work wise

Pentagon gründet Geheimbehörde für Tech-Sabotage

Pentagon Geheim-Unit für Tech
BP | KI-generiert mit ChatGPT Pentagon Geheim-Unit für Tech (Symbolbild)
Erschienen
Lesezeit3 Min · 650 Wörter

Das US-Verteidigungsministerium hat laut Politico eine verdeckte Behörde für Tech-Sabotage aufgebaut. Washington setzt damit selbst auf hybride Kriegsführung, bislang vor allem Moskau zugeschrieben.

Grant Hundley, früherer Spezialeinheiten-Offizier des US Marine Corps, leitet seit April eine Behörde, die auf der Website des Pentagons praktisch nicht existiert. Das Technology Support Office, kurz TSO, wurde demnach unter Berufung auf Politico per Memo von Vize-Verteidigungsminister Steve Feinberg gegründet, mit Rückendeckung von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Recherche stützt sich auf interne Memos und Gespräche mit zwölf aktuellen und ehemaligen Sicherheitsbehörden-Vertreter:innen.

Ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienstvertreter schätzt allein die geheimen Aufträge auf mehr als 1,5 Mrd. Konkrete Zielstaaten nennt der Bericht nicht, das offizielle Budget bleibt unbekannt. Damit entsteht eine dauerhafte Struktur für ein Feld, das bislang improvisiert wirkte.

Stuxnet als Vorbild

Die Idee hinter dem TSO ist nicht neu. Der Computerwurm Stuxnet, der um 2010 iranische Uran-Zentrifugen beschädigte, gilt als gemeinsame Operation der USA und Israels. 2024 explodierten im Libanon Tausende Pager der Hisbollah, nachdem sie über eine manipulierte Lieferkette in Umlauf gekommen waren.

Neu ist demnach, dass solche Operationen gegen Technologieprogramme nun eine eigene Behörde mit eigenem Budget und eigenen Beschaffungsbefugnissen erhalten. Das TSO führt verdeckte Operationen demnach nicht selbst durch, sondern entwickelt Werkzeuge und Strategien dafür. Ziel sei es, Zeit zu gewinnen oder Gegner an der Entwicklung gefährlicher Technologien zu hindern. Damit verschiebt sich hybride Kriegsführung von der Ad-hoc-Aktion zur institutionalisierten Routine.

Kritik und Interessenkonflikte

Nur ein sehr kleiner Kreis von Kongressmitarbeiter:innen wurde informiert, berichtet Trending Topics. Kritiker:innen befürchten, die Geheimhaltung erschwere Kontrolle und verschleiere möglichen Missbrauch, etwa Schäden für Zivilist:innen oder Spannungen mit Staaten wie China, mit denen sich die USA nicht im Krieg befinden.

Hinzu kommen Fragen nach Interessenkonflikten: Feinbergs Firmen investierten vor seinem Amtsantritt stark in Rüstungstech-Unternehmen, die um Pentagon-Aufträge konkurrieren. Auch intern gibt es Reibungen, weil Special Operations Command und Cyber Command fürchten, das TSO grabe ihnen Budget ab. Das Pentagon weist die Darstellung zurück. Sprecher Jacob Bliss erklärte demnach, die Anfrage beruhe offenbar auf unzutreffenden Informationen, die Vorwürfe zu Interessenkonflikten seien unbegründet.

KI-Wettlauf treibt Aufrüstung

Hinter dem TSO steht der Wettlauf um künstliche Intelligenz und fortschrittliche kommerzielle Technologien, die das Pentagon zunehmend als Bedrohung seines militärischen Vorsprungs begreift. Erst kürzlich verbannten die USA das chinesische KI-Modell DeepSeek aus Bundesbehörden.

Parallel häufen sich in Europa Hybrid-Angriffe, die westliche Regierungen Russland zuschreiben, von Brandanschlägen bis zu Drohnen über Flughäfen. Polen hat die NATO bereits vor tödlichen Attacken gewarnt. Teile der US-Geheimdienst-Community begrüßen die neue Behörde ausdrücklich, weil sich die Führung stärker auf solche Operationen konzentrieren müsse, um im Technologiewettlauf nicht zurückzufallen.

Business Punk Check

Die Fakten sind eindeutig: Eine kaum sichtbare Pentagon-Behörde entwickelt Werkzeuge für Sabotage gegen fremde Technologieprogramme, finanziert mit geschätzt über 1,5 Mrd. Dollar, kontrolliert von einem winzigen Kongresszirkel. Das ist die Verschiebung einer Methode, die bislang als Moskaus Spezialität galt, ins amerikanische Regelwerk.

Offen bleibt, ob eine Demokratie dauerhaft glaubwürdig gegen Grauzonen-Kriegsführung protestieren kann, während sie selbst eine Behörde dafür aufbaut. Die Interessenkonflikte um Feinberg sind ungeklärt, die Kontrolle durch den Kongress minimal. Wer TSO verteidigt, muss erklären, warum Geheimhaltung hier Sicherheit schafft und nicht nur Verantwortung verschiebt.

Auf einen Blick

  • Das Pentagon hat im April eine verdeckte Behörde namens Technology Support Office gegründet, die von Grant Hundley geleitet wird.
  • Geheime Aufträge des TSO werden laut einem ehemaligen Geheimdienstvertreter auf mehr als 1,5 Mrd. Dollar geschätzt.
  • Kritiker:innen bemängeln mangelnde Kontrolle durch den Kongress und mögliche Interessenkonflikte von Vize-Verteidigungsminister Steve Feinberg.
  • Historische Vorbilder wie Stuxnet und die Hisbollah-Pager-Sabotage von 2024 zeigen, dass die Methode nicht neu ist, nun aber institutionalisiert wird.

Quellen: Trendingtopics, Politico, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelt er mit seinem Team maßgeschneiderte Content-as-a-Serive-Lösungen und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.