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Bechtolsheim: Wie eine einzige Aktie 9,5 Milliarden Euro brachte

Bechtolsheim: Wie eine einzige Aktie 9,5 Milliarden Euro brachte
picture alliance / dpa | Bettina Grachtrup Der deutsche Unternehmer Andreas von Bechtolsheim spricht am 20.05.2015 bei einem Vortrag in Palo Alto. Foto: Bettina Grachtrup (zu dpa-KORR: "Von Bayern ins Silicon Valley: der Unternehmer Andy von Bechtolsheim" vom 02.06.2015) ++
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Lesezeit4 Min · 791 Wörter

Ein Bayer, ein Scheck über 100.000 Dollar, ein Netzwerk-Ausrüster: Andreas von Bechtolsheim ist laut manager magazin binnen eines Jahres um 9,5 Milliarden Euro reicher geworden. Fast alles steckt in einer einzigen Aktie. Der Haken liegt genau darin.

Platz sechs unter den 500 reichsten Deutschen. Und doch fällt der Name Andy Bechtolsheim außerhalb der Tech-Szene selten. 27,7 Milliarden Euro schwer ist sein Vermögen laut Liste, ein Jahr zuvor waren es 18,2 Milliarden. Der Treiber dahinter ist ein Papier mit dem Kürzel ANET.

Die Zahl, die die Liste sprengt

Das Plus von 9,5 Milliarden Euro stammt aus der Reichenliste des manager magazin, über die Berliner Zeitung am 7. Oktober 2026 berichtet hat. Bewertet wurde zu den Schlusskursen vom 15. September 2026, alle Werte sind Schätzungen. Der Zuwachs speist sich nach Darstellung von drweb fast vollständig aus seinem Anteil am Netzwerkspezialisten Arista Networks. Dessen Aktie lag laut Berliner Zeitung Mitte September rund 52 Prozent über dem Jahresanfang, Anfang Oktober folgte ein Rekordhoch. Heißt: Der Stand dürfte inzwischen höher liegen.

Vom Ammersee ins Valley

Geboren wurde er 1955 in Hängeberg am Ammersee (Wikipedia). 1974 gewann er „Jugend forscht“ im Fach Physik, mit einer Arbeit zur Strömungsmessung per Ultraschall. 1975 ging er mit einem Stipendium in die USA, weil ihm Computerausstattung und -industrie in Deutschland zu rückständig erschienen, so Computerwoche. Es folgten Master und Promotionsstudium in Stanford, dort entwickelte er einen vernetzbaren Arbeitsplatzrechner. 1982 gründete er Sun Microsystems mit, als Chef-Hardwaredesigner.

Auffällig ist sein Verhältnis zum Geld. 2009 sagte er laut Computerwoche: „Ich mache das nicht, weil ich Geld nötig hätte.“ Reichtum sei für ihn nur eine Zahl auf dem Bankkonto.

100.000 Dollar auf einer Veranda

September 1998: Bechtolsheim und sein Stanford-Kollege David Cheriton steckten jeweils 100.000 US-Dollar in ein Start-up, das noch keine Firma war. Die Gründer hießen Sergey Brin und Larry Page, das Start-up Google. Zusammen waren das 200.000 Dollar für die beiden Studenten. Wie viel dieser Frühscheck heute wert wäre, belegt keine der geprüften Quellen. Genau deshalb steht hier keine Zahl.

Zweimal Netzwerk mit demselben ein Muster

Der eigentliche Hebel ist ein Muster. 1995 gründete er Granite Systems, ein Start-up für Gigabit-Ethernet-Switches. Cisco kaufte es 1996 für 220 Millionen US-Dollar, Bechtolsheim hielt 60 Prozent laut Wikipedia. 2005 startete er mit Cheriton erneut, damals noch als Arastra, später Arista Networks. Gleiche Branche, gleicher Engpass, rund zehn Jahre später.

Die Zahlen von Arista geben ihm recht. Im Geschäftsjahr 2025 setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben 9,006 Milliarden US-Dollar um, ein Plus von 28,6 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 waren es 3,036 Milliarden Dollar, 37,7 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie stieg von 0,73 auf 1,02 Dollar laut Quartalsberichen von Arista Networks. Als Haupttreiber nennt Kavout den KI-Boom: Rechenzentren brauchen Rechenleistung, aber eben auch Leitungen, die sie füttern.

Ein Papier als Klumpen(risiko)

Laut drweb hält Bechtolsheim nach Arista-Angaben vom 16. April 2026 rund 183,8 Millionen Aktien, 14,6 Prozent des Unternehmens, nahezu alle über den Bechtolsheim Family Trust. Das ist die Kehrseite der Erfolgsgeschichte. Wer fast sein gesamtes Vermögen in einem Titel hält, wird mit diesem Titel reicher. Und ärmer. Die 9,5 Milliarden sind Buchwerte.

Verkauft wird dennoch, aber kleinteilig. Am 17. September 2026 gab der Trust 300.000 Aktien ab und behielt 180,5 Millionen. Das sind rund 0,16 Prozent des Pakets.

Der Fleck auf der Weste

Ein Kapitel gehört zur ganzen Geschichte. Die US-Börsenaufsicht SEC warf ihm im März 2024 Insiderhandel vor. Er soll am 8. Juli 2019 über eine Geschäftsbeziehung von der bevorstehenden Cisco-Übernahme von Acacia Communications erfahren und noch am selben Tag Acacia-Optionen über Konten eines nahen Verwandten und eines Bekannten gehandelt haben. Die Konten erzielten laut SEC Gewinne von 415.726 Dollar. Im Mai 2024 schloss Bechtolsheim einen Vergleich, ohne die Vorwürfe einzuräumen oder zu bestreiten. Er zahlte 923.740 Dollar Strafe und darf fünf Jahre lang kein Officer oder Director eines börsennotierten Unternehmens sein (SEC).

Business Punk Check

Bechtolsheim ist kein Glückspilz mit einem Lottoschein, sondern ein Serienbauer mit Mustererkennung: Er erkennt den Engpass einer Technologiewelle und baut das Unternehmen, das ihn löst. Dass daraus 9,5 Milliarden Euro in einem Jahr werden, ist Timing. Dass daraus überhaupt etwas wird, ist Muster.

Auf einen Blick

  • Andy Bechtolsheim hat laut der Reichenliste des manager magazin ein Vermögen von 27,7 Milliarden Euro, 9,5 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor, und belegt Platz sechs unter den 500 reichsten Deutschen.
  • Der Zuwachs stammt nach Darstellung von drweb fast vollständig aus seinem Anteil an Arista Networks, den die Liste zum Kurs vom 15. September 2026 schätzt.
  • Arista erzielte 2025 einen Umsatz von 9,006 Milliarden US-Dollar und im zweiten Quartal 2026 3,036 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 37,7 Prozent zum Vorjahr.
  • Im Mai 2024 einigte sich Bechtolsheim mit der SEC in einem Insiderhandelsverfahren auf 923.740 US-Dollar Strafe und ein fünfjähriges Verbot für Officer- und Director-Posten bei börsennotierten Unternehmen.

Quellen: Berliner Zeitung, drweb, Arista Networks, SEC,Computerwoche,

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelt er mit seinem Team maßgeschneiderte Content-as-a-Serive-Lösungen und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.