Ablage Old but Fucking Gold

Old but Fucking Gold

Luxusgüter-Aktien gehören seit Jahren zum Besten, was Europas Aktienmarkt zu bieten hat. Die Historie zeigt: Schwächephasen sind Einstiegschancen. Worauf also noch warten?

Jahrzehnte spielte der Pariser FC ohne nennenswerte Ambitionen Fußball in der zweiten französischen Liga. Wer in Frankreichs Hauptstadt Stars und Champions League-Spektakel wollte, der musste ins Stadion direkt gegenüber, zu Paris St. Germain. Dass dort einige der Weltbesten ihres Sports kicken, war allerdings auch nicht immer so. Erst als der katarische Staatsfonds 2011 bei dem Verein einstieg, begann der rasante Aufstieg zum Top-Klub.

Wofür es bei den einen die Öl-Milliarden aus Katar brauchte, soll bei den anderen nun mit Milliarden aus dem Handtaschen- und Schaumweingeschäft gelingen. Im November vergangenen Jahres übernahm Bernard Arnault 52 Prozent der Anteile des Paris FC. Bis 2027 sollen es 80 Prozent werden. Prompt folgte im Frühjahr – nach 46 Jahren – die gefeierte Rückkehr ins französische Fußball-Oberhaus. Ein Big Step hin zum zweiten Big-Player aus der Seine-Stadt.

Arnault ist der mit Abstand reichste Mensch Europas. Laut Forbes besitzt der 76-Jährige ein Vermögen von 143,23 Milliarden Euro. Verdient hat er es sich mit der Lust nach Luxus anderer reicher und superreicher Menschen. Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist Arnault CEO von LVMH, dem mit über 70 Marken und zuletzt 85 Milliarden Euro Jahresumsatz größten Luxusgüterkonzern der Welt. Börsenwert: 270 Milliarden Euro. Arnault und seiner Familie gehören knapp die Hälfte der Aktien sowie die Mehrheit der Stimmrechte.

Identität, Handwerk, Heritage

Dass das wohl aktuell heißeste Projekt im europäischen Vereinsfußball, welches nicht mit Geld aus den Golfstaaten finanziert wird, mit Gewinnen aus dem Luxusgütersektor aufgepumpt wird, kommt nicht von ungefähr. Wenn auf dem Kontinent in einer Branche noch richtig dick Kohle gescheffelt wird, dann im Luxusgüterbereich. Hier geht es um Identität, Handwerk, Heritage. Teils über Jahrhunderte haben sich Marken ein pfadabhängiges Best-In-Class-Image geformt. Nur wenige Branchen haben solch breite Burggräben. Frische Markteintritte kommen angesichts der Übermacht einzelner Konzerne einer Herkules-Aufgabe gleich.

Nahezu alles, was an Marken im globalen Luxus-Business Rang und Namen hat, gehört zu Europas Exklusiv-Giganten. Nicht alle sind börsennotiert. Chanel nicht, Rolex auch nicht. Wie jammerschade, denn diejenigen, die es sind, gehören zum Besten was Europas Aktienmarkt zu bieten hat. Die LVMH-Aktie hat sich in 15 Jahren mehr als versiebenfacht, Hermès-Papiere stehen heute 20 mal höher, Kering-Titel kosten immerhin rund 300 Prozent mehr. Und das, obwohl die Kurse in diesem Jahr richtig Federn gelassen haben. Dass es im Sektor aufgrund einer ausgeprägten Konsumzurückhaltung in China, einem schwachen US-Dollar und steigenden Goldpreisen zurzeit etwas hakelig läuft, sollte Anleger umso mehr aufhorchen lassen. Die Historie zeigt: Schwächephasen waren fast immer Einstiegschancen. Hier sind fünf Titel mit Aufwärtspotenzial.

