Ablage Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Mit Maschinen reden

Dann aber doch noch kurz Hoffnung. Ich liege neben einem Mann, der wieder einmal ein bisschen aussieht wie Schiller. Er liest ein Buch, das „Die Sharing Economy“ heißt, geschrieben von Brad Stone.

Ich vermute eine verwandte Seele. Einer, der vielleicht was will, obwohl es ja schon alles gibt. Sharing! Einer, der teilt, am besten auch Wissen und Rat. Aber leider nein, Gerhard sagt, dass er das Buch liest, weil er seit einiger Zeit ein paar Wohnungen bei Airbnb vermietet. Wir kommen trotzdem ins Gespräch. Was er von Deliverdog hält? Er lächelt diplomatisch, lobt erst einmal den Impuls zu gründen. Aber sonst?

Er redet lieber über Arbeit und Karriere generell und sagt: „Wer heute noch auf die geregelte Wochenarbeitszeit setzt, hat es nicht verstanden.“ Die Gewinner der Gegenwart haben schon lange keine gute Stelle mit 40-Stunden-Woche mehr. Die haben eine phänomenale Stelle mit 15-Stunden-Woche und einen Signing-Bonus obendrauf. Das sagt er ganz nüchtern, mit dem Finger als Lesezeichen im Sharing-Buch.

Dann wird ein Wal gesehen, weswegen die Maschinen stoppen. Aber niemand kann den Wal erspähen, er muss abgetaucht sein. Kapitän Gottschalk sagt nach ein paar Minuten, dass dies ein schlechtes Wal-Ergebnis, aber kein Wal-Betrug sei, von der Brücke hätte man ihn wirklich gesehen. Ich glaube ja, dass er die Maschinen nur gestoppt hat, um diesen gigantischen Kalauer raushauen zu können. Genießen Sie das Leben.

Gerhard wird nach dieser Unterbrechung eigenartig spezifisch: Der größte Fehler der Menschen war, dass sie vor 15 Jahren alle meinten, Chinesisch lernen zu müssen. Anstatt Coden. Sie dachten, dass sie mit anderen Menschen reden müssten, die weit weg sind, in einem anderen Markt. Stattdessen hätten sie lernen sollen, mit Maschinen zu reden. Das hätte den Fortgang der Wirtschaft und Menschheit generell noch einmal um Jahre zurückgeworfen. Er sagt: „Die Dummen wollten mit Menschen reden, die Schlauen mit Maschinen.“

Das ist nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber immerhin griffig genug, um es sich gut merken zu können.

Am nächsten Morgen gehen wir im Hafen von Palma de Mallorca von Bord. Ergebnis meiner Zeit: Ich habe einige Google Docs mit Ideen, eine registrierte URL und mehrere LinkedIn-Nachrichten, für die ich mich wohl irgendwann werde entschuldigen müssen. Und ich habe die Einsicht, dass es mit dem Unternehmertum und mir vielleicht nicht ganz so eilig ist. Das Erleben des gehobenen Standards hätte mir eigentlich Motivationskarotte genug sein müssen, um unternehmerisch über mich hinauszuwachsen. Vielleicht, würde Schiller sagen, dann doch im Studio.

Ciao, ciao

Wir sitzen im Bus, jetzt wieder ohne Fünf-Sterne-Plus-Identität. Eine Frau von der Crew hält zum Abschied eine kurze Ansprache. Sie lacht, winkt und sagt „Ciao, ciao“. Alle sind ergriffen, randvoll mit einer Woche Erholung auf dem Meer, klatschen und rufen „Tschüs“. Ich merke, wie ich von meinem Platz in der vierten Reihe übertrieben laut „Danke!“ rufe. Dann fährt mich der Bus zurück zum Flughafen und zu meinem 40-Stunden-Job, wo ich mit Menschen rede. Schon in der ersten Kurve vermisse ich das Schiff wie noch nie etwas im Leben.

Transparenzhinweis: Die Reise wurde der Redaktion von Business Punk von Hapag-Lloyd gestellt.

 

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