Boden, los!
Gold muss man nicht mehr aus der Erde holen, auch digital hat es seinen Wert. Findet eine, die es wissen muss. Business Punk-Interview mit Guya Merkle, Gründerin von Vieri Fine Jewellery.
Das Interview führte Sinah Hoffmann
Gold ist wertvoll, knapp und begehrt – aber sein Abbau hat einen Preis. Guya Merkle, Schmuckdesignerin und Gründerin von Vieri Fine Jewellery, will deshalb nicht nur die Lieferketten transparenter machen, sondern die Logik dahinter neu denken. Wie sie uns im Gespräch erzählt …
BUSINESS PUNK: Die Goldbranche soll mit zahlreichen Zertifizierungen einen verantwortungsvollen Abbau belegen?
Guya Merkle: Natürlich gibt es Herkunftsnachweise und recyceltes Gold. Aber garantieren kann das letztlich niemand. Denn sobald es eingeschmolzen wird, gibt es kein Vorher mehr. Es braucht nicht viele Manipulationen, um illegales Gold in die offizielle Lieferkette zu bringen. Es reicht oft ein einziger Punkt, an dem nicht genau hingeschaut wird. Oder werden will.

Business Punk: Was wäre die Lösung? Gold boykottieren?
Guya Merkle: Nein. Gold findet immer seinen Weg. Der größte Hebel liegt nicht bei den einzelnen Konsument:innen, sondern in der Wirtschaft und der Politik. Wir müssen Folgekosten unseres Handelns mitdenken. Gleichzeitig brauchen wir neue wirtschaftliche Modelle, die Wertschöpfung auch in den Herkunftsländern schaffen, statt dort nur Rohstoffe abzubauen. Und wir sollten mutiger darin sein, neue digitale Lösungen auszuprobieren.
Business Punk: Welche wären das?
Guya Merkle: Ein großer Teil des Goldes landet nicht am Ringfinger, sondern als Wertspeicher im Tresor. Da stellt sich doch die Frage: Warum müssen wir es überhaupt aus der Erde holen? Man könnte zum Beispiel mithilfe der Blockchain die Goldvorkommen selbst tokenisieren. Also nicht das Gold, das bereits gefördert wurde, sondern das Gold, das noch im Boden liegt. Man kann heute Gebiete vermessen und ziemlich genau bestimmen, wie viel dort vorhanden ist. Der Wert würde dann digital abgebildet und handelbar gemacht werden. Genau an einem solchen Konzept arbeite ich bereits.

Business Punk: Physisches Gold kann ich im Krisenfall in die Hand nehmen. Ein Token ist nur Datensatz.
Guya Merkle: Das Konzept soll Gold nicht ersetzen, sondern eine neue Form schaffen, den Wert einer knappen Ressource abzubilden, ohne sie auszubeuten. Und natürlich würde so ein Modell nur funktionieren, wenn es verlässliche Eigentumsrechte, unabhängige Vermessungen, internationale Standards und einen wirksamen Schutz der Lagerstätten gibt. Aber mal ehrlich: Es gab auch unzählige Argumente dagegen, auf den Mond zu fliegen. Wir haben es trotzdem gemacht.
Diesen Artikel und weitere spannende Themen gibt’s in unserem aktuellen Heft „It’s a match“ 3/2026 unter https://www.business-punk.com/ausgabe/
