AnlagePunk Krypto-Steuer statt Haltefrist: Klingbeils Zwei-Milliarden-Wette

Krypto-Steuer statt Haltefrist: Klingbeils Zwei-Milliarden-Wette

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will die Haltefrist für Kryptowährungen abschaffen. Zwei Milliarden Euro soll das bringen. Bitpanda-Gründer Eric Demuth nennt es eine „extrem dumme Entscheidung“.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat auf der Bundespressekonferenz angekündigt, die Besteuerung von Kryptowährungen grundlegend zu ändern. Das Kabinett hat die Eckpunkte für den Haushalt 2027 beschlossen – und die sehen vor, dass die bisherige Haltefrist für Krypto-Gewinne wegfällt. Zwei Milliarden Euro will der Staat damit einnehmen. Die Krypto-Branche reagiert mit scharfer Kritik, denn aus Österreich kommt eine deutliche Warnung: Dort hat man genau das bereits ausprobiert – mit verheerenden Folgen.

Haltefrist ade: Was Berlin plant

Bisher gilt in Deutschland eine einjährige Haltefrist für Kryptowährungen. Wer seine Coins länger als zwölf Monate hält, zahlt auf Gewinne keine Steuern. Diese Regelung will Klingbeil streichen. Stattdessen soll künftig eine Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag greifen – analog zu Aktiengewinnen. „Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern“, sagte Klingbeil laut Trendingtopics. Zusammen mit Maßnahmen gegen Finanz- und Steuerkriminalität sollen so zwei Milliarden Euro in die Staatskasse fließen.

Konkrete Details? Fehlanzeige. Klingbeil verwies auf Anfang Juli 2026, wenn der Haushalt zur Etatreife kommt. Ob Altbestände geschützt werden oder rückwirkend besteuert werden, ließ er offen. Auch die Frage, warum Edelmetalle und Sammlergegenstände weiterhin von der Haltefrist profitieren, Kryptowährungen aber nicht, blieb unbeantwortet. „Das sind die Leitplanken, die eingezogen werden, und an denen keine und keiner mehr vorbeikommt“, so der Finanzminister.

Bitpanda-Gründer: „Extrem dumme Entscheidung“

Eric Demuth, Mitgründer der österreichischen Kryptobörse Bitpanda, kennt die Folgen aus erster Hand. Österreich hat die Haltefrist bereits 2022 abgeschafft. Demuths Urteil ist vernichtend: „Die Abschaffung der Haltefrist in Österreich war eine extrem dumme Entscheidung. Die Idee wurde damals massiv von Krypto-Tax-Startups und deren Consulting-Umfeld gepusht, die Politikern mit Fantasiezahlen und hohen Steuereinnahmen geblendet haben, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu stärken“, sagte Demuth laut Trendingtopics. Die praktischen Konsequenzen für Bitpanda waren erheblich.

Die technische Umsetzung eines funktionierenden Kapitalertragsteuersystems verschlang enorme Ressourcen und verzögerte andere Produktentwicklungen. Das Ergebnis: mehr Bürokratie, höhere Komplexität für Nutzer, kaum zusätzlicher fiskalischer Nutzen für den Staat. Demuth warnt Deutschland eindringlich: „Ich bin selbstverständlich gegen die Abschaffung der Haltefrist in Deutschland auf Bitcoin bzw. Das war damals bereits ein Fehler der Regierung in Österreich und Deutschland sollte dies keinesfalls nachmachen.“.

Technische Realität vs. politische Fantasie

Das Kernproblem liegt in der Natur von Kryptowährungen. Anders als bei klassischen Wertpapieren gibt es keine geschlossenen Systeme, keine vollständige Datenverfügbarkeit über Plattformgrenzen hinweg, keine eindeutig nachvollziehbaren Anschaffungskosten. Die Übertragung des Kapitalertragsteuermodells aus dem klassischen Finanzmarkt scheitert in der Praxis an genau diesen Punkten.

In Österreich kämpfen viele Plattformen bis heute damit, ein vollständig funktionierendes Steuerabzugssystem zu implementieren – obwohl die Regelung schon seit Jahren in Kraft ist. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem, das sich bei einer ähnlichen Regelung in Deutschland wiederholen wird. Die Partnerschaft zwischen Bybit und Blockpit zur Krypto-Besteuerung in Österreich zeigt, wie komplex die technische Umsetzung tatsächlich ist.

Politisches Hin und Her

Die Ankündigung widerspricht früheren Aussagen aus der Koalition. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte erklärt, der Koalitionsvertrag sehe keine Steuererhöhungen vor.

