AnlagePunk Trump will den Krieg beenden – der DAX glaubt nicht daran

Trump will den Krieg beenden – der DAX glaubt nicht daran

Der DAX beendet den März mit Plus, doch die Bilanz bleibt brutal: Seit Kriegsbeginn über zehn Prozent Verlust. Trump will angeblich aussteigen – aber der Ölpreis interessiert sich nicht dafür.

Der deutsche Leitindex schloss am letzten Märzhandelstag 0,52 Prozent im Plus bei 22.680 Punkten – und trotzdem gibt es nichts zu feiern. Seit Ende Februar, seit dem Beginn des Iran-Kriegs, hat der DAX mehr als zehn Prozent verloren. Der größte Absturz seit Juni 2022. Fürs erste Quartal steht ein Minus von 7,4 Prozent in den Büchern [WirtschaftsWoche]. Die Erholung am Dienstag? „Der DAX atmet kurz auf, mehr ist es noch nicht“, so Jochen Stanzl von der Consorsbank laut WirtschaftsWoche. Er glaubt weder an eine Bodenbildung im Index noch an ein schnelles Kriegsende.

Trumps Exit-Fantasie trifft auf harte Realität

Das Wall Street Journal berichtet, Donald Trump habe seinen Beratern mitgeteilt, er sei bereit, den Militäreinsatz im Iran zu beenden – selbst wenn die Straße von Hormus weiterhin gesperrt bleibt. Schöne Story, dumm nur: Der Iran feuert weiter ballistische Raketen auf Nachbarstaaten, vor Dubai wurde ein kuwaitischer Öltanker getroffen. Der Brent-Ölpreis notiert über 100 Dollar, zwischenzeitlich sogar bei 118 Dollar.

Die Energiekrise bleibt, mit oder ohne Trumps Rückzugsphantasien. Unterdessen melden China und die Türkei eine Initiative für einen sofortigen Waffenstillstand und die Öffnung der Straße von Hormus, wie Handelsblatt berichtet. Mark Malek von Siebert Financial bringt es auf den Punkt: „Die Bewegung am Aktienmarkt spiegelt wider, was Händler sehen und hören wollen: einen einzigen, knappen Satz, der signalisiert, dass sich der Konflikt schnell und unkompliziert eindämmen lässt.“ Der Markt handelt also Hoffnung, nicht Fakten.

Europa zahlt die Zeche – wieder mal

Während die US-Börsen am Dienstag ein Kursfeuerwerk abbrannten – die Nasdaq schloss über drei Prozent im Plus –, bleibt Europa der Verlierer. Die USA sind weitaus weniger auf Öl- und Gastransporte aus Nahost angewiesen als europäische Länder. Der MDax verlor im März knapp elf Prozent, der EuroStoxx ebenfalls.

„Sollte der Krieg im Iran beendet werden und die Straße von Hormus weiterhin geschlossen bleiben, würde das den europäischen Unternehmen nur bedingt helfen“, analysiert CMC Markets nüchtern. Die Inflation in der Eurozone kletterte im März auf 2,5 Prozent, nach 1,9 Prozent im Februar [WirtschaftsWoche]. Der Ölpreisschock wirkt längst durch. Die EZB strebt mittelfristig zwei Prozent an – mittelfristig ist das neue Wort für „irgendwann, wenn wir Glück haben“.

Business Punk Check

Die DAX-Erholung ist Augenwischerei. Anleger klammern sich an vage Friedenshoffnungen, während die Realität eine andere Sprache spricht: Der Ölpreis bleibt hoch, die Straße von Hormus bleibt zu, und Europa sitzt ohne Plan da. Trumps angebliche Bereitschaft zum Rückzug ist pure PR – solange keine konkreten Schritte folgen, ist das Papier nicht mal das Papier wert, auf dem es nicht steht. Die wahre Frage lautet: Wie lange halten Investoren an der Illusion fest, dass sich geopolitische Krisen „schnell und unkompliziert eindämmen lassen“? Spoiler: Sie tun es nicht.

Wer jetzt auf Erholung setzt, sollte sich klarmachen, dass der DAX noch immer über 2.800 Punkte unter seinem Allzeithoch vom Januar notiert. Das ist keine Korrektur mehr – das ist Krise. Und die nächste Abwärtswelle kommt bestimmt, sobald die Märkte realisieren, dass Hoffnung keine Anlagestrategie ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie stark hat der DAX seit Kriegsbeginn verloren?

Seit Ende Februar, dem Beginn des Iran-Kriegs, hat der DAX mehr als zehn Prozent eingebüßt – der größte Verlust seit Juni 2022. Fürs erste Quartal steht ein Minus von 7,4 Prozent zu Buche.

Will Trump wirklich aus dem Iran-Krieg aussteigen?

Laut *Wall Street Journal* soll Trump seinen Beratern mitgeteilt haben, er sei bereit, den Militäreinsatz zu beenden – selbst bei weiterhin gesperrter Straße von Hormus. Konkrete Schritte fehlen bisher jedoch komplett.

Warum erholt sich der DAX jetzt trotzdem?

Anleger reagieren auf Spekulationen über ein Kriegsende und Friedensinitiativen von China und der Türkei. Zudem stützten positive US-Wirtschaftsdaten die Kurse. Die Erholung basiert eher auf Hoffnung als auf Fakten.

Wie wirkt sich der Ölpreis auf Europa aus?

Der Brent-Ölpreis notiert über 100 Dollar, zeitweise bei 118 Dollar. Das treibt die Inflation in der Eurozone auf 2,5 Prozent. Europa ist stärker von Nahost-Ölimporten abhängig als die USA und leidet entsprechend mehr.

Quellen: WirtschaftsWoche, Finanzen.net, Handelsblatt

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