AnlagePunk Vom Inflationsschutz zur Zockerwette: Bitcoin verliert seine Story

Vom Inflationsschutz zur Zockerwette: Bitcoin verliert seine Story

Bitcoin notiert deutlich unter seinem Allzeithoch. Analysten von CryptoQuant und Glassnode zeigen, wo der Boden liegt – und warum 53.000 Dollar die entscheidende Marke sind.

Vor einem Jahr schien Bitcoin unaufhaltsam. Treasury-Firmen wie MicroStrategy kauften Milliarden, Wall-Street-Riesen stiegen ein, sechsstellige Kurse galten als ausgemacht.

Heute steht die Kryptowährung bei rund 60.000 Dollar – deutlich unter dem Allzeithoch von knapp 69.000 Dollar. Wer im Oktober 2025 eingestiegen ist, sitzt auf massiven Verlusten. Die Frage lautet nicht mehr, ob Bitcoin die 100.000 Dollar knackt, sondern wo der Absturz endet.

Granthams Vernichtungsurteil: Bitcoin verschwindet

Jeremy Grantham, GMO-Mitgründer und legendärer Blasen-Prophet, hat Bitcoin jetzt offiziell abgeschrieben. Die Kryptowährung werde über Jahre, vielleicht Jahrzehnte verschwinden – nicht spektakulär, sondern schleichend. Grantham nennt Bitcoin einen nutzlosen, spekulativen Vermögenswert ohne inneren Wert. Sein Argument: Der Kurs halbiert sich ohne erkennbaren Grund, obwohl die Wirtschaft stabil läuft. Niemand zahle damit im Supermarkt, niemand nutze Bitcoin für ernsthafte Geschäfte.

Bitcoin werde im Verlauf von Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten verschwinden – „nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern“. Die Kryptowährung sei ein „nutzloser, spekulativer“ Vermögenswert ohne inneren Wert, so Grantham gegenüber CNBC.

Die Kryptowährung diene hauptsächlich dazu, Betrügern das Geldverschieben zu ermöglichen. Seit dem Allzeithoch ist erhebliche Marktkapitalisierung vernichtet worden. Gold hingegen legte im selben Zeitraum zu – selbst nach Korrekturen.

Der realisierte Preis: 53.400 Dollar als Schmerzgrenze

Während Grantham Bitcoin langfristig beerdigt, suchen Krypto-Analysten nach dem kurzfristigen Boden. Die entscheidende Kennzahl heißt realisierter Preis – der durchschnittliche Einstiegskurs aller Bitcoin-Halter. Laut BTC Echo liegt dieser Wert aktuell bei 53.400 Dollar. Historisch fungiert diese Marke als harte Unterstützung, weil Anleger ungern unter ihren Anschaffungskosten verkaufen. Julio Moreno, Forschungsleiter bei CryptoQuant, sieht den realisierten Preis als präzisen Indikator für Bärenmarkt-Tiefs.

Die Prognose: Bitcoin testet diese Marke bis September und bildet dort den endgültigen Boden. Glassnode kommt mit dem MVRV-Z-Score von 0,26 zum gleichen Ergebnis. Werte nahe null markierten in früheren Zyklen stets das Ende von Bärenmärkten. Brett Singer von Glassnode nennt eine Spanne zwischen 37.000 und 60.000 Dollar, im Durchschnitt rund 53.000 Dollar. Bitcoin-Veteran Bruno Ver erwartet einen Rückgang auf 50.000 Dollar, bevor sich ein dauerhafter Boden etabliert.

Deribit-Optionen und ETF-Abflüsse verschärfen den Druck

Kurzfristig verschärfen strukturelle Faktoren die Lage. Auf der Krypto-Optionsbörse Deribit verfielen am Freitag Bitcoin-Optionen im Nominalwert von 10 Milliarden Dollar. Die meisten Kontrakte waren bullische Wetten – und liegen jetzt wertlos. Deribit-Manager Jean-David Péquignot bestätigt laut Telepolis, dass die Long-Call-Positionierung komplett ins Abseits geraten sei. Der Großteil der Kontrakte lag aus dem Geld und hatte bei aktuellen Kursen keinen inneren Wert mehr.

Parallel dazu fließen Milliarden aus US-Bitcoin-Spot-ETFs ab. Allein im Juni flossen Schätzungen zufolge rund 2 bis knapp 3 Milliarden Dollar netto aus den Fonds ab. Privatanleger schichten in KI-Aktien um, institutionelle Investoren zweifeln am Finanzierungsmodell von Strategy Inc. – einer der größten Bitcoin-Käufer. Der Fear-and-Greed-Index von CoinMarketCap lag zuletzt im Bereich von rund 15 Punkten, tief im Bereich extremer Angst.

Business Punk Check

Bitcoin-Maximalisten verkaufen seit Jahren das Narrativ der digitalen Knappheit und des Inflationsschutzes. Die Realität entlarvt diese Geschichte als Wunschdenken. Während Gold seinen Job macht und Wert bewahrt, verliert Bitcoin die Hälfte – ohne externen Schock, ohne Rezession, einfach so. Jeremy Grantham hat recht: Wo ist der praktische Nutzen? Niemand zahlt damit Rechnungen, niemand sichert damit Vermögen ab. Bitcoin bleibt ein spekulatives Instrument für Zocker, nicht für ernsthaften Vermögensaufbau. Die Analysten von CryptoQuant und Glassnode liefern zwar fundierte technische Marken, aber das ändert nichts am Grundproblem: Bitcoin hat keine Ertragsquelle, keine Dividende, keine reale Anwendung.

Der realisierte Preis bei 53.400 Dollar mag historisch relevant sein – aber was, wenn diesmal anders ist? ETF-Abflüsse, institutionelle Zurückhaltung und der Wechsel zu KI-Aktien zeigen, wohin Smart Money wirklich fließt. Wer jetzt einsteigt, spekuliert auf Erholung ohne fundamentale Basis. Das kann funktionieren, ist aber kein Investment, sondern Wetten. Für echten Vermögensaufbau braucht es Cashflow, Substanz, reale Wertschöpfung. Bitcoin liefert davon nichts. Die 53.000-Dollar-Marke mag technisch interessant sein – aber sie ändert nichts daran, dass Bitcoin ein spekulativer Vermögenswert ohne inneren Wert bleibt. Wer das Risiko versteht und nur Spielgeld einsetzt, kann zocken. Alle anderen sollten sich fragen, ob sie wirklich auf ein Narrativ setzen wollen, das gerade in Echtzeit zerfällt.

Quellen: Btc Echo, Telepolis

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