Aus der CDU/CSU-Fraktion war signalisiert worden, es gebe keinen überzeugenden steuerpolitischen Grund, die Haltefrist anzutasten. Parallel diskutiert das Europäische Parlament über eine neue Steuer auf Krypto-Gewinne auf EU-Ebene – wobei sich sowohl Frankreich als auch Deutschland dafür aussprechen sollen.

Business Punk Check

Die Bundesregierung verspricht zwei Milliarden Euro aus der Krypto-Besteuerung – doch die österreichische Realität entlarvt das als Fantasiezahl. Bitpanda-Gründer Eric Demuth spricht aus Erfahrung: Die Abschaffung der Haltefrist in Österreich war ein Desaster. Enorme technische Ressourcen verschlungen, Produktentwicklung verzögert, Nutzer frustriert – und der Staat? Hat kaum zusätzliche Einnahmen generiert. Das eigentliche Problem: Kryptowährungen lassen sich nicht in das klassische Kapitalertragsteuermodell pressen. Keine geschlossenen Systeme, keine vollständige Datenverfügbarkeit, keine eindeutigen Anschaffungskosten. Was bei Aktien funktioniert, scheitert bei Krypto an der technischen Realität. Österreichische Plattformen kämpfen bis heute mit der Umsetzung – Jahre nach Einführung der Regelung.

Für Krypto-Investoren bedeutet das: Wer jetzt noch von der Haltefrist profitieren will, muss schnell handeln. Ob Altbestände geschützt werden, ist unklar. Klingbeil schweigt dazu. Parallel diskutiert die EU über eine einheitliche Krypto-Steuer – Deutschland könnte also bald doppelt kassieren. Die unbequeme Wahrheit: Diese Reform dient weniger der Steuergerechtigkeit als der kurzfristigen Haushaltsoptik. Österreich hat vorgemacht, wie man es nicht macht. Deutschland ignoriert die Warnung.

Häufig gestellte Fragen

Was ändert sich konkret bei der Krypto-Besteuerung in Deutschland?

Die Bundesregierung plant, die einjährige Haltefrist für Kryptowährungen abzuschaffen. Bisher sind Gewinne aus dem Verkauf von Coins steuerfrei, wenn sie länger als ein Jahr gehalten wurden. Künftig soll eine Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag greifen – ähnlich wie bei Aktiengewinnen. Konkrete Details werden erst Anfang Juli 2026 vorgestellt, wenn der Haushalt 2027 zur Etatreife kommt.

Warum warnt Bitpanda-Gründer Eric Demuth vor der Steuerreform?

Demuth hat die Folgen einer solchen Regelung in Österreich selbst erlebt. Dort wurde die Haltefrist 2022 abgeschafft – mit verheerenden Konsequenzen. Die technische Umsetzung verschlang bei Bitpanda enorme Ressourcen, verzögerte Produktentwicklungen und führte zu mehr Bürokratie. Der fiskalische Nutzen für den Staat blieb gering. Demuth nennt die österreichische Entscheidung eine „extrem dumme Entscheidung“ und rät Deutschland dringend davon ab.

Welche technischen Probleme gibt es bei der Krypto-Besteuerung?

Kryptowährungen funktionieren anders als klassische Wertpapiere. Es gibt keine geschlossenen Systeme, keine vollständige Datenverfügbarkeit über Plattformgrenzen hinweg und keine eindeutig nachvollziehbaren Anschaffungskosten. Die Übertragung des Kapitalertragsteuermodells scheitert in der Praxis genau daran. In Österreich kämpfen viele Plattformen bis heute damit, ein funktionierendes Steuerabzugssystem zu implementieren.

Wie viel Geld will der Staat mit der neuen Krypto-Steuer einnehmen?

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil rechnet mit zwei Milliarden Euro aus der neuen Krypto-Besteuerung und Maßnahmen gegen Finanz- und Steuerkriminalität. Kritiker halten diese Zahl für unrealistisch und verweisen auf Österreich, wo ähnliche Versprechen nicht eingehalten wurden. Die österreichische Erfahrung zeigt: Der administrative Aufwand übersteigt oft den fiskalischen Nutzen.

Sind Altbestände von der neuen Regelung betroffen?

Das ist derzeit unklar. Bundesfinanzminister Klingbeil äußerte sich auf der Bundespressekonferenz nicht zur Frage, ob bereits gehaltene Bestände von der neuen Regelung betroffen sein werden oder ob ein Bestandsschutz für vor 2027 erworbene Coins gilt. Diese Frage wird voraussichtlich erst im Juli 2026 beantwortet, wenn die konkreten Pläne zur Etatreife vorgestellt werden.

Quellen: Trendingtopics, Youtube, Blocktrainer, Bitcoin-bundesverband, Focus, Handelsblatt, Bundesfinanzministerium

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