Codex wirkt in diesem Umfeld auch als Argument im Wettbewerb um zahlende Firmenkund:innen. Schnellere Software-Entstehung bedeutet aber nicht automatisch schnelleren Geschäftserfolg: Kundengewinnung, Vertrieb, Finanzierung und Regulierung lassen sich nicht an einen Agenten delegieren, so sehr Altmans Rechnung das nahelegt.

Eine Studie widerspricht

Eine vielbeachtete Untersuchung der Forschungsorganisation METR aus dem Jahr 2025 fand demnach das Gegenteil der Altman-Erzählung: Erfahrene Entwickler:innen, die mit KI-Werkzeugen in vertrauten Codebasen arbeiteten, waren im Schnitt 19 Prozent langsamer, obwohl sie sich selbst für schneller hielten.

Die Selbsteinschätzung und die gemessene Realität klafften also deutlich auseinander. Auch Altman selbst hatte Anfang des Jahres eingeräumt, Codex habe ihn beim Bau einer eigenen App mit besseren Funktionsideen überrascht, er habe sich dabei „ein bisschen nutzlos“ gefühlt. Die 17-Minuten-Zahl bleibt damit eine griffige Anekdote, kein belegter Durchschnittswert aus systematischer Messung.

Business Punk Check

Altmans 17-Minuten-Satz ist eine Bühnenpointe, keine Messgröße. Er stammt von einem Mann, dessen Unternehmen genau das Produkt verkauft, das er bewirbt, während OpenAI und Anthropic um dieselben Firmenkund:innen kämpfen.

Die METR-Studie liefert den nötigen Gegenpol: Im Alltag erfahrener Entwickler:innen bremst KI mitunter sogar, statt zu beschleunigen. Es bleibt die eigentliche Frage offen, ob gesparte Codierzeit auch gesparte Zeit bei Kundengewinnung, Finanzierung und Regulierung bedeutet. Darauf gibt Altman keine Antwort, nur ein Versprechen und die Aussicht auf einen Gründungsboom, den er selbst mit vorantreiben möchte.

Auf einen Blick

  • Sam Altman erklärte bei einem Bühnengespräch mit Howard Lutnick, Codex erledige Start-up-Arbeit von drei Monaten in rund 17 Minuten.
  • Altman nannte einen Waschsalonbetreiber als frühes Beispiel für effektive KI-Nutzung im eigenen Geschäft.
  • Codex konkurriert direkt mit Anthropics Claude Code, Cursor sowie App-Baukästen wie Lovable und Replit.
  • Eine METR-Studie aus dem Jahr 2025 fand, dass erfahrene Entwickler:innen mit KI-Tools im Schnitt 19 Prozent langsamer waren.

Quellen: Trendingtopics, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.