Ablage Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Meer als Büro: Wie das Verlassen des Arbeitsplatzes den Ideenfluss fördern kann

Brücken-Talk

Kapitän Jörg Gottschalk – der Mann hinter der angenehmen Stimme – führt mich über die Brücke, erklärt, dass die „MS Europa 2“ gerade nicht ankert, sondern sich in minimalen Bewegungen hin und her bewegt. Ich kann die Bewegungen am Festland erkennen, es kommt einem so vor, als wollte das Schiff einen ganz besonders empfindlichen Muskel des Meeres massieren. Gottschalk fragt, ob ich eine gute Zeit hätte. Und wie, sage ich und meine es ernst. Dann erzähle ich von meiner Idee, und Gottschalk sieht mich an. Erst verzieht er leicht den Mundwinkel nach oben und macht „hm“. Dann muss er tatsächlich ein bisschen lachen.

Ich hätte es mir ja denken können. Denn am zweiten Abend habe ich Gottschalk beim Dinner beobachtet. Kein Captain’s Dinner, das ist hier, bei diesem abgeklärten Luxus-Event, vorbei, wir sind ja nicht beim ZDF. Stattdessen schlich er am Büfett vorbei, neugierig, ein Gast auf dem eigenen Boot. Er ließ sich von Reisenden ansprechen, die selber nicht genau zu wissen scheinen, was sie von ihm eigentlich wollten, aber der Kontakt tut ihnen gut. Der Kapitän! Da ist er! „Guten Abend, Captain“, sagte ein junger Servicemitarbeiter im Vorbeigehen, ganz korrekt. „Ach, hi, grüß dich“, sagte der Kapitän leise, während er sich behutsam etwas auf den Teller lud.

(Credits: Alexander Langer)

Dieser formidabel entspannte Mensch rät mir also nun auf seiner Brücke, die Zeit zu genießen. Mein Startup? Findet er witzig. Was soll er auch sonst tun? Es verstößt vielleicht ein wenig gegen die Genießen- Sie-das-Leben-Regel, aber nun gut. Dann eilt eine Crew-Frau auf die Brücke und reicht Gottschalk zwei „MS Europa“-Wimmelbücher, die er für zwei kleine Mitreisende zu signieren hat. Er macht es mit großer Ernsthaftigkeit, drückt sogar den Kapitänsstempel auf.

Es überrascht mich, dass ich dann am Abend bei der Vorstellung der Offiziere einen völlig anderen Kapitän erlebe, einen, der souverän durch ein Abendprogramm führt. Zweisprachig, er wirbelt in alle Richtungen und stellt nach und nach sein Team vor. Lächelnd spricht er von der Seele des Schiffs; ich spüre, dass hier ein Ted-Talker geboren ist.

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