Änderungen im September 2026: Das kommt auf uns zu
Ab 27. September 2026 gelten drastisch verschärfte Regeln für Umweltwerbung. Pauschale Claims wie „klimaneutral“ oder „grün“ sind dann Geschichte. Was Unternehmen jetzt wissen müssen.
Der September bringt eine Welle regulatorischer Änderungen, die von Bahnsteigen über Steuererklärungen bis zu Produktversprechen reichen. Während die Deutsche Bahn an 5.400 Bahnhöfen Alkohol verbietet, öffnet eine Reform des Steuerberatungsgesetzes Millionen Vermietern den Zugang zu günstiger Steuerberatung.
Parallel dazu zieht die EU die Zügel bei Umweltversprechen an – Begriffe wie „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ ohne Beleg sind ab Ende September Geschichte. Die Änderungen zeigen: Regulierung greift tiefer in den Alltag ein als je zuvor.
Alkoholverbot an Bahnhöfen: Sicherheit oder Symbolpolitik?
Ab September gilt an vier deutschen Bahnhöfen ein Alkoholverbot – Berlin Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig machen den Anfang. Ab Oktober sollen alle 5.400 Bahnhöfe folgen. Die Bahn begründet den Schritt mit mehr Sicherheit und weniger Müll. Wer erwischt wird, kassiert einen Platzverweis, bei Wiederholung droht Hausverbot. Gastronomiebetriebe im Bahnhof bleiben ausgenommen, verschlossene Flaschen im Gepäck sind erlaubt.
Die Maßnahme zielt auf weniger Gewaltvorfälle und sauberere Bahnsteige. Ob ein Verbot tatsächlich wirkt oder Probleme nur verlagert, bleibt offen. An rund 30 Bahnhöfen läuft das Verbot bereits – belastbare Daten zur Wirksamkeit fehlen bislang. Die Bahn setzt auf ihr Hausrecht, Kontrollen übernehmen Sicherheitsdienste. Kritiker bezweifeln, dass ein Verbot die Ursachen von Gewalt und Vermüllung adressiert.
Steuer-Reform: Vermieter bekommen endlich Zugang zu günstiger Beratung
Im September fällt eine zentrale Hürde für Vermieter: Lohnsteuerhilfevereine dürfen künftig auch bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung beraten – ohne Einkommensgrenze. Bislang waren nur Vermieter mit Mieteinnahmen unter 18.000 Euro (Alleinstehende) oder 36.000 Euro (Verheiratete) zugelassen. Diese Grenzen entfallen komplett. Die Reform des Steuerberatungsgesetzes öffnet Millionen privaten Vermietern den Zugang zu bezahlbarer Steuerberatung.
Lohnsteuerhilfevereine verlangen deutlich weniger als klassische Steuerberater – ein Vorteil für alle, die bisher wegen der Einkommensgrenze ausgeschlossen waren. Für Mieter könnte das indirekt relevant werden: Besser beratene Vermieter können Nebenkosten und Modernisierungen steuerlich optimieren, was Spielräume bei der Kalkulation schafft. Die Fristen für die Steuererklärung 2025 bleiben unverändert – Ende Juli 2026 für Pflichtveranlagte ohne Berater.
EU Data Act: Datenzugriff wird zur Pflicht
Ab September tritt die nächste Phase des EU Data Act in Kraft. Hersteller vernetzter Produkte müssen Nutzern direkten, möglichst automatisierten Zugriff auf Gerätedaten ermöglichen. Betroffen sind Haushaltsgeräte, Fahrzeuge, Wearables und Maschinen. Die Regelung zwingt Unternehmen, Datenzugriff bereits im Produktdesign zu berücksichtigen.
Ziel ist mehr Kontrolle für Nutzer und neue datenbasierte Dienstleistungen. Wer etwa Daten seines vernetzten Autos an unabhängige Werkstätten weitergibt, soll das künftig ohne Umwege tun können. Die Umsetzung bleibt Herstellersache – wie gut der Zugriff in der Praxis funktioniert, wird sich zeigen. Die EU setzt auf Transparenz, Unternehmen müssen liefern.
Greenwashing-Verbot: Schluss mit leeren Versprechen
Im September wird es ernst für Unternehmen, die mit Umweltversprechen werben. Die EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel verbietet pauschale Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „nachhaltig“ ohne Beleg. Selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel sind tabu. Nur anerkannte Kennzeichnungen wie das EU-Ecolabel gelten weiterhin als Nachweis. Besonders brisant: Der Begriff „klimaneutral“ muss belastbar belegt werden. Eine pauschale Gleichsetzung mit Emissionsausgleich reicht nicht mehr.
