Ablage Shell-Gewinn verdoppelt sich: an der Zapfsäule bleibt nur der Krieg

Shell-Gewinn verdoppelt sich: an der Zapfsäule bleibt nur der Krieg

Shell verdoppelt den Quartalsgewinn auf 9,84 Mrd. Dollar, während Iran-Krieg und Katar-Ausfälle die Energiepreise treiben. An deutschen Zapfsäulen kommt davon nichts an.

Ein Krieg im Nahen Osten, gestörte Öl- und Gasmärkte und mittendrin ein Konzern, der genau davon profitiert: Shell hat seinen bereinigten Quartalsgewinn auf 9,84 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt, nach 4,26 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Das liegt deutlich über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 8,92 Mrd. Dollar gerechnet hatten, wie n-tv berichtet.

Während Autofahrer an deutschen Tankstellen weiterhin über 2 Euro pro Liter zahlen, füllt sich bei Shell die Kriegskasse. Der Kontrast zwischen den beiden Welten könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite ein Konzern, der Quartal für Quartal neue Bestmarken meldet, auf der anderen Seite Haushalte, die an der Zapfsäule spüren, wie teuer Mobilität geworden ist. Diese Diskrepanz ist kein neues Phänomen, aber sie wird in Zeiten geopolitischer Eskalation besonders sichtbar, weil sich Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten fast eins zu eins in Konzernbilanzen übersetzen lassen, während sie an den Tankstellen nur langsam und selektiv ankommen.

Iran-Krise als möglicher Gewinntreiber

Der Iran-Konflikt im Nahen Osten hat laut Medienberichten die Öl- und Gasmärkte stark gestört und die Energiepreise deutlich nach oben getrieben. Das steht zeitlich im Zusammenhang mit dem höchsten Quartalsgewinn und operativen Cashflow, den Shell seit dem Jahr 2022 verzeichnete. Gleichzeitig kämpft der Konzern mit Produktionsausfällen in Katar: Die Gasverflüssigungsanlage Pearl ruht seit März, nachdem ein Angriff einen der beiden Produktionsstränge beschädigt hatte. Die Reparaturarbeiten dürften Shell zufolge etwa ein Jahr dauern, der Nahe Osten macht rund 20 Prozent der Konzernproduktion aus.

Das starke Abschneiden im Gashandel und im Chemiegeschäft wird von Beobachtern als Ausgleich für die geringeren Verkaufsvolumina aus Katar gelesen. Die Nettoverschuldung sank derweil auf 41,8 Mrd. Dollar, ein Signal finanzieller Stabilität mitten in geopolitischer Unsicherheit. Dass ein Konzern trotz eines beschädigten Produktionsstrangs im Nahen Osten und einer Reparaturzeit von rund einem Jahr gleichzeitig seine Schulden abbauen kann, zeigt, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell auf mehreren Ebenen gleichzeitig ist. Ausfälle an einer Stelle werden durch Stärke an anderer Stelle kompensiert, sodass am Ende unter dem Strich ein Rekordergebnis steht.

Raffinerien kassieren doppelt

Besonders kräftig kassierte Shell im Raffineriegeschäft. Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe verteuerten sich auf den internationalen Märkten deutlich stärker als Rohöl selbst, die Gewinnspannen der Raffinerien schossen entsprechend nach oben. Auch die Energiehändler des Konzerns profitierten von den Preisschwankungen, wie Bild dokumentiert. Wer im großen Stil Öl und Gas rund um den Globus handelt, verdient besonders gut, wenn die Märkte aus dem Takt geraten.

Dieser Mechanismus wird als möglicher Grund dafuer gesehen, warum Shell auch in einem von Krieg und Unsicherheit geprägten Umfeld nicht nur überlebt, sondern regelrecht aufblüht. Die Kombination aus Produktion, Raffinerie und Handel sorgt dafür, dass Verluste in einem Segment durch Gewinne in einem anderen ausgeglichen werden. Für einen Konzern dieser Größe können geopolitische Verwerfungen weniger ein Risiko als eine Gelegenheit sein, wenn die eigene Infrastruktur diversifiziert genug aufgestellt ist, um von unterschiedlichen Marktphasen zu profitieren.

Zapfsäule bleibt teuer, Rohöl wird günstiger

Für deutsche Autofahrer bleibt von der Shell-Bilanz wenig Positives übrig. Super kostete zuletzt im bundesweiten Durchschnitt 2,18 Euro pro Liter, Super E10 lag bei 2,12 Euro, Diesel ebenfalls bei 2,18 Euro. Der Rohölpreis ist zuletzt deutlich gesunken, doch bei den Verbrauchern kommt davon kaum etwas an. Der ADAC kritisiert laut Stern, die Kraftstoffpreise bewegten sich bereits seit Wochen auf einem zu hohen Niveau.

Diese Beobachtung des ADAC ist nicht neu, gewinnt in der aktuellen Situation aber zusätzliches Gewicht. Wenn Rohölpreise fallen und Verbraucherpreise trotzdem stabil hoch bleiben, entsteht eine Lücke, die irgendwo im System verbleibt. Ob diese Lücke bei Raffinerien, Händlern oder anderen Gliedern der Lieferkette landet, bleibt aus Verbrauchersicht schwer nachvollziehbar. Fest steht nur, dass die Entlastung, die viele Autofahrer angesichts sinkender Rohölnotierungen erwartet hätten, bislang ausgeblieben ist.

Business Punk Check

Shells Zahlen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Geschäftsmodells, das von Krisen lebt. Steigen Öl- und Gaspreise wegen geopolitischer Eskalation, steigen automatisch Handelsmargen und Raffineriegewinne, unabhängig davon, ob der Konzern selbst mehr produziert. Das ist keine unternehmerische Leistung, das ist strukturelle Ausnutzung von Marktversagen. Für Entscheider im Mittelstand bedeutet das: Energiekosten bleiben ein Risikofaktor, der sich nicht an Rohölpreisen allein ablesen lässt. Wer Kalkulationen auf sinkende Rohölnotierungen stützt, ignoriert die Realität an der Zapfsäule. Die Differenz zwischen Rohölpreis und Verbraucherpreis ist keine Marktineffizienz, sie ist Marge, die irgendwo landet, nur nicht bei den Zahlenden. Wer das versteht, plant Energiekosten konservativer als es aktuelle Rohölcharts nahelegen.

Auf einen Blick

  • Shell steigerte den bereinigten Quartalsgewinn auf 9,84 Mrd. Dollar und übertraf damit die Analystenerwartung von 8,92 Mrd. Dollar deutlich.
  • Der Iran-Konflikt störte laut Medienberichten die Öl- und Gasmärkte erheblich und verschaffte Shell den höchsten Quartalsgewinn seit 2022.
  • Produktionsausfälle in Katar durch die beschädigte Anlage Pearl kosten Shell rund ein Jahr Reparaturzeit, während der Nahe Osten etwa 20 Prozent der Konzernproduktion ausmacht.
  • Trotz sinkender Rohölpreise bewegen sich die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen laut ADAC seit Wochen auf einem zu hohen Niveau.

Quellen: n-tv, Stern, Bild

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