1. LVMH – Das ETF-Pendant

Wer auf Aktien von LVMH setzt, der kauft die Branche. Neben den namensgebenden Marken Louis Vuitton, Moët und Hennessy gehören noch zig weitere exklusive Top-Brands zum Konzern. Darunter die Modemarken Dior, Fendi und Kenzo, der berühmte Schmuckhändler Tiffany & Co, die Uhrenhersteller TAG Heuer und Hublot. Schlagzeilen machte vor einigen Jahren auch die Übernahme des deutschen Sandalen-Champs Birkenstock, woraufhin aus ehemaligen Hausschuhen plötzlich exklusive Mode-Accessoires wurden. Wer Luxus shoppt, bei dem landet irgendwann fast zwangsläufig eine Marke aus dem LVMH-Konglomerat im Koffer, wenn dieser nicht schon von Rimowa ist. Bei den Kölnern sind die Franzosen 2017 eingestiegen.

Vorteil für Anleger:

Die LVMH-Aktie steht durch die breite Diversifizierung für nahezu alles, was den Luxusgütersektor auszeichnet. Im Wesentlichen ist das dessen Fähigkeit auch dann noch zu laufen, wenn sonst nix mehr läuft. Luxus-Aktien sind krisenresistent. Handtaschen, Uhren und Champagner für tausende Euro sind Statussymbole für ein Käuferklientel, das auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten solvent ist. Die Margen sind hoch, der Preisdruck gering, und begehrte Marken können ihre Preise nahezu nach Belieben anziehen. Schwächelt eine bestimmte Marke, hat LVMH genügend Alternativen im Portfolio, um dies auszugleichen.

Nachteil für Anleger:

Das gilt auch andersherum. Steht die Branche wie in diesem Jahr unter Druck, kann die Aktie auch mal zweistellig nachgeben. Wer zu Jahresbeginn gekauft hat, musste zwischenzeitlich ein Minus von 30 Prozent aushalten. Doch seit dem Sommer zeichnet sich eine Trendwende ab. Fast schon typisch. Kursverluste haben Anlegern langfristig meist Kursgewinne beschert, insofern sie klug zukauften. Für LVMH gilt: Luxus geht nicht immer, aber immer wieder. Goldman Sachs setzte die Aktie in diesem Jahr auf die „European Conviction Buy List“. Für Analystin Louise Singlehurst gehören die Titel zu den Gewinnern des nächsten Aufschwungs in der Branche. In solchen Phasen hätten die Franzosen die Konkurrenz bislang stets übertroffen. Insbesondere lobte Singlehurst die Marke Louis Vuitton mit Blick auf deren Produktinnovation und der starken Heritage. Sobald insgesamt wieder mehr Kunden kauften, dürfte LVMH stark profitieren. Positive Vibes auch bei Deutsche Bank-Analyst Adam Cochrane. Der Experte hob sein Kursziel jüngst von 520 auf 635 Euro an.

Die Investorenstimmung helle sich auf, so Cochrane. Noch stünde die Erholung ganz am Anfang, doch positive Nachrichten aus China, könnten diese antreiben. Die Zahlen zum dritten Quartal wiesen zuletzt „in die richtige Richtung“, stellte auch RBC-Analyst Piral Dadhania fest. Entgegen den Erwartungen waren die Umsätze nach dem schwächeren ersten Halbjahr wieder gestiegen.

2. Hermès – Der Hot-Stock

Die Hermès-Aktie war in den letzten Jahren der Hot-Stock im Sektor. In großer Regelmäßigkeit schossen die Papiere des 1837 in Paris gegründeten Konzerns in Richtung neuer Rekordhochs. Zwischenzeitlich überholte Hermès sogar LVMH beim Börsen-wert. In zehn Jahren hat sich der Kurs versechsfacht. Hermès profitiert dabei vor allem vom Glamour seiner Kernmarke. Die Kelly und die Birkin Bag sind die vielleicht bekanntesten Handtaschen der Welt und häufig nicht nur Statussymbol, sondern auch Wertanlage. Ein Birkin-Handtasche bringt in etwa 10000 Euro ein, hinzu kommen teils deutlich teurere Sonderserien. Die Birkin Bag liegt zudem bei jungen Menschen im Trend, überhaupt ist Hermès bei der Generation Z laut einer Studie des Magazins „Ad Age“ die beliebteste Modemarke.