Unternehmen müssen konkret nachweisen, wie sie Klimaneutralität erreichen – oder den Begriff streichen. Die Regelung trifft Branchen, die jahrelang mit vagen Versprechen geworben haben. Händler im stationären und Online-Handel müssen ab 27. September außerdem mit einheitlichen Gewährleistungshinweisen über gesetzliche Rechte informieren. Das GARAN-Label kennzeichnet freiwillige Haltbarkeitsgarantien über die gesetzliche Gewährleistung hinaus.
Business Punk Check
Die September-Änderungen zeigen: Regulierung wird konkreter und greift tiefer. Das Alkoholverbot an Bahnhöfen ist Symbolpolitik – es adressiert Symptome, nicht Ursachen. Ob weniger Bier auf Bahnsteigen wirklich zu weniger Gewalt führt, bleibt fraglich. Die Steuer-Reform dagegen ist ein echter Gewinn: Millionen Vermieter bekommen Zugang zu bezahlbarer Beratung, was steuerliche Spielräume öffnet.
Das Greenwashing-Verbot ist längst überfällig – Unternehmen, die jahrelang mit leeren Versprechen geworben haben, müssen jetzt liefern oder schweigen. Der EU Data Act zwingt Hersteller zu Transparenz, die Umsetzung wird zeigen, ob Nutzer wirklich profitieren. Für Unternehmen bedeutet das: Compliance wird teurer, Greenwashing riskanter, Datenzugriff zur Pflicht. Wer jetzt nicht nachbessert, riskiert Abmahnungen und Imageschaden. Die Botschaft ist klar – regulatorische Lücken schließen sich schneller als gedacht.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bahnhöfe sind ab September alkoholfrei?
Ab 1. September gilt das Alkoholverbot zunächst am Berliner Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen sowie in Kiel und Braunschweig. Bis 15. Oktober 2026 soll die Regelung auf alle rund 5.400 Bahnhöfe in Deutschland ausgeweitet werden. Gastronomiebetriebe im Bahnhof sind vom Verbot ausgenommen, verschlossene Flaschen im Gepäck bleiben erlaubt.
Was ändert sich bei der Steuerberatung für Vermieter?
Ab 1. September dürfen Lohnsteuerhilfevereine ihre Mitglieder auch bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung beraten – ohne Einkommensgrenze. Bislang waren nur Vermieter mit Mieteinnahmen unter 18.000 Euro (Alleinstehende) oder 36.000 Euro (Verheiratete) zugelassen. Diese Grenzen entfallen komplett, was Millionen privaten Vermietern Zugang zu günstiger Steuerberatung verschafft.
Wie wirkt sich das Greenwashing-Verbot auf Unternehmen aus?
Ab 27. September müssen Unternehmen Umweltaussagen wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ belastbar belegen können. Pauschale Versprechen ohne Nachweis sind verboten, selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel unzulässig. Wer gegen die EU-Richtlinie verstößt, riskiert Abmahnungen und Imageschaden. Compliance-Kosten steigen, Marketing-Abteilungen müssen Versprechen überprüfen.
Was bedeutet der EU Data Act für vernetzte Geräte?
Ab 12. September müssen Hersteller vernetzter Produkte Nutzern direkten, möglichst automatisierten Zugriff auf Gerätedaten ermöglichen. Betroffen sind Haushaltsgeräte, Fahrzeuge, Wearables und Maschinen. Ziel ist mehr Kontrolle für Nutzer und neue datenbasierte Dienstleistungen. Hersteller müssen Datenzugriff bereits im Produktdesign berücksichtigen – wer das ignoriert, riskiert rechtliche Konsequenzen.
Welche Branchen profitieren von den September-Änderungen?
Lohnsteuerhilfevereine gewinnen durch die Reform Millionen potenzielle Mitglieder. Compliance- und Rechtsberatungen profitieren von strengeren Greenwashing-Regeln, da Unternehmen Unterstützung bei der Umsetzung brauchen. Hersteller vernetzter Geräte müssen in Datenzugriff investieren, was IT-Dienstleister und Software-Anbieter begünstigt. Verlierer sind Unternehmen, die bisher mit vagen Umweltversprechen geworben haben – sie müssen nachbessern oder schweigen.
Quellen: Rnd, Anwalt, Rnd, Rbb24, tagesschau, Chip, tagesschau, Apnews, Swr, tagesschau