Ablage Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Biz und Biere

Am Nachmittag treffe ich in der Sansibar Roger Brandts, einen Textilunternehmer aus Mönchengladbach. Er hat vor einigen Jahren das Unternehmen Fynch-Hatton gegründet, eine Männermarke, die bei Peek & Cloppenburg und Anson’s verkauft wird. Brandts mag auf dem Schiff mit Familie im Urlaub sein, aber er ist die Art von Mensch, die es eher anstrengt, sich mal keine Geschäftsideen anzuhören.

(Credits: Alexander Langer)

Er legt gleich los: „Was ist mit dem Datenschutz? Wie wird das abgerechnet? Wie berechnest du die Zustellgebühr?“ Okay, okay, okay, erst mal langsam. Wir bestellen ein Bier, und er sieht aufs Meer, denkt nach. Von seinem eigenen Onlineshop weiß er, wie komplex Logistik ist, vor allem bei den vielen Retouren. „Es wäre schlau, wenn man einige Deliverdog-Auslieferer zu Hubs ausbauen würde“, sagt er. „Nachhaltigkeit ist ja erst einmal super.“ Brandts hat den Betrieb aus dem Boden gestampft, hat Infrastruktur und Onlineshop selber aufgebaut, ohne Konzern im Rücken. Beim Wort Onlineshop werde ich hellhörig, aber Brandts winkt ab. „Das habe ich damals die Experten machen lassen, ich bin Unternehmer, kein ITler.“ Er gibt mir aber Folgendes mit: „Pass auf: Ich bin ein Riesenfan vom Markt – der Markt regelt das. Der Kunde entscheidet.“ Auch Deliverdog? „Warum nicht, wenn jemand was damit anfangen kann“, sagt Brandts und lacht.

Es ist Donnerstag oder Freitag, die Stunden scheinen einfach so ins schäumende Wasser zu fallen, die Sonne macht einen ganz weich. Der Laptop glüht. Eric Ries bleibt ungelesen. Mittlerweile mache ich morgens den Vorhang zum Balkon meiner Kabine nicht mehr auf, weil der Anblick dieses zuckrigen Meeres jede Bestrebung zu arbeiten torpediert. Es wird Zeit, sich Beistand von ganz oben zu holen.

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