Hermès setzt weniger auf den breiten Markt als vielmehr auf Exklusivität innerhalb des Exklusiven. Marge, Marge, Marge lautet das Motto. Die Pariser halten absichtlich die Produktion ihrer beliebten Handtaschen knapp. Die Wartezeiten sind lang, die Preise deshalb hoch. Die Ebit-Marge im Konzern liegt bei über 40 Prozent. In absoluten Zahlen liest sich das so: Von gerade einmal 8 Milliarden Euro Umsatz blieben im ersten Halbjahr 3,3 Milliarden Euro operativer Gewinn übrig. Diese High-End-Strategie sorgt auch dafür, dass Zölle sie bei Hermès so gar nicht kümmern.

„Wir werden die Auswirkungen dieser neuen Zölle vollständig ausgleichen“, hatte Finanzchef Eric du Halgouet bereits im Frühjahr angekündigt. Über Preiserhöhungen, versteht sich. Wohl dem, der so etwas machen kann. Auch der konjunkturelle Gegenwind in diesem Jahr ficht Hermès kaum an. Im ersten Halbjahr stand ein Umsatzplus von acht Prozent. Das fokussierte ist gleichzeitig ein hochresilientes Geschäftsmodell. Das defensive Profil des Konzerns zeige eine relative Attraktivität in einem herausfordernden Nachfrageumfeld, schreibt RBC-Analyst Dadhania. Dadhanias Kursziel: 2600 Euro. Mit Blick auf den Aktienkurs sei Hermès der führende „Wertsteigerer“ in der Branche, so der Experte weiter. Die UBS nennt Hermès als einen ihrer Top-Picks.

3. Burberry – Die Nischen-Hoffnung

Seit Juli 2024 ist Joshua Schulman, Ex-Chef von Michael Kors, der neue starke Mann bei Burberry. Der CEO soll schaffen, was Hermes mit seinen Handtaschen geschafft hat. Ein Blockbuster-Produkt mit ikonischem Markenwert erschaffen, das die Kernzielgruppe bedient, aber auch vermehrt junge Menschen in seinen Bann zieht. Klappen soll das mit den Trenchcoats und Schals, die die Briten einst bekannt machten. Wer diese Aktie kauft, wettet also auf einen bahnbrechenden Restrukturierungserfolg. Auf Fünfjahressicht notiert die Aktie mit 25 Prozent im Minus. Exklusive Stärke sieht anders aus. In diesem Jahr aber zeigt sich, was möglich ist, sollte sich die neue Strategie langfristig auszahlen. Wechselkurseffekte herausgerechnet, hat Burberry den Umsatzrückgang, der im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 noch bei 20 Prozent lag, auf nur noch zwei Prozent im ersten Geschäftsquartal 2026 verbessert. „Die Tatsache, dass das organische Wachstum sich verbessert, auch wenn es noch negativ ist, ist ein Zeichen dafür, dass die neue Marketing-Vision funktioniert“, erklärte Bernstein-Branchenexperte Luca Solca jüngst gegenüber dem TV-Sender CNBC.

Während bei Branchengrößen wie LVMH oder Kering die Kurse kräftig fielen, kletterte die Burberry-Aktie von Januar bis Oktober um rund ein Viertel in die Höhe. Im September gelang der Wiederaufstieg in den FTSE 100. Mit Blick auf den neuen Fokus aufs Kerngeschäft, hält Morningstar-Aktienanalystin Jelena Sokolova Burberry für eines der am stärksten unterbewerteten Unternehmen in der Branche. Schulman habe Burberry in ein „starkes Luxusunternehmen mit einer klaren Botschaft“ umgewandelt. Anna Farmbrough, Fondsmanagerin beim Vermögensverwalter Ninety-One, meint: „Letztendlich muss der Markt sehen, dass sie eine Preissetzungsmacht haben. Je mehr sie das in diesen Kategorien unter Beweis stellen, desto mehr wird der Markt wieder auf den Zug aufspringen.” Im Vergleich zu Branchengrößen wie LVMH oder Hermès investieren Anleger mit Burberry aber in jedem Fall in eine Nische. Die Marktkapitalisierung liegt gerade einmal bei 4,8 Milliarden Euro.

