Bending Spoons Aktie plus 41-Prozent: Berkshires 930-Millionen-Wette auf Übernahmen
Berkshire Hathaway stockt bei Bending Spoons auf 930 Mio. Dollar auf. Nur: Nicht Warren Buffett, sondern CEO Greg Abel verantwortet den Deal und das Geschäftsmodell lebt von Entlassungen
Zehn Millionen neue Aktien zu je 33 Dollar, macht 330 Mio. Dollar frisches Kapital: So knapp beschreibt eine Mitteilung von Bending Spoons vom 14. Oktober 2026 die jüngste Finanzspritze von Berkshire Hathaway. Zusammen mit den 600 Mio. Dollar, die der Mischkonzern bereits beim Börsengang im Juli investierte, kommt Berkshire damit auf ein Investment von 930 Mio. Dollar und hält laut Unternehmensangaben vier Prozent an dem italienischen Tech-Konzern. Die Aktie reagierte prompt: Laut CNBC schoss der Kurs von Bending Spoons am Tag der Bekanntgabe um 41 Prozent nach oben.
Die Schlagzeile schreibt sich fast von selbst: Warren Buffett investiert in eine App-Schmiede. Nur stimmt sie so nicht ganz. Seit dem 1. Januar 2026 führt Greg Abel als CEO die Geschäfte von Berkshire Hathaway, Buffett ist noch Verwaltungsratsvorsitzender. Die Zusatzinvestition im Oktober fiel damit in Abels Amtszeit. Ob Buffett die Position persönlich ausgewählt hat, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Was öffentlich dokumentiert ist, bleibt die Unternehmenssicht von Bending Spoons selbst: Finanzchef Francesco Patarnello erklärte laut der SEC-Mitteilung, die Investition stärke die finanzielle Flexibilität und die Fähigkeit, attraktive Übernahmen zu verfolgen. Eine eigenständige, ausführliche Begründung von Berkshire, warum die Beteiligung für attraktiv gehalten wird, liegt nicht vor.
Ein Konzern kauft, was wächst
Bending Spoons ist kein App-Entwickler im klassischen Sinn, sondern ein serieller Käufer. Das Unternehmen übernimmt etablierte digitale Marken, baut sie um und reinvestiert die daraus entstehenden Gewinne in weitere Zukäufe. Zum Portfolio zählen inzwischen Namen wie Evernote, Vimeo, AOL, Airtable, Eventbrite und WeTransfer. Laut dem SEC-Prospekt des Unternehmens kam die Plattform im März 2026 auf mehr als 500 Millionen monatlich aktive Nutzer und über neun Millionen zahlende Kunden. Der Umsatz wuchs rasant: von 387 Mio. Dollar im Jahr 2023 über 671 Mio. Dollar 2024 auf 1,31 Mrd. Dollar im Jahr 2025.
Wachstum dieser Größenordnung braucht Kapital und das holt sich Bending Spoons nicht zum ersten Mal am Markt. Laut Sacra sammelte das Unternehmen 2025 bereits 710 Mio. Dollar in einer Eigenkapitalrunde ein, flankiert von einem Fremdkapitalpaket über 2,8 Mrd. Dollar. Von den 710 Mio. Dollar flossen nur 270 Mio. Dollar als frisches Kapital ins Unternehmen, die restlichen 440 Mio. Dollar gingen als Sekundärkapital an verkaufende Altaktionäre. Beim Börsengang im Juli kamen nach SEC-Angaben insgesamt 953,9 Mio. Dollar beim Unternehmen an, aus dem Verkauf von gut 34 Millionen eigenen Aktien zu je 29 Dollar. Die neue Berkshire-Tranche von 330 Mio. Dollar entspricht damit rechnerisch rund 35 Prozent jenes IPO-Erlöses; ein Hinweis auf die Größenordnung, keine Bewertung der Firma.
Wachstum mit Kündigungswelle
Was in der Jubelmeldung fehlt: Bending Spoons’ Übernahmemodell hat eine Kehrseite. TechCrunch berichtete bereits 2024 über die Blaupause des Umbaus: Nach der Übernahme von Meetup kündigte Firmenchef Luca Ferrari Stellenstreichungen an, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Beim Zukauf von IAC-Marken wie Robokiller und iTranslate entließ Bending Spoons laut TechCrunch alle 330 Mitarbeitenden von Mosaic. Bei Evernote strich das Unternehmen 129 Stellen und beschränkte den kostenlosen Plan auf 50 Notizen, um die Monetarisierung zu verbessern.
Auch nach den Übernahmen von Eventbrite und Vimeo berichteten Medien von größeren Personalkürzungen und tiefgreifenden Produktänderungen. Umsatzwachstum und Nutzerzahlen sagen damit wenig darüber aus, wie es den übernommenen Teams und Produkten ergeht. Für Berkshire Hathaway bleibt die Beteiligung von vier Prozent überschaubar, gemessen an der Bilanzsumme des Konzerns. Für Bending Spoons ist sie ein Signal: Wer das Vertrauen des bekanntesten Value-Investors der Welt vorweisen kann, finanziert die nächste Übernahmerunde leichter.
Business Punk Check
Die Rechnung ist einfach und wird trotzdem oft falsch gemacht: Berkshire Hathaway hat 930 Mio. Dollar in Bending Spoons investiert, nicht Warren Buffett persönlich. Seit Januar 2026 führt Greg Abel den Konzern, Buffett sitzt nur noch im Verwaltungsrat. Diese Verwechslung ist mehr als Pedanterie, denn sie verschiebt die eigentliche Geschichte: eine Wette auf ein Geschäftsmodell, das durch Zukäufe und Restrukturierungen wächst, nicht auf die Intuition eines einzelnen Investoren-Mythos. Bleibt die Frage, wie belastbar dieses Modell ist.
Bending Spoons wächst beeindruckend, finanziert sein Wachstum aber zunehmend fremd und über wiederkehrende Kapitalspritzen, während Entlassungen und Preiserhöhungen bei übernommenen Marken wie Evernote oder Eventbrite zum festen Muster gehören. Ein Kursplus von 41 Prozent an einem einzigen Handelstag zeigt vor allem, wie stark der Name Berkshire noch immer wirkt, unabhängig davon, wer am Hauptsitz in Omaha gerade die Unterschrift leistet.
Quellen: Sec, TechCrunch, CNBC, Sacra, KI-unterstützt