4.  Richemont – Der Dauerläufer

Die Richemont-Aktie beweist seit Jahren echte Dauerläufer-Qualität. Große Kursexplosionen gab es nicht, dafür aber auch keine nennenswerten Einbrüche. Schritt für Schritt hangeln sich die Titel des Schweizer Schmuck- und Uhrenmachers von Rekordhoch zu Rekordhoch. Richemont profitiert erheblich von seinem zweigeteilten Geschäftsmodell. Während Konkurrent swatch beispielsweise unter einer schwächeren Uhrennachfrage leidet, macht Richemont diese durch Wachstum im Schmuckgeschäft wett. In Summe stand so von April bis Juni trotz zehn Prozent Uhren-Minus ein Umsatzplatz von drei Prozent auf 5,41 Milliarden Euro.

Höhere Wachstumsraten verhinderten bis zuletzt negative Wechselkurseffekte, der hohe Goldpreis, sowie die für Uhren aus der Schweiz seit August geltenden US-Zölle von 39 Prozent. Diese externen Faktoren ausgeklammert, dürfte sowohl das Schmuck- als auch das Uhrengeschäft zuletzt stark performt beziehungsweise zugelegt haben, schätzt JP Morgan-Analystin Chiara Battistini. Schmuck von Cartier, Van Cleef & Arpels sowie Buccellati ist angesagt, Uhren liegen zudem bei jungen Menschen im Trend, heißt es vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ).

Ein intaktes Geschäftsmodell also. Externe Fak-toren, die den Aktienkurs drücken, können eine günstige Einstiegsgelegenheit sein. Rund zwei Prozent Dividendenrendite gibt’s obendrein

5.  Kering – Der Comeback-Kandidat

Kering galt in den vergangenen Jahren als das große Sorgenkind der Branche. Der Konzern ist stark abhängig von einer Marke: Gucci. Rund die Hälfte des Konzernumsatz steuert die bei, sowie zwei Drittel der operativen Rentabilität. Allein, die Glanzzeiten des italienischen Luxuslabels sind schon seit Längerem vorbei. Im ersten Halbjahr 2025 fiel der Umsatz um 26 Prozent auf nur noch 3 Milliarden Euro. Konzernübergreifend stand, da Marken wie Saint Laurent, Bottega Veneta, oder Balenciaga auch eher bescheiden performten, ein Umsatzminus von 16 Prozent. Der Nettogewinn halbierte sich auf 500 Millionen Euro. Die operative Marge lag nur noch bei 12,8 Prozent. Hermès kommt auf mehr als das Dreifache. Die logische Konsequenz: Der Kurs der Aktie hat sich in fünf Jahren halbiert.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Von Ende Juni bis Mitte Oktober haben Kering-Titel 75 Prozent zugelegt. Seit September leitet der ehemalige Renault-Manager Luca de Meo die Geschicke im Konzern. Offenbar trauen ihm die Anleger zu, dass er die Wende schafft. „Der Investment-Case von Kering entwickelt sich mit Blick auf ein Management im Umbruch weiter“, schrieb UBS-Analystin Zuzanna Puscz dazu in einer Studie. „Mit dem neuen CEO wächst die Hoffnung, dass sich der Konzern nach Jahren der Underperformance bei Gucci stabilisiert.“ Gelingt es de Meo, Gucci wieder zu einer „Must-Have“-Marke zu machen, wäre das Aufwärtspotenzial sicher immens. Die Mehrheit der Analysten ist skeptisch, dass das schnell gelingt, halten längerfristig aber positive Überraschungen für möglich. Sie bleibe für die kommenden zwölf Monate vorsichtig, schreib Goldman Sachs-Analystin Louise Singlehurst. Jedoch beinhalteten die jüngsten Aussichten des Konzern Potenzial. Kering bleibt ein Comeback-Kandidat. Dass die Umstrukturierung nun immerhin ernsthaft angegangen wird, schätzen Investoren. Anleger können darauf setzen, sollten sich aber bewusst sein, dass Konkurrenten wie LVMH oder Hermès aktuell in einer anderen Liga spielen.

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